Raab fordert Jauchwillplasberg heraus

11. November 2012, 18:40 Uhr

Ernsthafte Konkurrenz für Jauch und Co. oder Politklamauk ohne Substanz? Am Sonntagabend geht Stefan Raab mit der Talkshow "Absolute Mehrheit" auf Sendung - und hat schon im Vorfeld für Ärger gesorgt. Von Carsten Heidböhmer

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An diesem Sonntag könnte die Geschichte des Polittalks in Deutschland neu geschrieben werden. Denn dann wirft Stefan Raab seinen Hut in die Arena und startet seine neuartige Show "Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen". Wo bislang eine biedere Gesprächsrunde zu sehen war, bei der einzig der Moderator Einfluss nehmen konnte, haben ab sofort die Zuschauer ein gewichtiges Wort mitzureden: Sie entscheiden, wer die Siegprämie von 100.000 Euro mit nach Hause nehmen darf.

Moderator Stefan Raab gibt in der Sendung drei politische Themen vor. Nach jeder Diskussionsrunde analysiert er zusammen mit ProSiebenSat.1-Nachrichtenchef Peter Limbourg die Debatte. Währenddessen stimmen die Zuschauer ab, welcher Diskutant sie am meisten überzeugt hat. Am Ende jeder Runde wird das Ergebnis der Abstimmung bekannt gegeben. Der Gast mit den wenigsten Anrufen darf sich danach zwar weiterhin am Gespräch beteiligen, die Siegprämie kann er jedoch nicht mehr gewinnen. So bleiben in der Finalrunde drei Gäste übrig. Nur wenn einer von ihnen die absolute Mehrheit der Anrufer überzeugt, erhält er die 100.000 Euro. Falls keiner die 50 Prozent erreicht, fließt die Gewinnsumme in den Jackpot. In der nächsten Show ginge es dann schon um 200.000 Euro. Die 90-minütige Show wird live aus Köln gesendet.

Altmaiers Absage sorgt für Ärger

Die drei Themen der ersten Sendung sind soziale Netzwerke, Energiewende und Steuergerechtigkeit. Es diskutieren Thomas Oppermann (Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion), Wolfgang Kubicki (FDP-Fraktionsvorsitzender Schleswig-Holstein), Jan van Aken (stellvertretender Parteivorsitzender der Linken), die Unternehmerin Verena Delius und Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs.

Anstelle des Letztgenannten sollte eigentlich Umweltminister Peter Altmaier in der Sendung sitzen. Doch der hatte am Donnerstag kurzfristig abgesagt. Als Grund gab Altmaiers Sprecher an, dass die Redaktion dem Minister noch vor einigen Wochen Hannelore Kraft oder Andrea Nahles als SPD-Kontrahent zugesichert habe. Erst auf Nachfrage vor wenigen Tagen sei herausgekommen, dass keine der beiden erscheinen werde. Ohne adäquate Kontrahentin vonseiten der SPD habe Altmaier aber nicht kommen wollen. Der Wirbel, den die kurzfristige Absage erzeugte, dürfte Raab jedoch nicht ungelegen sein: Auf diese Weise bekommt "Absolute Mehrheit" beste Promotion - und das kostenlos. Ensprechend locker kommentierte der Kölner die Absage: "Die Qualität unserer Sendung hängt nicht vom Erscheinen einer einzelnen Person ab."

Daneben gab es im Vorfeld viel Kritik an dem neuen Format. Nachdem schon der "Spiegel" Raab vor einigen Wochen etwas gouvernantenhaft ins Kreuzverhör genommen hat, übt nun Bundestagspräsident Norbert Lammert scharfe Kritik: "Wer Geld für Meinungen aussetzt, bestellt Meinungen für Geld", sagte Lammert dem "Westfalen-Blatt". Auch ARD-Chefredakteur Thomas Baumann hatte die Sendung attackiert: "Das Konzept, Mehrheitsmeinungen mit Geldprämien zu belohnen, halten wir für abwegig."

"Raab ist das, was die ARD nicht ist: innovativ"

Der Medienwissenschaftler und stern.de-Kolumnist Bernd Gäbler schätzt die Show dagegen deutlich positiver ein. "Raab ist das, was die ARD nicht ist: innovativ", sagte der Journalistik-Dozent dem "Westfalen-Blatt". Wenn es Raab schaffe, die Themen aufzugreifen, die junge Leute interessierten, könne er sein Publikum in die Talkshow mitnehmen: "In der ARD guckt keiner die Talkshows, der unter 60 ist." Gäbler wird die erste Sendung für stern.de besprechen.

Die harsche Kritik schon vor der ersten Sendung zeigt, dass die arrivierten Polit-Talker in Aufruhr sind. Ursprünglich wollte Raab sogar gegen den Platzhirschen Günther Jauch antreten. Doch solch ein Duell wird zumindest an diesem Sonntag ausfallen. Denn aufgrund des zweieinhalb Stunden dauernden Spielfilms "The Social Network", der vorher auf ProSieben läuft, kann Raabs Show erst um 22.45 Uhr beginnen - wenn Jauch seine Gäste bereits nach Hause geschickt hat.

Der Kampf Jung gegen Alt, Innovation gegen Bewährtes wird also nicht stattfinden. Vorerst.

"Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen" läuft erstmals am Sonntag, 11. November 2012, um 22.45 Uhr live auf ProSieben

 
 
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