Anke Engelke meldet sich heute Abend mit ihrer Sketch-Show "Ladykracher" zurück. Wer darauf hofft, dass sie im Interview ganz viel Quatsch macht, braucht nicht weiterzulesen. Ein ernsthaftes Gespräch mit einer Komikerin.

Diese Frau hat im zurückliegenden Jahr unter anderem ein Schwein und ein Känguru synchronisiert© Sat.1/Ali Kepenek
Die kleine Anke, die ständig aufzeigt und ruft: Herr Lehrer, ich weiß was? Was für eine furchtbare Vorstellung!
... und deswegen halten Sie mich für eine Streberin? Nie gewesen.
Wissen Sie, weshalb ich so gern interviewt werde? Weil man erfährt, was die Leute über einen denken. Das ist toll! Neulich hat mich zur neuen Staffel "Ladykracher" ein Journalist interviewt, der hatte gar nicht mitgekriegt, was ich in letzter Zeit gemacht habe. Er eröffnete das Gespräch so: "Frau Engelke, jetzt haben Sie ja fünf Jahre Pause gemacht ..." Da hab ich nur gedacht: Hallo? Was für eine Pause?
Es sollte nicht sein. Für eine Show, die mit einem Stand-up-Monolog beginnt, war ich die Falsche. Dafür muss man böse sein und ein bisschen größenwahnsinnig, eine Rampensau. Bin ich nicht.
Als die Sendung abgesetzt wurde, war ich sehr traurig. Nicht meinetwegen, sondern weil ich ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Team hatte. Da haben Menschen Häuser gekauft und Kinder gezeugt, weil ich gesagt hatte: Leute, ich garantiere euch einen Job für ein paar Jahre. Die hatten sich auf mich verlassen, ich habe sie enttäuscht.
Ich hatte lange Zeit Komplexe - aber nicht wegen der Late-Night-Show. Ich hatte das Gefühl, mir fehlt etwas, der Besuch einer Schauspielschule oder eine vergleichbare fundierte Ausbildung. Es war gar nicht so, dass ich ständig gefragt worden wäre: Was hast du gelernt? Aber ich hatte so einen Rechtfertigungsdrang, als müsste ich mich bei mir und der Welt dafür entschuldigen, dass ich Comedy mache.
Das letzte und vielleicht zündende Erlebnis war das Casting für die neue Staffel "Ladykracher". Als wir überlegten, wen wir gern ins Ensemble nehmen möchten, setzten wir richtig gute Theaterleute auf die Wunschliste. Ich hatte kaum zu hoffen gewagt, dass die kommen würden. Und dann sind die da und zitieren irgendwelche Sachen aus "Ladykracher". Das hat richtig gut getan. Manche dieser sogenannten seriösen Schauspieler standen zitternd vor mir, so aufgeregt waren die. Ich dachte, ey, was ist denn jetzt los?
Das war super, wir waren jedes zweite Wochenende unterwegs. Da ist Halligalli im Bus, man tritt in einer Sendung von Peter Frankenfeld auf, bei irgendeinem Straßenfest oder in einem Altenheim, wir alle in gelben Blusen und grün-gelb-karierten Röcken, und hinterher gibt's eine Tafel Schokolade. Ich glaube, in einem Chor zu singen ist das Beste, was einem passieren kann, so ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben, auch so ein bisschen Bühnenangst zu überwinden. Das hat mich schon sehr geschult, aber gänzlich ohne Kalkül. Mit zehn, elf, möchte ich mal schwer hoffen, hatte ich keine Ahnung, was ich da tue.
Das war eher ein Versehen. Ein anderes Mädchen aus unserem Chor sollte mit ihm auftreten. Das klappte nicht. Dann haben sie mich gefragt, vielleicht fanden die mich süß, ich war ja immer die Kleinste. Udo Jürgens soll das jetzt bitte nicht falsch verstehen, aber das eigentlich Tolle war, dass in derselben Show die Supremes auftraten. Die hab ich bewundert, auch wenn Diana Ross damals schon nicht mehr dabei war, und plötzlich durfte ich die aus der Nähe sehen, Wahnsinn! An jenem Abend hatte ich übrigens auch meine erste Begegnung mit einem Reporter von der "Bild"-Zeitung. Der nahm mich zur Seite, stellte mir Fragen über meine Eltern, so schmierig, so schleimig, so dreist - ich hab die Welt nicht mehr verstanden. Ich war so verwirrt, dass ich anfing zu heulen. Seither pflege ich zu "Bild" eine innige Feindschaft.
Na ja, wir haben uns schon gefragt: Was ist denn mit dem los? Was hat denn der für Haare, warum trägt der immer diese dunkle Brille? Er war ein Brummbär, aber irgendwie auch ganz in Ordnung. Und seine Frau Hannelore war extrem reizend.
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Stern
Ausgabe 45/2008