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1. April 2010, 10:05 Uhr

Wie gefährlich ist Scientology wirklich?

Mehr als acht Millionen Zuschauer haben den ARD-Film über Scientology eingeschaltet. Stern.de sprach mit einem Experten des Verfassungsschutzes über die Gefahr, die von der Sekte ausgeht.

Scientology, Sekte, Verfassungsschutz, Bis nichts mehr bleibt, ARD, ARD-Film

2007 wurde in Berlin ein neues Zentrum von Scientology eingeweiht, die Deutschland-Zentrale der Sekte befindet sich in München© Axel Schmidt/DDP

Herr Murck, wie viele Mitglieder hat Scientology in Deutschland?
In Deutschland gibt es derzeit rund 5.000 Scientologen. In den vergangenen Jahren haben wir einen leicht rückläufigen Trend der Mitgliederzahlen in Deutschland beobachtet.

Seit 1997 wird Scientology vom Verfassungsschutz beobachtet. Welche Befürchtungen hatte man damals und was davon hat sich bewahrheitet?
Es gab deutliche Anhaltspunkte für den Verdacht, dass Scientology eine Gesellschaftsordnung anstrebt, die nicht den Grundsätzen der freiheitlichen Demokratie und des Rechtsstaats entspricht, also als verfassungsfeindlich einzustufen ist. Außerdem befürchtete man, dass Scientology großen Einfluss auf andere gesellschaftliche Bereiche, insbesondere die Politik habe. Diese Anhaltspunkte sind immer noch vorhanden, auch die Rechtmäßigkeit der Beobachtung durch den Verfassungsschutz wurde unter anderem durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster im Jahr 2008 bestätigt. Nicht bestätigt haben sich Befürchtungen über einen relevanten Einfluss der Scientology auf die deutsche Politik. Scientology hat allerdings mit einigen Tricks versucht, politische Kontakte zu schaffen.

Wie unterscheidet sich Scientology international von Scientology in Deutschland?
Scientology funktioniert überall gleich nach der "Technologie" des Gründers L. Ron Hubbard. Da Scientology jedoch stets um ihren Ruf besorgt ist und in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird, agiert sie hier vergleichsweise zurückhaltend. Deswegen sind auch die Aktivitäten des "Office of Special Affairs" (OSA), dem internen Geheimdienst von Scientology, eher geringer geworden. Hierzulande gibt es auch kein "Rehabilitation Project Force" (RPF), das ist ein Art Straflager, bei dem die Mitglieder ideologisch indoktriniert werden.

Was ist das Gefährliche an Scientology?
Scientology strebt danach, die freiheitliche Demokratie längerfristig und mit Hilfe kontinuierlicher Expansion durch ein totalitäres scientologisches Systems zu ersetzen. Diese Gefahr ist allerdings eher abstrakt, weil die Sekte nicht über signifikanten Einfluss in unserer Gesellschaft verfügt. Aber die Gefahr für einzelne Menschen, die Mitglied werden, ist sehr konkret, denn es wird erheblicher psychischer Einfluss auf sie ausgeübt und sie werden finanziell ausgebeutet.

Wie ködert die Sekte ihre Mitglieder?
Potenzielle Mitglieder werden persönlich angesprochen, sowohl im Bekanntenkreis als auch bei öffentlichen Aktivitäten. Die Scientologen suchen bei Kandidaten nach einem Schwachpunkt, dem sogenannten "Ruin-Point", und versprechen, dass sie helfen können. 'Wir machen dich fähiger', lautet die Devise. Das greift vor allem bei Personen, die zum Zeitpunkt des Werbens psychisch-soziale Konflikte oder andere Probleme haben, sie bekommen Hilfsangebote und persönliche Zuwendung. Die Scientologen nennen das "Love Bombing" und setzen es taktisch ein, sodass sich bei einem neuen Mitglied zumindest anfangs ein wohliges Gefühl der Akzeptanz und Geborgenheit einstellt.

Welche Initiationsriten gibt es?
Am Beginn der Mitgliedschaft gibt es einen "Purification Rundown" mit Sauna, Vitaminen und Joggen. Das soll den Körper reinigen. Im weiteren Verlauf der Mitgliedschaft greift ein "Ethik-Programm". Wenn neue Mitglieder sich nicht linientreu verhalten, dürfen sie beispielsweise nicht an internen Aktivitäten der Gruppe teilnehmen. Damit übt man sozialen Druck aus. Ausstiegswillige werden typischerweise penetrant und über längere Zeit zum Bleiben bzw. zur Rückkehr aufgefordert. Dies kann ein regelrechtes Bedrängen sein. Straftaten wurden unseres Wissens in diesem Zusammenhang in Deutschland aber nicht verübt.

