Ex HR-Sportchef Emig 600.000 Euro in die Tasche gesteckt


"Ich war der Schalck-Golodkowski des Hessischen Rundfunks", so brüstete sich der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks Jürgen Emig gerne selbst. Jetzt wurde gegen den bekannten Radsportexperten Anklage erhoben. Der Grund: Korruptionsverdacht.

Mehr als drei Jahre nach den ersten Zeitungsberichten kommt das mutmaßliche Schmiergeld-System des früheren Sportchefs des Hessischen Rundfunks Jürgen Emig vor Gericht. Über 600.000 Euro soll sich der 61 Jahre alte Radsportexperte mit unerlaubten Provisionen und Schleichwerbung in die eigene Tasche gelenkt haben, heißt es in der am Freitag von der Frankfurter Staatsanwaltschaft vorgestellten Anklage. Sein früherer Sender, der Hessische Rundfunk, wird wohl mit einem blauen Auge davonkommen. Denn Emigs Vorgesetzte haben nach den veröffentlichten Erkenntnissen der Ermittler nichts von den strafwürdigen Machenschaften gewusst.

Unbestritten war das "System Emig" lange Zeit auch ein "System HR". Mit besonders großem Einsatz, wie Staatsanwalt Michael Loer sagt, mühte sich der populäre Sportchef seit Mitte der 90er Jahre um Sponsoren und so genannte Beistellungen. So hießen die Produktionskostenzuschüsse, die Veranstalter von "Randsportarten" zahlen mussten, um überhaupt ins HR-Programm zu kommen. Rund 13 Millionen Euro will Emig nach eigenen Berechnungen seinem Sender eingeworben haben - völlig legal, wie die Staatsanwaltschaft ausdrücklich feststellt.

Auch MDR-Sportchef involviert

Dem gebührenfinanzierten HR waren die zusätzlichen Millionen hochwillkommen, und Emig erhielt Belobigungen. "Ich war der Schalck-Golodkowski des Hessischen Rundfunks", hat Emig sich laut "Süddeutscher Zeitung" gebrüstet und fühlte sich wohl auch so unangreifbar wie der legendäre Devisenbeschaffer der DDR.

Irgendwann muss es dem fest angestellten Redaktionsleiter mit einem Jahresgehalt von zuletzt über 100 000 Euro nicht mehr genug Anerkennung gewesen sein. Er begann laut Anklage, sich seine Mittlertätigkeit im öffentlichen Auftrag nebenher privat vergüten zu lassen. Künftig war die Agentur seiner Ehefrau im Spiel, wenn beim HR-Sport Sponsorenverträge geschlossen oder "Beistellungen" vereinbart wurden. Als der Sender die Praxis monierte, gründete Emig verdeckt mit seinem nun mitangeklagten Kumpel Harald Frahm die Agentur SportMarketing & Production GmbH, kurz SMP. Über den damaligen MDR-Sportchef Wilfried Mohren wurde das System laut Ermittlungen noch in den Osten Deutschlands exportiert.

Warten auf den Prozess

Emigs Kundenliste sei lang, berichtet Staatsanwalt Loer. Etwa 20 Übertragungen größerer Sportereignisse aus Hessen - unter anderem Radsport, Tourenwagenrennen, Leichtathletik oder Triathlon - fallen ihm spontan ein, und auch bei den regelmäßigen HR-Sportsendungen gab es einiges zu verdienen. Für die Übertragung von Regionalliga- Fußballspielen im HR-fernsehen sicherte Emig der SMP die Rechte zur Vermarktung bestimmter Werbeformen während der Sendung.

Besonders dreist ging Emig der Anklage zufolge bei dem von ihm moderierten Heimat-Radrennen "Rund um den Henningerturm" vor. In enger Abstimmung mit dem Veranstalter habe er in Frankfurt und im Taunus Streckenführung und Kamerastandorte festgelegt und anschließend über die SMP Werbeflächen vermarktet, die bei der Übertragung ins TV-Bild gerückt wurden. Innerhalb von vier Jahren soll Emig so 225 000 Euro eingenommen haben, über 50 000 Euro pro Rennen. Auf den Prozess müssen Emig und sein Kompagnon Frahm noch warten, denn nach den drei Jahre währenden Ermittlungen einer überlasteten Staatsanwaltschaft ist nun das nicht minder beanspruchte Landgericht Frankfurt am Zug.

DPA/kbe


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