Keine Stürme, keine Dürre: Der Jahrgang 2011 war ein Geschenk für Winzer und Gaumen. Der stern hat über 200 deutsche Weißweine verkostet. Und empfiehlt die besten. Von Cornelius & Fabian Lange

Rund 200 deutsche Weißweine Jahrgang 2011 verkostete die stern-Jury© Picture-Alliance
Das Leben kann so schön sein – genau wie der Sommer zu Hause. Dann steigt auch die Lust, das Genusspotenzial der deutschen Weißweine zu nutzen. Im Selbstversuch beim Picknick, beim Grillen oder beim Chillen. Der stern hat auch 2012 wieder alle deutschen Winzergenossenschaften gefragt, ob sie uns ihre besten trockenen Weißweine schicken. Aus den weit über 200 Weinen von 70 Genossenschaften haben wir sodann für unsere Leser wiederum die Besten herausgefiltert: das Premiumsegment deutscher Genossenschaften – übrigens zu überraschend zivilen Preisen.
Partner war das Deutsche Weininstitut (DWI) in Mainz. Sechs Kategorien wurden ausgelobt: Allen voran der Chartbreaker Riesling, es folgten Weißburgunder, Grauburgunder und der Klassiker Silvaner sowie schließlich als "special guest" die Rebsorte Sauvignon blanc, die in den vergangenen Jahren immer beliebter wurde. Dazu kamen Roséweine.
Auf dem Campus Geisenheim im Rheingau (Hochschule Rhein-Main), einer Kaderschmiede für angehende Winzer und internationale Weinwirtschaft, präsentierten wir Unmengen perfekt temperierter Flaschen den Gaumen und Nasen unserer Juroren – über 30 Studenten der Hochschule, aufgeteilt in Teams auf die sechs Kategorien. Alle Weinflaschen wurden mit schwarzen Manschetten anonymisiert und alle Kapseln mühsam abgepult.
Gut, dass wir Wein-Akademiker um uns hatten, sie kennen die verschiedenen Vinifikations-Schulen der Rebsorten aus dem Effeff, die sind ihr täglich Brot, in flüssiger Form. Zum Beispiel beim Grauburgunder: der fruchtig-frische und leichte Typ gegen den ölig-trägen, schweren Typ. Zum Sieger wurde ein Sommerwein gekürt: Die Wahl fiel mit dem Grauburgunder aus Opfingen auf die leichte, elegante Variante – natürlich aus Baden, wo die Winzer bei Burgundern besonders stilsicher sind.
Auch beim Weißburgunder unterschieden die Juroren zwei Stile: die fruchtig-frischen, leichten auf der einen Seite und die von Holznoten geprägten Exemplare mit extra viel Schmelz und wenig Säure auf der anderen. Mit seiner klaren, eleganten Stilistik konnte sich ein leichtfüßiger Weißburgunder von Divino aus Franken klar durchsetzen. Ein großer Erfolg für die Winzer der Region, normalerweise ist auch diese Sorte eher eine Domäne der badischen Winzer.
Die Juroren in der Rosé-Kategorie verließen sich zunächst auf ihr Augenmaß, denn die Farbe ist ein wichtiges Argument bei diesen Weinen. Das Team kürte einen Rosé von den Weingärtnern aus Cleebronn & Güglingen. Er wird aus der Sorte Schwarzriesling erzeugt, leuchtet delikat lachsfarben und liefert viel Johannisbeere, Erdbeere, Himbeere und eine Spur Crème fraîche. Der Schwarzriesling nennt sich in Frankreich übrigens Pinot Meunier und gehört in der Champagne zu den wichtigsten Rebsorten.
Die Sorte Sauvignon blanc wird für ihre intensiv fruchtigen Aromen geliebt, die an tropische Früchte und gleichzeitig an grün-grasige Noten erinnern. Genau wie der großartige Sauvignon blanc von den Haltinger Winzern in Baden.
Dann ist da noch der Evergreen Silvaner, eine seit Jahrhunderten in Deutschland ansässige Rebsorte, die zuverlässig ausgewogene und tiefgründige Weine liefert, solide Spaßmacher zum Essen. Auch mit ihrem feinsinnigen Silvaner konnte Divino aus Franken bei der Jury punkten. Kein Wunder, ist Franken doch berühmt für seine betörenden Weine dieser Rebsorte.
Bleibt noch der deutsche Megastar Riesling. Nirgendwo gibt es mehr davon als bei uns. Es sind seine komplexe Fruchtigkeit, seine tiefgründige Mineralität und sein raffiniertes Frucht-Säure-Spiel, die ihn vor allen anderen Weißweinen der Welt auszeichnen. Dieses Mal geht der Sieg nach Franken an das Consilium Thüngersheim. Die kristalline Klarheit dieses Vertreters lässt wahrlich keine Wünsche offen.
Der Jahrgang 2011, das war ein Sechser mit Zusatzzahl! Es regnete weder Katzen noch Hunde, es gab keine Dürre und keine weiteren biblischen Plagen. Dieser Jahrgang ist ein Selbstläufer.
Natürlich war er auch für die deutschen Winzergenossenschaften ein Geschenk des Himmels – und das Paket mit ihren Siegerweinen (siehe Kasten) ist eines für die stern-Leser.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wen die stern-Jury auf die ersten Plätze trank.
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