. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
9. Juni 2010, 10:20 Uhr

Warum Matze Knop einfach nicht witzig ist

Im deutschen Fernsehen gibt es gute und schlechte Parodien. Mit Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft steht uns vor allem die schlechtest mögliche ins Haus: in Form von Matze Knop. Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Bernd Gäbler, WM, Fussball, Matze Knop

Matze "Beckenbauer" Knop parliert mit Oliver "Podolski" Pocher über Fußball© Stefan Menne/obs/RTL II

Jetzt naht auf allen Kanälen der große Fußball. Damit verbunden ist leider auch ein anderer Auftritt: Sobald es um Fußball geht und lustig werden soll - der leibhaftige Franz Beckenbauer aber nicht greifbar ist - taucht Matze Knop auf: In Talk-Runden, in einer Werbeaktion von Coca-Cola, als "Kult"-Kaiser auf "bild.de", für "Waldis WM-Club" (ARD) ist er angekündigt, sogar im "Aktuellen Sportstudio" (ZDF) sollte er an diesem Sonnabend auftreten - was zum Glück unterblieb.

Angeblich ist Matze Knop total witzig. Angeblich parodiert Matze Knop kongenial Franz Beckenbauer. Tatsächlich aber demonstriert Matze Knop vor allem, wie genügsam er mit dem komödiantischen Prinzip der Parodie umgeht. Weil jeder Franz Beckenbauer kennt - so scheint er zu glauben - reicht es, zur Wiedererkennung ein paar simple Merkmale aufzuführen. So sagt er dann "Schau' mer mal", moduliert seine Stimme etwas bayerisch, murmelt "Lichtgestalt" und klebt sich eine Halbglatze auf. Jeder weiß nun: Das soll Franz Beckenbauer sein.

Leidliche Stimmimitation

Schlägt Matze Knop daraus witzige Funken und überraschende Pointen? Mitnichten. Mit etwas Verkleidung und leidlicher Stimm-Imitation gibt er sich zufrieden. Dann bringt er ein paar allgemeine Fußballweisheiten oder sagt: "Ja, gut äh...". Sein Witz funktioniert so: Er stellt sich in Maskerade neben Kevin Kuranyi und sagt "Mario Gomez" zu ihm. Ein Kracher! Einmal darf er sogar - auf Youtube ist das noch zu besichtigen - als "Kult-Kaiser" den wirklichen Franz Beckenbauer treffen. Wie nutzt er diese besondere Gelegenheit? Indem er Franz Beckenbauer Spielergebnisse tippen lässt! Öder geht es kaum.

Der höfliche Franz Beckenbauer erträgt Matze Knop geduldig. Als der richtige Franz Beckenbauer dann gegangen ist, fragt der Parodist eine Dame: "Wo bin ich denn hingegangen?" Da die Dame aber gar nicht auf die Idee kommt, den Mann mit der angeklebten Glatze mit Beckenbauer zu verwechseln, versteht sie die Frage nicht. Jeder halbwegs ambitionierte Comedian hätte dieses Video als misslungenen Versuch verworfen - Matze Knop aber präsentiert es stolz. Stolz worauf?

Lieber Frank Goosen oder Django Asül

Der Bielefelder Matze Knop hat in Dortmund Journalistik studiert. Dann wurde er Witzbold beim privaten Radio NRW. Dort reüssierte er in der Rolle des tumben Ruhrpott-Proleten "Richie" - und profilierte sich mit dieser Ballermann-Verdoppelung. Bald übertrug er die Rolle ins Fernsehen. Gemeinsam mit Oliver Pocher hat er dann entdeckt, dass es offenbar großen Bedarf gibt, das emotionale Massenerlebnis Fußball mit Humor zu verbinden. Allein - ob in Sketchen, "Panel-Runden" oder Talks: So richtig gelingt es meistens nicht. Am besten sind da noch kurze Radio-Pointen wie es sie zu Lukas Podolski oder Oliver Kahn gab. Auch Frank Goosen oder Django Asül machen schon mal lustige Bemerkungen zum Fußball - aber eben nicht in einer Rollenparodie.

Denn Parodie heißt nicht, einfach nachzuahmen, was ohnehin jeder kennt, sondern sich in Gestus, Habitus und Sprache des Dargestellten hineinzuversetzen. Darum konnte Loriot Bernhard Grzimek perfekt parodieren, selbst wenn er ihm nicht zum Verwechseln ähnlich sah. Genaue Beobachtung und präzise Arbeit sind die Basis jeder guten Parodie. Diese Tugenden pflegt Matze Knop nicht. Es gibt Tausende, die sich einbilden, sie könnten Marcel Reich-Ranicki parodieren: Tatsächlich lispeln sie nur. Auf diesem Niveau agiert auch Matze Knop - und Fortschritt ist leider nicht festzustellen.