Anfang 2007 wurde in Berlin unter großem Protest ein pompöses neues Zentrum von Scientology eingeweiht. Hat das der Sekte neuen Auftrieb gegeben in Deutschland?
Es ist eine bekannte Taktik der Sekte, mit derartigen Einweihungen eine Expansion vorzugaukeln, die in Wirklichkeit so nicht existiert. Die Errichtung eines solchen Zentrums dient auch der Propaganda nach innen und festigt den Zusammenhalt. Allerdings wurde die Idee einer Expansion in alle gesellschaftlichen Bereiche, auch in die Politik, noch nicht aufgegeben und nach wie vor errichtet die Sekte ihre Niederlassungen in politischen Zentren, wie zuletzt in Brüssel, um dort Einfluss zu suchen. In Deutschland insgesamt hat diese Einrichtung in Berlin Scientology aber keinen bemerkenswerten Auftrieb verliehen. Es waren eher propagandistische Effekte damit verbunden. Es ist übrigens nicht die Deutschland-Zentrale. Die Scientology Kirche Deutschland e.V. hat ihren Vereinssitz in München.

Zur Person

Zur Person Manfred Murck ist stellvertretender Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz und beobachtet seit vielen Jahren Scientology.

Interview: Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (10 von 42)
 
Administrator (01.04.2010, 15:54 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Diskussion. Wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht und werden die Debatte jetzt schließen, da eine sachliche Diskussion an dieser Stelle anscheinend nicht mehr möglich ist.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
LaoLu (01.04.2010, 15:44 Uhr)
Ach Gott,
jetzt auch noch unser Betbruder!
BiffBoffo (01.04.2010, 15:32 Uhr)
Totalitarismus
Das ist diese Sekte. Deutschland hat darin recht gute erfahrung. Vor 70Jahren war da so ein Österreicher der dicke Ärme gemacht hat. Bis heute wird auf die Deutschen damit eingeprügelt.

Totalitarismus bezeichnet in der Politikwissenschaft eine diktatorische Form von Herrschaft, die, im Unterschied zu einer autoritären Diktatur, in alle sozialen Verhältnisse hinein zu wirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen ?neuen Menschen? gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen. Während eine autoritäre Diktatur den Status quo aufrechtzuerhalten sucht, fordert eine totalitäre Diktatur von den Beherrschten eine äußerst aktive Beteiligung am Staatsleben sowie dessen Weiterentwicklung in eine Richtung, die durch die jeweilige Ideologie angewiesen wird.
freierchrist (01.04.2010, 15:31 Uhr)
Warnung aus der Bibel:
"Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug,
gegründet auf die Lehre von Menschen
und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus."
Kolosser 2, Vers 8

Was hat diese Sekte mit Glaube, oder Bibel gemeinsam ?

Nichts, aber auch garn nichts !!!

Genausowenig wie die katholische Kirche!

Für wen hat eigentlich Martin Luther die Bibel übersetzt ?

Wer kümmert sich noch um Gottes Wort.

Jesus Jünger waren alles "einfache, unstudierte Leute".
Paulus war der einzig studierte und erachtete sein Wissen, als "Dreck".

In Phil. 3, 8 schreibt Paulus:
"Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn.
Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden,
und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne".

Und Jesus selbst sagt in Matthäus 11, 25:
"Ich preise dich, Vater,
Herr des Himmels und der Erde,
weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast
und hast es den Unmündigen offenbart."

Worte vom "studierten" Paulus, der erkannte,
dass Gott, das "Kleine, Geringe" erwählt, nicht die Hochintelligenz und dass die
Weisheit der Welt,
Torheit vor Gott ist.
---------------
Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14):
»Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen,
und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«
Wo sind die Klugen?
Wo sind die Schriftgelehrten?
Wo sind die Weisen dieser Welt?
Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
1. Kor.1,18-20

Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung.
Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen.
Sondern was töricht ist vor der Welt,
das hat Gott erwählt,
damit er die Weisen zuschanden mache;
und was schwach ist vor der Welt,
das hat Gott erwählt,
damit er zuschanden mache,
was stark ist;
und das Geringe vor der Welt
und das Verachtete hat Gott erwählt,
das, was nichts ist,
damit er zunichte mache, was etwas ist,
damit sich kein Mensch vor Gott rühme.
1. Korinther 1, 26-29
-----------------
Scientology hat nichts mit dem christlichen Glauben gemeinsam.
Deren Glaube
"kommt nicht von oben,
sondern von unten."

Paulus schreibt im 2.Thess.2,4 eine Warnung, die auch auf den Papst zutrifft:

Er ist der Widersacher,
der sich erhebt über alles,
was Gott oder Gottesdienst heißt,
sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt,
er sei Gott.

Bibelverse aus Lutherübersetzung
jetrabbit (01.04.2010, 15:04 Uhr)
da geht er dahin, der alte gott
der neue gott steht in den startlöchern. die alten religionen werden demontiert... newage bewegungen haben popularität. es scheint das die menschen eine hirachie in einer religion als das eigentliche übel ansehen. gott ist unabhängig einer religion zu sehen, so wie es die bibel auch vorschreibt. die bibel akzeptiert nur das persönliche verhältnis mit gott... "es darf keine person oder institution zwischen uns stehen"...
.
gaia vielleicht? wie es aussieht, ein naturgott(göttin)... die schattenseite ist, das die letzte zuflucht der "schwachen" somit wegbricht... das erfreut die "starken" dieser welt... nichts ist zufall?
NewWorld (01.04.2010, 15:03 Uhr)
@Gisella
Ich glaube, sie haben mich falsch verstanden. Nicht SIE gehen zur Sekte, wenn sie Probleme haben. Scientology versucht Ihr Vertrauen zu gewinnen, anfangs allerdings, ohne das sie wissen, dass sie mit Scientology reden.
Das kann über Freunde & Familie passieren, aber auch über den Arbeitgeber.
Beleibt sind kleinere oder mittelständischen Betriebe, die in Schwierigkeiten stecken. Wie nicht ganz unüblich, werden bei Problemen, die das Management nicht selbst lösen kann, Unternehmensberater beauftragt.
Auf diesem Feld war Scientology wohl auch in Deutschland tätig oder ist es auch noch (siehe "Der Sektenkonzern" von Billerbeck/Nordhausen 1994).
Die haben dann Audits mit den Mitarbeitern geführt und schon hatte man völlig unbewußt den Kontakt.
Und mal ehrlich, wenn der Chef sagt, da kommt ein Unternehmensberater und macht Audits mit den Mitarbeitern um die Firma zu retten, dann denkt man eher nicht an Scientology sondern macht sich sorgen um den Job.

Johann58 (01.04.2010, 15:01 Uhr)
@Alice_42
Es gibt durchaus tollerante Religionen wenn Sie an fernoestliche Religionen oder Naturreligionen denken und nicht alle sind dann darauf aus zu missionieren. Das sind wohl im Wesentlichen die Christlichen und der Islam. Da eine der Eigenschaften des Menschen die Denkfaehigkeit (leidre nicht immer) ist faengt meiner Meinung nach der Mensch irgendwann an zu ueberlegen wo der Mensch und as Universum herkommt. und meine persoenliche Philosophie ist, dass hier die Religion etwas uebernimmt was man nicht erklaeren kann.

Man darf nur meiner Meinung nach nicht pauschal jede Religion und deren Anhaenger verurteilen. Bei Organisationen wie Scientology sieht das ganz anders aus und es ist mit unbegreiflioch wie mand das als Religion bezeichnen kann.
erap123 (01.04.2010, 14:33 Uhr)
Erklärungsversuche des Autors
Warum die Erklärungsversuche des Autors,
Scientology als nicht relevante Gefahr darzustellen?

Es ist menschenverachtend seine Mitglieder psychisch und finanziell zu ruinieren. Da gibt es nichts zu rechtfertigen.

Ich würde den Laden schliessen lassen.


alice_42 (01.04.2010, 14:31 Uhr)
Nach Durchsicht ...
... der Bildergalerie der Scientology-Anhänger komme ich zu der Vermutung, dass Scientology ausgesprochen schädlich für den Teint zu sein scheint :-)
Gesund sehen die ja alle nicht aus.
alice_42 (01.04.2010, 14:28 Uhr)
@Johann58
"Das Wesen des Menschen liegt auch darin, dass er an irgendetwas glauben moechte."
---
Da irren Sie. Das denken nur diejenigen, in deren Wesen es liegt, an irgendetwas glauben zu wollen - quasi die "Betroffenen". Diejenigen, in deren Wesen das nicht liegt, denken darüber selbstverständlich völlig anders.

Während Letztgenannte jedoch meist den Glauben anderer Menschen akzeptieren und nur die auf dem Glauben beruhende Einmischung in das Leben der Nichtgläubigen ablehen, lehen die Gläubigen häufig die Nichtgläubigen grundsätzlich ab. Diesbezügliche Toleranz ist den Anhängern jedweder Religion leider meist fremd.
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