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6. August 2010, 11:14 Uhr

Private TV-Sender verbünden sich im Netz

ProSiebenSat.1 und die Mediengruppe RTL bauen gemeinsam eine offene TV-Plattform im Internet auf. Auf dem Onlineportal sollen Nutzer eine Vielzahl von Formaten zeitversetzt abrufen können. Von Lutz Knappmann

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Google-TV elektrisiert die Branche. Als Reaktion auf die Ankündigung des Internet-Giganten, ins TV-Geschäft einzusteigen, machen RTL und ProSiebenSat.1 jetzt im Netz gemeinsame Sache© Google

Auf dem von ProSiebenSat.1 und RTL geplanten Onlineportal sollen Nutzer kostenlos Nachrichtensendungen, Serienfolgen, Filme und Shows abrufen können - bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung im TV. Entsprechende Pläne legen die beiden Privatsender am Freitag zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung der EU-Kommission vor.

Das neue Angebot soll dem US-Videoportal Hulu ähneln. Mit dem gemeinsamen Projekt reagieren die beiden führenden deutschen Privatsender auf die zunehmende Verschmelzung von Internet und TV. Immer mehr Nutzer wollen ihre Lieblingssendungen im Netz anschauen, ohne sich an feste Sendezeiten halten zu müssen.

Google-TV elektrisiert die Branche

Und dafür brauchen sie immer seltener einen Computer: Laut Branchenverband Bitkom verfügt fast ein Drittel der derzeit verkauften Flachbildfernseher über Internetzugang. Wenn der Onlinekonzern Google in Kürze sein Angebot Google TV startet, das klassisches Fernsehen und Videoangebote im Internet verknüpfen soll, wird der Trend noch an Fahrt gewinnen.

Die neue werbefinanzierte Onlineplattform soll allen interessierten Sendern in Deutschland und Österreich offenstehen, ausdrücklich auch den öffentlich-rechtlichen Anstalten. ProSiebenSat.1 und die RTL-Digitaltochter RTL Interactive gründen dafür eine Gemeinschaftsfirma, die als technischer Dienstleister fungiert.

Die deutsche TV-Branche betritt mit dem Aufbau einer senderübergreifenden Zentral-Mediathek neues Terrain. Bislang haben Privatsender wie Öffentlich-Rechtliche unabhängig voneinander Online-Videoportale aufgebaut. Einige Angebote wie RTL now oder das ProSiebenSat.1-Pendant Maxdome setzen dabei vor allem auf Bezahlangebote, andere auf gratis abrufbare TV-Sendungen. Die diversen Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Anstalten bündeln gebührenfinanzierte Programme.

Das Ziel: eine zentrale, übersichtliche Internetplattform

Dieser Wirrwarr soll die geplante Plattform mildern. Es entstehe erstmalig die Möglichkeit, "TV-Inhalte zeitversetzt über eine zentrale und übersichtliche Internetplattform abzurufen", sagte ein Beteiligter. Die Plattform werde den Wettbewerb stärken und solle dazu beitragen, "die teilnehmenden TV-Sender im Wettbewerb mit internationalen Internetangeboten gut aufzustellen".

Die von den US-Medienkonzernen News Corp., NBC Universal und Disney betriebene TV-Plattform Hulu etwa strebt seit Langem nach Europa - scheiterte zuletzt allerdings mit dem Versuch, in Großbritannien Fuß zu fassen.

Konzentration auf kostenloses Abrufangebot

Eine Hulu-Kopie soll das deutsche Onlineportal aber nicht werden. Anders als das US-Portal, das auch Bezahlinhalte und ein umfangreiches Sendungsarchiv anbietet, konzentrieren sich RTL und Pro Sieben auf ein kostenloses Abrufangebot. Dieses soll Sendungen maximal sieben Tage nach Ausstrahlung anbieten. "Bezahlangebote sind nicht vorgesehen", hieß es im Umfeld des Projekts.

Jeder beteiligte Sender kann auf der Plattform frei entscheiden, welche Inhalte er anbietet. Auch die Vermarktung der Werbung liegt bei den einzelnen TV-Häusern. Im Gegenzug wird eine voraussichtlich nutzungsabhängige Gebühr für den Plattformbetreiber fällig. Die ersten Reaktionen anderer Sender fielen dem Vernehmen nach positiv aus.

RTL und Pro SiebenSat.1 treten damit nur als Betreiber der technischen Plattform auf. So sollen Kartellprobleme vermieden werden. Denn RTL und ProSiebenSat1 stehen als größte private TV-Anbieter Deutschlands unter ständiger Beobachtung der Wettbewerbshüter. Erst vor wenigen Wochen hatte das Bundeskartellamt Räume der beiden Sendergruppen durchsuchen lassen.

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Von Lutz Knappmann
 
 
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