Der Echo ist am Ende

8. März 2013, 13:35 Uhr

Die Entscheidung, der rechten Band Frei.Wild die Echo-Nominierung zu entziehen, ist richtig. Dass es jedoch so weit kommen konnte, ist ein Debakel - das von einem merkwürdigen Kunstverständnis zeugt. Ein Kommentar von Carsten Heidböhmer

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Der Eklat um die Nominierung von Frei.Wild hat deutlich gemacht: Der Musikpreis Echo muss dringend erneuert werden.©

Gut, dass die Deutsche Phono-Akademie die umstrittene Südtiroler Band Frei.Wild von der Liste der Nominierten für den deutschen Musikpreis Echo gestrichen hat. Eine Musikgruppe, die auch nur im leisesten Verdacht steht, rechtsextrem zu sein - und diesen Verdacht nicht aus der Welt räumt -, hat auf einer Verleihung des wichtigsten deutschen Musikpreises nichts zu suchen.

Es ist vor allem den Musikern von Kraftklub zu verdanken, dass die Phono-Akademie die Reißleine gezogen hat. Ohne den couragierten Boykott der Chemnitzer Band, dem sich die Berliner Gruppe Mia anschloss, wäre Frei.Wild wohl am 21. März in Berlin anwesend gewesen - und hätte möglicherweise einen Auszeichnung bekommen.

Im Kampf gegen Rechts müssen alle gesellschaftlichen Gruppen an einem Strang ziehen: Eine Band, die mit rechten Symbolen und Werten kokettiert und nichts gegen rechtsextreme Fans unternimmt, ist nicht preiswürdig.

Peinlicher Preis

Gleichzeitig zeigt der Eklat aber vor allem Eines: Wie peinlich und unzeitgemäß das Regularium dieses Musikpreises ist. Auf der Homepage sieht die Phono-Akademie den Echo "nahtlos" in einer Reihe mit dem Grammy. Das ist nicht nur vermessen - sondern auch falsch. Denn während beim Grammy eine Jury bestimmt, wer nominiert ist und wer nicht, werden die fünf Nominierten beim Echo ganz bürokratisch-deutsch ermittelt: durch die Zahl der verkauften Tonträger.

Eine Auswahl treffen kann die Jury dann nur unter diesen fünf vorausgewählten Künstlern. Wobei "Jury" auch falsche Assoziationen weckt: Abstimmen dürfen sämtliche Mitglieder des Bundesverbandes Musikindustrie sowie ehemalige Echo-Preisträger. Dieses Verfahren stellt den Sinn eines Künstlerpreises komplett auf den Kopf. Während etwa beim renommierten britischen Mercury Music Prize eine Jury aus Musikern und Fachleuten regelmäßig spannende Künstler auszeichnet, der Preis also für musikalische Substanz vergeben wird, scheißt der Teufel hierzulande auf den größten Haufen: In Deutschland werden Künstler mit Trophäen behängt, deren Verdienst sich ausschließlich an hohen Verkaufszahlen bemisst. Dabei erhalten die Stars dafür ohnehin schon Goldene Schallplatten.

Bei einem Verfahren wie diesem ist es also nicht verwunderlich, dass eine problematische Band wie Frei.Wild auf die Nominierungsliste gerät. Einen Preis wie diesen braucht kein Mensch. Die Deutsche Phono-Akademie sollte aus dem Eklat ihre Schlüsse ziehen - und das Regularium dringend ändern. Deutschlands wichtigster Musikpreis darf nicht nach Quantität vergeben werden - sondern ausschließlich nach Qualität.

 
 
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Auszeichnung Grammy Musikgruppe Nominierten Wild
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