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NDR-Markt: Billig-Brötchen vom Discounter im Test: Kann die Qualität überzeugen?

Discounter wie Lidl und Aldi verkaufen "frische" Brötchen für wenige Cents. Dass die Teiglinge nur aufgebacken sind, ist längst bekannt. Aber wie steht es mit der Qualität der Backwaren? Das Ergebnis des Tests überrascht.

Billig-Brötchen vom Discounter

Billig-Brötchen vom Discounter - wie gut ist die Qualität?

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Die Discounter haben gelernt: Ihre Backwelten haben sie so im Markt positioniert, dass der Duft von frisch gebackenen Brötchen und Brot bis zum Eingang wabert. Wer jetzt hungrig einkaufen geht, bekommen richtig Appetit - und macht den Einkaufswagen vielleicht voller als gewollt. Wie die Brötchen hergestellt werden, ist längst bekannt. Weder Aldi noch Lidl backen wirklich selbst. Doch wie gut sind diese Brötchen?

Die Verbrauchersendung "NDR Markt" hat den Test gemacht und fünf  Weizen- und fünf Körnerbrötchen verglichen. Im Test dabei sind Aldis Brötchen (Weizen für 14 Cent, Körner für 29 Cent), Lidl (Weizen für 14 Cent, Körner für 29 Cent), Backwerk (Weizenbrötchen: 20 Cent, Körner: 50 Cent), Kamps (Weizen für 32 Cent und Körner für 70 Cent) und Brötchen von einem Handwerksbäcker (Weizen für 30 Cent und Körner für 65 Cent). 

Bäcker kommen preislich nicht gegen Discounter an

Für die Handwerksbetriebe sind die günstigen Preise der Discounter kaum zu schlagen. Schließlich rollen sie den Teig noch selbst. Das ist personalintensiv - und somit teuer. Überzeugen wollen Bäckerei mit Qualität. Robert Geub ist Bäcker und verwendet wenig Hefe für seine Brötchen - und lässt dem Teig viel Zeit, um Geschmacksstoffe zu bilden.

Diese Zeit haben die Discounter nicht. Dennoch versprechen sie "frische" Brötchen. Wie kann das sein? Der "NDR" hat nachgefragt. Bei Kamps werden Teiglinge vorproduziert, tiefgefroren und dann später in den Filialen gebacken. Bei den Discountern (Aldi, Lidl, Backwerk) läuft es anders. Hier werden vorproduzierte und auch schon vorgebackene Teiglinge nur noch kurz aufgebacken, damit sie knusprig sind.

Knusprigkeit kann man bei Brötchen hören

Der erste Test für die Brötchen: Der Sensorik-Check - wie fühlen sich die Brötchen an, wie ist ihre Form? Optisch gebe es schon merkliche Unterschiede, sagt Konditormeister Matthias Ludwig. Er greift sich ein Brötchen und drückt es leicht, denn wie knusprig Backwaren sind, kann man hören. "Ein guter Indikator: Wie hört sich das Brötchen an?", so der Experte. Ob in den Brötchen mehr Luft als Teig steckt, checkt er im nächsten Schritt.

Der Experte legt zwei Vollkornbrötchen auf die Waage. Schon von der Größe her unterscheiden sich die Brötchen enorm: Das eine klein und kompakt, das andere groß und aufgebläht. Das zeigt sich auch beim Gewicht: Das kleine Brötchen (ein Handwerksbrötchen vom Bäcker) wiegt 82 Gramm, das Große (aus einer Großbäckerei) 74 Gramm. Fazit des Testers: Die Großbäckerei Kamps liegt abgeschlagen auf dem fünften Platz, danach folgen Backwerk, dann Lidl. Aldi schafft den zweiten Rang. Den Test gewinnt das Bäcker-Brötchen. 

Welches Brötchen schmeckt am besten?

Aber können die günstigen Brötchen im Geschmackstest überzeugen.? Zuerst wird das Weizenbrötchen der fünf Anbieter verkostet. Das Lidl-Brötchen schmecke eher nach Mehls als nach Brötchen, urteilt ein Tester. Die Kruste vom Bäckerbrötchen überzeugt einen anderen Test nicht. Zu gummiartig, so sein Fazit. Beim Körner-Brötchen scheint Kamps zu überzeugen. Die abschließenden Testnoten: Bei den Weizenbrötchen belegt Backwerk den letzten Platz, vor dem Handwerksbäcker, Aldi und Lidl. Gewonnen hat das Brötchen vom Kamps. Bei den Körnerbrötchen wird der Handwerksbäcker auf den letzten Platz verwiesen. Backwerk rangiert auf dem vierten Rang, hinter Lidl und Aldi. Wieder gewinnt Kamps den Geschmackswettbewerb. 

Der Traditionsbäcker auf dem letzten Platz? Wie kann das sein? "Ich glaube, dass das schon ziemlich repräsentativ ist, was die Tester herausgefunden haben, urteilt der Ernährungsmediziner Thomas Kurscheid. Unser Geschmacks- und Geruchssinn habe sich schon so an die künstlichen Brötchen gewöhnt, dass wir sie als das Normale wahrnehmen - und nicht mehr die handwerklich hergestellten Brötchen.

Aber stimmt das so? Laut Kamps werden keine Enzyme beim Backen verwendet. Dennoch ist die Zutatenliste länger als beim Handwerksbäcker. Allerdings: Bei den sehr günstigen Anbietern steckt deutlich mehr drin. Eigentlich würden wenige Zutaten ausreichen, so Kurscheid. "Oder man macht's wie die Großindustriellen - tausend Zusatzstoffe." Die Krume, der Teig, das Aufgehen: Für all das gibt es Zusätze. 

Das Fazit des NDR-Tests: Preislich liegen die Discounter an der Spitze. Da kann keiner mithalten. Die Großbäckerei Kamps punktete bei den Testern beim Geschmack, allerdings waren diese Brötchen auch am teuersten. Wer wenig Zusatzstoffe im Brötchen haben will, sollte direkt beim traditionellen Bäcker einkaufen.

Den Test können Sie sich in der "NDR"-Mediathek ansehen.

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