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20. Juni 2007, 13:35 Uhr

"Gibt's auch grüne Blumen?"

Gülcan und Sebastian heiraten. Deutschland heiratet mit. Seit gestern lassen uns die Moderatorin und der Millionärs-Sohn an den Vorbereitungen teilhaben, dienstäglich auf Pro Sieben. Die Analyse eines großen Liebesdramas von stern-Redakteur Alexander Kühn.

Nicht ohne meine Mutter: Gülcan mit Mama Fatma Karahanci (l.)© ProSieben

Es sind die großen Schicksale, mit denen die Theaterdichter uns seit uralten Zeiten bewegen. Ödipus, Beglücker der Mutter, Killer seines Vaters. Agamemnon, der nach zehn Jahren Trojakrieg heimkehrt und vom Lover der Frau erdolcht wird. Und, von allen Dramen das ergreifendste: die Geschichte von den Nachkömmlingen verfeindeter Geschlechter, Romeo und Julia, deren Liebe in den Tod führt.

Nun möchte man Gülcan und Sebastian nicht den finalen Gift-Tropfen wünschen, hat man sich doch an ihre mediale Präsenz bereits zu sehr gewöhnt. Auch sind ihre Familien nicht verkracht - was zunächst daran liegt, dass sie einander gar nicht kennen, weswegen die erste Folge von "Gülcans Traumhochzeit" in der Zusammenführung der Kamps und der Karahancis mündet.

Wir sehen also keine zeitgemäße Adaption von "Romeo und Julia". Und doch darf man das, was Pro Sieben da geschaffen hat, nicht verkennen als eine dieser mülligen Doku-Soaps, die mit dem langweiligen Alltag gelangweilter Halbberühmtheiten langweilen. Allein die erste Folge, die am Dienstagabend zu sehen war, gestaltete sich als in sich abgeschlossenes Drama von Shakespear’scher Höhe, gegeben in fünf Akten.

Vorspiel: Vorstellung der Hauptpersonen. Gülcan, 24 - "Deutschlands heißeste TV-Moderatorin", "Stil-Ikone", "Pop-Prinzessin". Sebastian, 25 - ihr Prinz. Schauplatz: Die gemeinsame Wohnung in Düsseldorf. Blickfang ist eine Riesencouch mit Zebramuster, die ihren vollen optischen Reiz erst entfaltet, wenn Gülcan im Leopardenkleidchen darauf Platz nimmt. Und dann gibt es noch einen Riesentisch, den Gülcan nach dem Frühstück, im türkisfarbenen Bademantel, selbst wischt. Dabei munter plappernd, vom ersten Blinzeln an, während Sebastian so früh morgens noch nichts sagt. Und den Rest des Tages kaum mehr.

Erster Akt: Heraufziehen einer ersten Katastrophe! Gülcan entdeckt, begleitet von dramatischer Musik, an der Decke einen Wasserfleck. Verzweiflung! Infragestellung der Welt an sich! Hadern mit dem Schicksal! Auftritt des Deus ex machina: Petra - Sebastians Mutter. Die sagt, man müsse einen Klempner rufen, der mache alles wieder heil. Gülcan ruft einen Klempner. Der macht alles wieder heil.

Zweiter Akt: Heraufziehen der zweiten Katastrophe! Sebastian hat eine geschwollene Wange. "Es kann alles sein", unkt, einer Seherin gleich, Mutter Petra. Und erzählt etwas von "Tumor", "Ultraschall", "Eiter", "Antibiotika", "Ohrenarzt". Und: "Das kann sich ins Gehirn entwickeln!"

Dritter Akt: Grundsätzliche Gedanken über die Hochzeit, für die Dramaturgie wichtig als Moment des Innehaltens. Schauplatz: Gülcans Veranda. Gülcan: "Ich fände einen herzförmigen Ständer schön, wo man Torten reinhängen kann", "Gibt's denn auch grüne Blumen?", "Also, einen Clown hätte ich gerne". Schwester: "Oder eine Bauchtänzerin." Ursel - Sebastians Oma: "Oder einen Conferencier." Gülcan: "Was ist denn das?" Wendung zum Guten: Sebastian wird aus dem Krankenhaus entlassen, mit Pflaster an der Backe. War nur ein Abszess.

Vierter Akt: Vorbereitung der Familienzusammenführung mit lecker Essen, Ansteuerung des Höhepunkts. Schauplatz: die Küche. Mutter Petra bereitet Oma Ursel vor: "Die Familie heißt Ka-ra-han-chi." Oma Ursel: "Ob die das alles mögen? Wir wissen das ja gar nicht." Mutter Petra: "Was sie nicht mögen, wird einfach weggeschmissen."

Fünfter Akt: Dritte Katastrophe! Petra hat Migräne. Kann das Familientreffen stattfinden? Ja, es kann. Petra bleibt einfach im Bett. So hat sich doch noch alles zum Guten gewendet, und nach einer Stunde stellt sich beim Betrachter so etwas ein wie eine kathartische Reinigung. Festgemacht am Gefühl: Herr, ich danke dir, dass ich nicht bin wie diese!

 
 
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