
Um ihn dreht sich der Prozess: Jürgen Emig, ehemaliger Sportchef des HR© AP
Reitze kam erst Anfang 2003 zum HR. Davor war er stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Er betonte, die von den Medien als "System HR" bezeichnete Praxis von seinem Vorgänger Klaus Berg übernommen zu haben. Tatsächlich fing der damalige Sportchef Emig in den neunziger Jahren unter Bergs Regie damit an, für sein eigenes Ressort Zuschüsse von Veranstaltern und Sponsoren einzuwerben - um mehr Sportprogramm finanzieren zu können.
Bei diesen Geschäften wurde schließlich oft die besagte Agentur SMP dazwischengeschaltet, die in Emigs Umfeld gegründet wurde und von der Ex-Geschäftsführer Frahm sagte, er habe dem Sendermann doch nur einen "Freundschaftsdienst" erwiesen. Jetzt sitzt er, der einst aufflog, als er Geld am Finanzamt vorbei in Liechtenstein deponierte, mit auf der Anklagebank. Frahm blätterte im Gericht schon mal in einem Urlaubskatalog - und hat zu Hause unter anderem einen SLK stehen.
Reitze sagte, er habe nach der Amtsübernahme "den überwältigenden Eindruck" gewonnen, "dass es eine ganz wesentliche Aufgabe Emigs war, Akquise zu betreiben". Dieses Grundverständnis bedeutet jedoch nichts anderes, als dass die Senderspitze über Generationen hinweg abnickte, dass Emig als Sportchef nicht nur journalistisch arbeitete sondern auch aktiv Geldgeber für seine Programme suchte.
Es war also dieses von den Verantwortlichen tolerierte Umfeld, das Emig offensichtlich dazu verleitete, kriminelle Energie zu entfalten. Vor allem Berg muss sich diesem Vorwurf aussetzen lassen. Reitzes Vorgänger soll am kommenden Dienstag vor Gericht erscheinen.
Diese Bedingungen führten unter anderem dazu, dass Emig als Redaktionsleiter eine Läufergruppe in Szene setzen ließ, die von einer Bank gesponsert wurde, die wiederum dafür zahlte, dass ihre Sportler ins Bild kamen. Das Gericht fragte etwas unwissend, warum so etwas denn den Verantwortlichen bei Betrachtung der Übertragung nicht auffalle. Das Problem aber ist, von Reitze korrekt beschrieben: Es ist üblich und richtig, eine Gruppe speziell zu begleiten, um an ihr exemplarisch etwa Taktik und Teamgeist zu beschreiben. Nur darf dafür natürlich keine zahlen.
Reitze sagte nun aber, Emig habe genau diesen Umstand ausgenutzt - wohl wissend, dass keinem die Bezahlung der Auswahl bekannt gewesen sei. Der Intendant schoss vor Gericht: "Da ist eine redaktionelle Entscheidung von Herrn Emig verkauft worden - das konnte doch keiner ahnen." Dass sein Sender aber selbst die Grundlage für die in Verruf geratene Praxis gelegt habe, verschwieg er lieber. Stattdessen sagte er zu Emigs Arbeit: "Da wurde ein ziemlich beachtliches Ausmaß an Verschleierung und Vertuschung an den Tag gelegt."