Vielleicht bin ich ja zu empfindlich? Aber das liegt auch daran, dass es die gute Beckenbauer-Parodie jenseits von Matze Knop längst gibt: "Harald Schmidt: Was tun, Herr Beckenbauer?" ist ebenfalls auf YouTube anzuschauen. Olli Dittrich gibt hier Franz Beckenbauer in ganz anderer Manier. Er verzichtet - anders als noch zu Zeiten von "2 Stühle, eine Meinung" in "RTL-Samstagnacht" - auf jede oberflächliche Pointe, aber bringt "den Kaiser" ironisch zu sich selbst. Wenn er etwa weitschweifig gegensätzliche Ansichten in einen Satz frachtet, das macht Beckenbauer kenntlich. Hier spürt man Arbeit und Genauigkeit. Olli Dittrichs Beckenbauer-Parodie ist Kunst - Matze Knops nicht einmal Kunsthandwerk.

Für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft kann man allen Zuschauern nur raten, dem schlechten Parodisten Matze Knop weiträumig auszuweichen.

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

Von Bernd Gäbler
 
 
KOMMENTARE (10 von 36)
 
Herb5ert (11.06.2010, 14:56 Uhr)
danke
Hallo Herr Gäbler, vielen Dank dafür! Endlich sagt es Mal einer. Knop, Pocher, das sind nervensägende Trittbrettfahrer auf unterstem Niveau. Aber bei den positiven Beispielen haben Sie das vielleicht Beste vergessen. War jahrelang mein Lieblings-Videoblog: wir-elf.com . Leider haben die dieses Jahr aufgehört. Aber das war echt klasse (allerdings eher etwas für Bayern-Fans)
Witzigmann (11.06.2010, 14:18 Uhr)
Gibt auch guten Trash
Matze Knop hat in seiner Art natürlich auch leicht trashige, im Sinne von überalberner Tendenzen. Wobei ich Knop und seine Parodien so gut finde, dass ich ihn nicht als ausgemachten Trash ansehen würde. Solche trashigen Tendenzen kann man gut finden, muß man aber natürlich nicht. Soll heißen, Humor muß nicht unbedingt schlecht sein, nur weil er Trash oder leicht trashig ist. Gibt auch guten, weil gut gemachten Trash nur um des reinen Klamauks willen, z.B. des ziemlich anders gearteten Mr. Bean. Ebenfalls Geschmacks- und Ansichtssache.
gman537 (11.06.2010, 10:57 Uhr)
Matze & Co
Matze Knop ist nur ein Vertreter einer ganzen Reihe an 'Comedians' die eher albern als witzig sind, aber massiv den Bildschirm erobert haben.

Ich denke da z.B. an Pocher der bei seinen Stand-Ups ständig doof über seine eigenen Pointen kichert, bevor er sie zu Ende gebracht hat und die meistens aus 'Sich-über-Andere-lusitg-machen' bestehen.

Oder Paul Panzer mit seinem überzogenen Lispeln und oft an den Haaren herbei gezogenen Witzen.

Nicht zu vergessen Bernhard Hoecker; intelligent aber nicht wirklich witzig.

Ingo Oschmann, ist immerhin nur noch selten zu sehen.

Kaya Yanar's türkdeutsch ist zwar ganz ok, aber seine Pointen sind meist derart unterirdisch.

Ganz unnötig ist Martin Schneider, dessen einziger Witz es ist mit seinem Aussehen und seinem breiten Mund zu kokettieren.

Aber solche Leute bleiben nicht aus, wenn eine Branche boomt.
Gottseidank kann man sie ja 'wegklicken'
Miguelo (10.06.2010, 20:08 Uhr)
Schön, dass Komik...
... Kunst, Musik - Geschmack allgemein - doch jeder anders bewertet.

Wenn der stern aber auf die vermeintlich Bild-nahen Köpft draufhaut, ist es aber immer ein bisserl einfach. Denn als stern-Redakteur darf man eigentlich nichts gut finden, was die Bild hochjubelt.
Es sei denn, es bringt Quote, wie z.b. Menowin und Co. Dann wird es hochgejubelt.

Oder kurz: Diskussionsansatz okay... aber nicht auf dieser Plattform.
OnTheRoad (10.06.2010, 18:28 Uhr)
Wer im Glashaus sitzt...
sollte nicht mit Steinen schmeißen:

Die Karikaturen von Haderer sind zu 99,9 % gelungen, zutreffend und haben Witz. Til Mette hingegen ist genau das Gegenteil. Vielleicht muss man zu den 3Sat-Cabaret anhängern gehören um das komisch zu finden.

Wie man jetzt plötzlich darauf kommt, das gerade M. Knoop nicht witzig ist? Sommerloch schon begonnen? Otto W. lässt seine über 30 Jahre alten und dermaßen abgedroschenen Gags nach wie vor ohne Hemmungen vom Stapel. Und wenn ich an Fips Asmussen denke... "uuurkomisch", der Brüller. Von den Radio-Comedys auch mal ganz abgesehen, wie z.B. Supermerkel und Vizewelle. Da ist mir Matze Knoop 1000 mal lieber.
Celebrator (10.06.2010, 18:10 Uhr)
@joschitura
1. Lesen Sie bitte die Kommentare richtig, wenn Sie schon Geschmacklosigkeit unterstellen. Ich habe nirgends geschrieben, dass ich Matze (..oder Atze) gut finde.

2. JA!! Ich bin guter Stimmung. Und daran werden Sie auch kaum etwas ändern können.

In der Tat und kann ich klischeehafte Miesmache (bezüglich Fussball und Intelligenz) nicht nachvollziehen. Man muss Sportarten oder Hobbys anderer nicht lieben, aber "leben und leben lassen" - ist hier die Devise.

Franz_Eder (..und Sie wohl auch) stellt sich anscheinend gern mit überheblichen Floskeln möchtegern-intellektueller engstirniger Zeitgenossen auf ein kleines eigenes Podium.

Wenn mich Cricket, Golf oder Dressurreiten nicht interessiert, dann lese ich die entsprechenden Artikel nicht, da ich weder Zeit dafür habe, noch gewillt bin Leuten, die es mögen mit herablassenden Kommentaren mangelnde Intelligenz oder Dummheit zu unterstellen.

Aber Fußball polarisiert eben, es gibt Fans und Hasser - jedoch kaum die "goldene Mitte". So geht es den Anhängern anderer Sportarten in anderen Ländern auch.

Also bitte, dann bin ich aus Ihrer Sicht eben DUMM aber GLÜCKLICH (siehe gute Stimmung). Sie und Franz_Eder können dann die Selbsthilfegruppe ?IQ-140+-aber-depri? gründen.
Geisterhoernchen (10.06.2010, 17:25 Uhr)
Humor kennt keinen Anspruch

Ich kann über Knop immer lachen, aber ich verstehe auch die Feinheiten und erfreue mich daran, wie gut Knop diese Personen persifliert, indem er überspitzt.
Kleiner Tip: Persiflage muss nicht per se lustig sein, treffen muss es aber, und das klappt bei Knop immer.

Sicher macht Knop keinen Schenkelklopfer- Prollhumor, er ist eben feiner. Und man muss die parodierten Personen gut kennen, dann hat man immer seinen Spaß. :)

Also: Wenn jemand nicht über Knop lachen kann, soll er sich doch besser dümmlichen Slapstick reinziehen oder sich diesen erbärmlichen stinkenden Kneipenboden-Humor von kennstä-kennstä-Mario Barth geben. Ebenfalls gar nicht mal so gut, ist das Zeug von Ralf Schmitz, der ADS neu definierte und der ungefähr so penetrant nervt wie ein ziemlich roter juckender Mückenstich.
monzeno (10.06.2010, 17:20 Uhr)
Wahrheit
Endlich, ja endlich schreibt mal einer die Wahrheit. Der ging mir schon ewig auf den Senkel. Warum wird der eigentlich überall gebucht, und belästigt uns mit seiner Blödelei?
NewWorld (10.06.2010, 17:18 Uhr)
Matze...
....ist sicher nicht so brilliant wie ein Olli Dittrich, aber immer noch 1000mal besser, als der Typ der in jeder 2. Show als Karl Lagerfeld auftritt. Der ist wirklich schlecht und überhaupt nicht lustig. Wer ist das eigentlich???
joschitura (10.06.2010, 16:30 Uhr)
@celebrator: Matze oder Atze
Wenn sich Leute schon Matze oder Atze nennen, weiß man doch, was zu erwarten ist...
Und @celebrator: Wie schön, daß Sie in so "guter Stimmung" sind - und mit so zauberhaft niveaulosen Freundlichkeiten versuchen, den Kommentator "Franz Eder" (der ja sowas von recht hat !) zu beleidigen. Leute mit so sicherem "Geschmack" daß sie Matze Knop lustig finden, muß Tucholsky gemeint haben, als er den Satz prägte:
"Für meine Ensfuffzich Eintritt kann ich verlangen, daß an meine niedersten Instinkte appelliert wird."
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL
Die Medienkolumne zum neuen ZDF-Chefredakteur Was wir uns von Ihnen wünschen, Herr Frey

Nach dem unschönen Abgang von Nikolaus Brender muss sich vom 1. April an Peter Frey als Chefredakteur beim ZDF beweisen. Kolumnist Bernd Gäbler wünscht sich in einem offenen Brief weniger Politik, dafür mehr Journalismus. mehr...

Extra Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind