. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Juni 2008, 09:42 Uhr

Foltern wie Jack Bauer

Angefangen hat die TV-Serie "24" als gefeierter Quoten-Hit, mittlerweile steht sie als "Folterporno" in der Kritik. Obwohl sogar das US-Militär schon um Mäßigung gebeten hat, wird in der gerade angelaufenen sechsten Staffel gequält wie eh und je. Dabei sind die Vorwürfe gegen Serienheld Jack Bauer ungeheuerlich. Von Sophie Albers

Jack Bauer: der Mann mit der ausgeprägten Folterfantasie© Twentieth Century Fox Film Corporation

"Jack Bauer hat in Guantánamo Bay viele Freunde" ist ein Satz, der jeden "24"-Fan zusammenzucken lässt - eben weil er wahr ist. Er steht in "Torture Team", dem neuen Buch von Philippe Sands. Der britische Rechtsprofessor wirft der hippen TV-Serie unter anderem vor, Vernehmungsbeamten der US-Armee zur Inspiration beim Umgang mit Terrorverdächtigen in Guantánamo gedient zu haben.

Sands zitiert damit Diane Beaver, die ehemalige Stabrechtsberaterin in dem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichteten Gefangenenlager auf Kuba. "Er [Jack Bauer, Anm. d. Red.] hat die Leute auf allerhand Ideen gebracht." Beaver selbst hatte 2002 "neue Befragungstechniken" abgezeichnet, weil man mit den alten "nicht weiter gekommen" sei, und hat diese in einem mehrseitigen Bericht gerechtfertigt, schreibt Sands. Die unter dem Verhörpersonal so beliebte Serie habe dazu beigetragen, dass sich die Mitarbeiter in Guantánamo als "Frontsoldaten" fühlten. Deshalb taten sie "mehr als sonst", berichtet die pensionierte Militäranwältin.

Kettensäge und Scheinexekution

"Alles, was nötig ist" - und meist sogar mit Rückendeckung vom Präsidenten selbst - tut Jack Bauer, wenn er mit mehr oder weniger fantasievollen Foltermethoden Informationen aus Gefangenen presst. Sei es mit Wahrheitsserum, Kettensäge oder Scheinexekution: Der Antiterror-Star des US-Fernsehens in einer der erfolgreichsten Serien überhaupt hat für jeden Bösewicht die richtige Dosis Qual. Denn, so sein Credo: "Du wirst mir eh sagen, was ich wissen will, es kommt nur darauf an, wie viel Schmerz du ertragen willst."

Am Montag ist im deutschen Fernsehen die sechste Staffel der "längsten 24 Stunden im Leben von Jack Bauer" angelaufen. Am gleichen Tag begann in Genf die Tagung der UN-Menschenrechtskommission zur Anti-Folter-Konvention. Ein treffender Zufall: Denn offensichtlich verschwimmt für einige Angehörige des amerikanischen Militärpersonals eben hier die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Der Vorwurf, dass Bauers Knochen und Willen brechende Art dem Militärnachwuchs zum Vorbild gereiche, ist schon älter. Doch geht es diesmal um die tatsächliche Ausführung und Institutionalisierung, denn dieser "Jack-Bauer-Effekt" wird von Militärjuristin Beaver bestätigt, also von jemandem, der selbst in Guantánamo auf Seiten der Folterer stand. Ergo: Die Folterknechte sind keine irren Einzeltäter, sondern handeln auf Befehl von oben.

Mit ihren Beobachtungen steht Beaver nicht allein: "Jack Bauer ist stark und effektiv, er rettet Amerika. Kadetten [Soldaten in der Ausbildung, Anm.d.Red.] sind idealistisch, sie wollen das Richtige tun. Sie sehen in einer Figur wie Bauer jemanden, der etwas bewirkt, dessen Herangehensweise erfolgreich ist", zitiert die Menschenrechtsorganisation Human Rights First Gary D. Solis, der in der Elite-Militärakademie West Point Kriegsrecht gelehrt hat.

Bauer sei ihm im Unterricht von den Auszubildenden immer wieder als positives Beispiel genannt worden. Der müsse nur jemandem ins Bein schießen und kriege seine Informationen. Wenn es da funktioniert, warum nicht auch bei uns? Das Problem mit der Unterscheidung von Fiktion und Realität - das traditionelle Thema in der Diskussion um Gewaltdarstellung im Fernsehen - haben auch andere Militärausbilder erlebt: Jeder wolle wie Jack Bauer sein, heißt es. Dabei ist "Jack Bauer ein Krimineller. Im wahren Leben würde er vor Gericht gestellt", stellt Solis im Magazin "New Yorker" klar. Folter-Inspiration Fernsehserie "Die Leute sehen die Shows, gehen in die Verhörzellen und machen das, was sie gerade gesehen haben", bestätigt Tony Lagouranis, der als Verhörexperte ein Jahr lang im Irak gedient hat. Er habe mit eigenen Augen gesehen, wie im Irak Methoden und die Haltung aus TV-Shows übernommen worden seien. Weil im Irak 2004 ebenso wie in Guantánamo bis 2006 die Genfer Konventionen, die Folter verbieten, keine Geltung fanden, hätten sich die Leute "ihre Ideen aus dem Fernsehen geholt". "Zu den Dingen, die ich gesehen habe, gehörten Waterboarding, Scheinexekutionen und die Androhung von Misshandlungen", sagte Lagourinas dem US-Nachrichtennetzwerk "Democracy Now". Der Einfluss der Serie war offenbar so massiv, dass im November 2006 niemand Geringeres als der Dekan von West Point, Brigadegeneral Patrick Finnegan, mit Verhörexperten des FBI und der US-Armee nach Hollywood reiste, um die Schöpfer von "24" zu bitten, die Folterszenen etwas zurück zu nehmen. Denn die bei Kadetten beliebte Show vermittle nicht nur den Eindruck, dass Folter ein probates Mittel sei, sie schade damit auch dem Image Amerikas in der Welt. Auch David Danzig von Human Rights First, der das Treffen organisiert hatte, fand deutliche Worte: Shows wie "24", "Alias" oder auch "Lost" seien "Werbesendungen für Folter" mit der Botschaft, dass Folter funktioniere und dich zum Helden mache. Großen Eindruck hinterließen die Appelle nicht: Finnegan wurde am Set wegen seiner Uniform zunächst für einen Statisten gehalten, berichtete der "New Yorker". Und "24"-Erfinder Joel Surnow nahm sich für das Treffen gar nicht erst Zeit.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 29)
 
Slartibartfast (26.06.2008, 01:49 Uhr)
Kurz:
Wer auf einen fahrenden Zug aufspringt, muss sich auch die Frage gefallen lassen, wo er eigentlich hin will.
Slartibartfast (26.06.2008, 01:20 Uhr)
@terrax
Selbstverständlich haben Nachrichtendienste und Militärs praktisch aller Nationen seit jeher in Sachen Folter geforscht und haben ihre Spezialisten, die sich darin bestens auskennen - man denke nur an die berüchtigten U.S. Field Manuals. Nachhilfe brauchen sie dabei sicher nicht durch eine Fernsehserie.
Darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, dass diese Serie in Zeiten der Terror-Hysterie diese unmenschlichen Vorgehensweisen als die einzig erfolgversprechende und legitime Antwort vorstellt und damit eine Politik zu legitimieren hilft, die internationales Recht untergräbt. Wenn ein "Schurken-Staat" einen solchen Film drehen würde, würde er wohl als das bezeichnet, was er ist: Regierungstreue Propaganda in einem Krieg, um ie eigene Vorgehensweise zu rechtfertigen.
Die Folterhandlungen werden - durch die Anlage der Story - als absolut notwenig, unvermeidbar und gerechtfertigt dargestellt. Sie werden dadurch als legitim hingestellt, dass sie von einer positiven Identifikatonsfgur angewendet werden, die in einer billigen Gut-Böse-Dichotomie per se "der Gute" und "im Recht" ist. Die unmenschliche Tat des Helden wird aufgrund einer "höheren Notwendigkeit" als gut und richtig dargestellt. Die Errungenschaften von Menschenrechten und Rechtsstaat werden einem zynischen Utilitarismus geopfert, der dreist behauptet, zu ihm gäbe es keine Alternative.
Und denjnigen, die diese Politik umsetzen sollen, bietet sich Jack Bauer als positive Identifikationsfigur an, um ihre Handlungen zu rechtfertigen - das ist das Fatale an diser handwerklich und dramaturgisch wirklich brillant gemachten Serie.
Dass man sich des Themas auch differenzierter annehmen kann, beweist der hervorragende Film "Ausnahmezustand" mit Denzel Washington, der sich im Nachhinein als erschreckend realistische Vision herausgestellt hat.
Slartibartfast (26.06.2008, 01:19 Uhr)
???
Hey, habt ihr hier ein Time-out oder was? Wo ist mein Beitrag hin, den ich abgesendet habe?
Wendraf (25.06.2008, 14:08 Uhr)
So ein
Schwachsinn wieder das man eine Serie als Grund für Folterungen vorschieben will. Ich halt mich mal kurz und sag einfach nur wen die Jungs in der Amerikanischen Armee es Geistig nicht auf die reihe bekommen zwischen Fiktion und Realität zu trennen dan gehören die in ne Klapsmühle und nich als Wächter in ein Gefangenenlager.
namidh (25.06.2008, 11:04 Uhr)
Soviel zum Thema "Kleingeist"
Es bedarf keiner Serie um etwaige Foltergelüste einer Person, die in eine uneingeschränkte Machtposition rutscht, zu entfesseln. Das zeigt die Geschichte, auf die man sich ja gerne bezieht, allzu gerne.
Wer sich aber durch eine Serie oder Nachrichte, Zeitungen, Kommentare zu entsprechenden medientechnischen Ergüssen oder sonstigen vermeintlichen "Schulungsquellen" leiten lässt, der ist nur in einer Gummizelle sicher.
Cienne (25.06.2008, 11:01 Uhr)
XD
Viper2024:
Du sagst also, dass ein Polizist, Arzt, Offizier oder ähnliches, seine Untergestellten/Patienten foltert, weil er 24 gesehen hat ? XD
Zum Glück hat mein Chef noch nicht Stromberg gesehen und ich kann mich an Pokemon nur noch vage erinnern, sonst würde ich auf jedes Tier mit einem kleinen roten Ball werfen.
:D :D :D :D :D :D :D :D
Viper2024 (25.06.2008, 10:53 Uhr)
Folter ist keine Unterhaltung
Die Serie ist absoluter Müll und legitimiert Folter als probates Mittel.
Aber wenn ich mir hier einige Kommentare von "Fans" anschaue, scheinen diese Kleingeister nicht begreifen zu wollen, welchen Einfluss die Serie auf Menschen, die plötzlich in einer Machtposition sind (wie beim US-Militär) haben kann und was dies für ihre "Opfer" bedeutet und dank den Römern sollte jeder wissen, das jemand unschuldig ist, bist seine Schuld bewiesen wurde und dies ist bei vielen Insassen von Guantanamo nie bewiesen worden.
Tom_das_Bo (25.06.2008, 10:47 Uhr)
jetzt sind's wieder die "Killerspiele"...
Mir reicht die Diskusion um Killerspiele langsam...wenn jemand noch richtig in der Birne ist, wird er wohl kaum anfangen irgendwelche Leute zu foltern, nur weil er es im Fernsehen oder den so genannten Killerspielen gesehen hat. Ich spiele z.B. auch Quake oder CounterStrike, laufe aber nicht amok...
Cienne (25.06.2008, 10:43 Uhr)
Achja
Was mir gerade noch einfällt.
Kinder lernen mit der Serie, wie sie ihre zu Geiseln genommenden Mitschüler foltern können. Ersteres haben sie natürlich von Computerspielen. ;)
Tom_das_Bo (25.06.2008, 10:43 Uhr)
geht's noch?
Ich finde Folter auch schei.... jedoch sollte man bedenken, dass die Serie 1. im Nachtprogramm läuft, also es wohl kaum Kinder gibt, die sie sehen... und 2. würde glaube ich der Staat genauso reagieren wenn es um hunderte oder sogar tausende Menschenleben geht...jedenfalls America würde ich das zutrauen. Das soll keine Werbung für die Serie sein, ich persönlich finde sie gut, da sie doch fiktiv zeigt, wozu manche Staaten bereit sind...und gefoltert wird in anderen Staaten mit Sicherheit...siehe China...Russland...oder andere totalitäre Staaten...
MEHR ZUM ARTIKEL
Guantanamo Beweise für Folter an Gefangenen

Amerikanische Ärzte haben bei früheren Häftlingen im Irak und auf Guantanamo klare Hinweise auf Folter entdeckt. Die Experten fanden bei den Ex-Terrorverdächtigen Spuren von Schlägen, Elektroschocks und Vergewaltigung. mehr...

Kiefer Sutherland "Die Zuschauer kommen ganz schön ins Schwitzen"

Seit Mittwochabend rettet Kiefer Sutherland als CTU-Agent Jack Bauer zum dritten Mal die Welt - und das in nur 24 Stunden. Ulrike von Bülow sprach mit dem Schauspieler. mehr...

Gefängnisstrafe Keine Gnade für Jack Bauer

"24" heißt die erfolgreiche Serie mit Kiefer Sutherland alias Jack Bauer in der Hauptrolle. Seinen Gefängnisaufenthalt hingegen könnte man mit "48" sehr viel besser umschreiben. Denn die Staatsanwaltschaft will ihm keinen Promi-Bonus zugestehen und die volle Strafe absitzen lassen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft