Model, Ex-Ehefrau von Eros Ramazzotti, Moderatorin von "DSDS", jetzt Kandidaten-Nanny bei "Wetten, dass ..?". In Italien ist Michelle Hunziker längst in der TV-Primetime angekommen. Von Julia Stanek

In Italien ist sie die Primetime-Königin: Michelle Hunziker© Martin Schutt/DDP
Es war der bisher glamouröseste Auftritt ihrer TV-Karriere: Michelle Hunziker im goldenen Abendkleid und mit hochgesteckten Haaren auf der größten Bühne, die Italien zu bieten hat. Im März 2007 moderierte die gebürtige Schweizerin, gerade mal 30 geworden, das älteste Musikfestival Europas - ein fünf Tage andauerndes gigantisches Medienspektakel, das nur präsentieren darf, wer fest zum Showgeschäft-Zirkus Italiens gehört. "Ich dachte, das würde ich vielleicht mal mit 40 machen", sagte Hunziker über die frühe Verwirklichung dieses Traum-Engagements.
12,5 Millionen Zuschauer, Marktanteil rund 60 Prozent - Zahlen, von denen TV-Dino Gottschalk derzeit nur träumen kann. Eine Million Dollar kassierte Hunziker an Gage, das sorgte flugs für einen Eklat. Denn ihr Moderationskollege, Showbiz-Urgestein Pippo Baudo, der seit 1968 insgesamt 14-mal in Sanremo auf der Bühne stand, wurde mit lediglich 750.000 Euro abgespeist.
Die steile Karriere der Michelle Hunziker begann auf dem Laufsteg. Nach der Scheidung ihrer Eltern zog sie mit ihrer Mutter nach Italien und wechselt in Mailand direkt von der Schulbank ins Fotostudio. Den "schönsten Po Italiens" stellte sie für Armani und LaPerla zur Show. In einer Disco lernte sie 1996 Italiens Schmusebarden und Plattenmillionär Eros Ramazzotti kennen. Große Liebe, eine Liasion wie geschaffen für die Klatschpresse. Schon bald kam Tochter Aurora, inzwischen neun Jahre alt, auf die Welt, Traumhochzeit mit 500 Gästen, gemeinsame Villa am Comer See mit Kinosaal und Schwimmbad. Eros arbeitete, Michelle saß zu Hause, während der Macho-Gatte durch die Welt tourte. "Eine Frau, die Karriere macht, ist mir zu maskulin", tönte er. Seine Eifersucht war der Liebeskiller. Die Trennung folgte nach gut drei Jahren.
Während Ramazzotti im Stillen litt, sich zurückzog und kaum dazu äußerte, wusste Hunziker aus der durch die Beziehung erreichte Popularität Kapital zu schlagen. Gab Interviews, moderierte TV-Sendungen. Ihre erste TV-Show "I Cervelloni" hatte sie 1996. Der große Durchbruch im italienischen Fernsehen kam 2001 mit der Kult-Comedyshow "Zelig", in der sie mit Sketchen, Tanz- und Gesangseinlagen zeitweilig bis zu zehn Millionen Zuschauer begeisterte. Außerdem moderierte sie äußerst erfolgreich "Scherzi a parte", das italienische Pendant zur "Versteckten Kamera". Die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt Rai verlieh ihr 2002 für beide Formate den italienischen "TV-Oscar". Kurz zuvor war "Cinderella", ihre eigene Lifestyle-Show in der Schweiz, gefloppt. In Italien hingegen avancierte Michelle Hunziker Schritt für Schritt zum Publikumsliebling. Mit dem Comedy-Format "Paperissima Sprint" landete sie erstmals in der Primetime.