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27. Februar 2009, 06:20 Uhr

Barbies auf Eis

Treffpunkt Gefrierhalle zum Eisprinzessinnen-Shooting: 15 Mädchen aus dem Düsseldorfer Casting messen sich mit 15 aus dem Münchner. Wie Rennpferdchen traben sie über den Laufsteg. Am Ende bleiben 16 übrig - ist Großmaul Tessa auch dabei? Von Mark Stöhr

Heidi Klum

Frieren beim Fotoshooting: Die Kandidatinnen mussten eisige Temperaturen in knappen Outfits ertragen© ProSieben

"Vollgas geben!" - "Mach Power!" - "Bring was, Maus!": So redet man normalerweise mit Rennpferden, wenn sie in die Zielgerade einbiegen. Scheinbar aber auch mit jungen Mädchen, die über den Laufsteg traben. Die Worte, die in "Germany's next Topmodel" gesagt werden, sind näher an Körpergeräuschen als an Sprache. Die Mode-Fredis könnten ihre Dämlichkeiten genauso gut grunzen oder rülpsen.

Heikel wird es, wenn sie sich an ganzen Sätzen versuchen. Gefahrenquelle Grammatik. Da spricht Heidi Klum ein Kinderdeutsch, das sie wahrscheinlich gerade ihrem Mann beibringt ("Du machst hier Oma"), und Rolf Scheider verrennt sich zwischen seiner rheinländischen Herkunft und Pariser Wahlheimat ("Als wärst du Yoga grad am Machen"). Hoffentlich schauen keine Ausländer zu. Die Sprachschulen könnten schließen.

Der Tussi-Tross ist in der dritten Folge in Berlin gelandet. Die 15 Nachwuchsmodels aus München trafen auf die 15 aus Düsseldorf. Großes Hallo, und ab in die Gefrierhalle zum Eisprinzessinnen-Shooting. Die Prüfung: Arschkalt und nix an und "sofort super sein" (Klum). Also Vollgas geben, Power machen, cool posen. Die bibbernden Barbies verzogen ihre Münder zu Schnütchen, wie sie es aus den Modezeitschriften kennen, verrenkten ihre langen Beine und verschleierten ihren Blick. Irgendwie sexy halt.

Marie überzeugte die Jury

Das misslang gründlich. In den meisten Fällen hätte man auch eine gefrorene Schweinehälfte auf die Eisblöcke legen können. Einzig Marie überzeugte die Jury vollends. "Perfekt, professionell, ein absolutes Topmodel", schwärmte Scheider. Die 19-Jährige mit der Schneewittchenhaut ist in der Tat ganz zauberhaft. Eine der Favoritinnen für die Casting-Krone.

Dafür hält sich auch Tessa. Das Großmaul mit Überlänge inszeniert sich als böses Mädchen und haut eine Biestigkeit nach der anderen raus. Aufmerksamkeit ist alles und sei sie auch noch so kalkuliert und abgeguckt. Die anderen seien "ausdruckslos und langweilig", posaunte sie in den Äther, und hätten "keinen Plan von nichts". Außerdem: "Ich bin einfach geil und hab Power". So viel Power, dass sie sich bei der Fashionshow eines Modellabels den Fuß prellte. Wie ein wild gewordener Haflinger trampelte sie über den Catwalk und blieb auf den letzten Metern hängen.

Tessa mit Klumpfuß

Der geschwollene Klumpfuß musste gar im Krankenhaus behandelt werden, das Mitleid der Konkurrentinnen hielt sich in Grenzen. Doch weil Tessa immer noch Restpower hatte und wegen eines Striptease-Videos und einiger halbgarer Sexgeständnisse so powermäßig populär ist, wurde sie für eine RTL2-Reportage gebucht und rutschte nach dem Dreh in einer Güllepfütze aus. Jetzt ist der Arm auch noch hin. So ein Pech.

Tessa ist trotzdem beim anstehenden Trip nach Los Angeles dabei, obwohl sie kaum gehen kann und halbseitig eingegipst ist. Die Show, die bislang arm ist an spektakulären Spitzen, braucht eine polarisierende Tröte wie die 19-Jährige, so falsch sie auch spielt. Lauftalent und Schönheit allein haben bei "Germany‘s next Topmodel" noch nie zum Weiterkommen gereicht. Immerhin hat es auch die schöne Marie geschafft und etwas überraschend die angehende Deutschlehrerin Johanna. Die musste sich nach dem "Live-Walk" von Peniskopf Peymann den sagenhaft unverschämten Satz anhören: "Du kommst ja vom Land, und das sah gerade so aus, als würdest du auf‘m Acker laufen."

Wenigstens stimmte die Syntax. Seine Chefin braucht für Sätze dieser Länge einen Ghostwriter. Gepriesen sei der Autor, der ihr folgende, geradezu philosophische Erkenntnis in den Mund legte: "Wir würden nie zu einer Gewinnerin kommen, wenn es nicht auch Verlierer gäbe." Darauf muss man erst mal kommen. Die 14 Verliererinnen, die ihre Beauty-Cases jetzt wieder auspacken können, weinten sich trotzdem die Augen aus. Die anderen klatschten und schmatzten sich in bekannter Weise ab und können es kaum erwarten, sich in Übersee die Füße wund zu laufen. "Ich bin mal überrascht, was kommt", sagte eine. Nur neugierig, wäre auch ein bisschen wenig gewesen.

Von Mark Stöhr
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Mathilda31 (27.02.2009, 13:40 Uhr)
Lieber Mark Stöhr
Ich bepiss mich gleich vor lachen,bei ihrem Artikel.
bitte weiter so!
bernie-abg (27.02.2009, 12:45 Uhr)
Ah,...
...jetzt hab' ichs:
http://www.youtube.com/watch?v=YnG2gxc5IX0
Viel Spass;-)
bernie-abg (27.02.2009, 12:41 Uhr)
Gestern Abend...
...kam auf NDR eine Folge von Ottis Schlachthof mit einem Musik-Kabarettisten mit einer schönen Nummer zum Thema. Den Namen finde ich jetzt leider auf die schnelle nicht.
Superroman (27.02.2009, 12:18 Uhr)
Liebe Leidensgenossen..
Sicher gibt es hier viele Leidensgenossen, die wie auch ich, von Ihren Freundinnen oder Frauen zum gucken dieser Sendung verdonnert wurden. Da sitzen drei Peinlichkeiten, deren Job darin besteht, hübsch von nicht hübsch zu trennen. Und gerade das habe die drei leider üüüberhaupt nicht drauf. Zwei Tucken und eine Frau die sich ein Scarface zum Mann nahm sollen tatsächlich erkennen, welches Mädchen hübsch oder häßlich ist... Die gestrige Sendung hat mal wieder bewiesen, daß sie das nicht mal ansatzweise können aber wen wunderts???
Ramunu (27.02.2009, 12:18 Uhr)
Lustiger Artikel
Ich sehe mir den Mist zwar nicht an, aber Ihren Artikel fand ich sehr amuesant!
Tom3 (27.02.2009, 10:52 Uhr)
@Sublucem
...da geb ich Ihnen Recht, das sieht in der Tat sehr danach aus, dass diese Tessa, die Pro7 ja nun nachweislich schon vor Klums Topmodelsendung beknannt war, nochmals aus der Hut gezaubert wurde...
es kann aber auch sein, dass die wirklich so Mediengeil ist, dass die jede Chance nutzt um auf sich aufmerksam zu machen u. von allein wieder zu Pro7 gedackelt kam...
...egal wie es nun auch war, die Sendung ist für mich nicht sehenswert, falsche Vorbilder wohin man nur sieht...
ruebesamen (27.02.2009, 10:35 Uhr)
Rülpsen oder Grunzen?
Diesen Artikel könnte man auch rülpsen oder grunzen, es würde ihm nichts nehmen.
BreadMan (27.02.2009, 10:27 Uhr)
Naja...
...schaut sie Euch an, diese Designer. Lagerfeld - für mich in einer Reihe mit Michael Jackson, sicherlich genial aber gleichzeitig völlig plem plem und irgendwo lost in Space. Wer auch immer diese Ekelfrauen als Topmodel definiert hat, die aus Haut und Knochen bestehen, man müsste ihn zu gleichen Konditionen dorthin erziehen. Ich finde, dass eine normal gebaute, sportliche Frau eine wesentlich elegantere und damit mitnehmende Ausstrahlung hat, als die Bulemie-Opfer auf den heutigen Laufstegen. Insofern sind die Mädels bei Heidi in gewisser Weise eine Erholung, wenn sie auch nie bei einem großen Designer in dessen neuester Gadrobe rumhopsen werden. Aber vielleicht ist das für sie auch besser, Heidi Klum hats ja auch ohne zu etwas gebracht. Man kann über sie sagen, was man will - Erfolg hat sie und der zahlt sich inzwischen so mordsmäßig aus, dass die sich keine Sorgen mehr machen muss. Und das ist ein ehrbares Ziel, dass vielleicht mal auch eine ihre Topmodelschäfchen erreichen kann - wenn sie genügend Biss mitbringen, durchs Feuer zu gehen. Ich drücke der Berlinerin Dana die Daumen, die für mich von allen noch die beste und interessanteste Ausstrahlung mitbring.
ElPrimo (27.02.2009, 09:46 Uhr)
Die Wende...
wird noch sehr lange auf sich warten lassen. Schaut euch doch mal um was sich alles Designer nennt, man könnte grad meinen die sind aus ner Klappse ausgebrochen und für den peinlichen Versuch aufzufallen schlüpfen die in die lächerlichsten Klamotten. Solange die dann noch Kleider designen die schon allein beim anschauen nen Brechreiz auslösen können und sich gegenseitig in den Kleidergrössen unterbieten, wirds keine Wende geben. Vor allem da der Nachschub an dummen Mädchen...die auch noch glauben dass sowas so toll ist und dafür alles mit sich machen lassen...nie versiegen wird. Traurig aber wahr ;-)
si2008x (27.02.2009, 09:25 Uhr)
Unendlich fade...
...wie die ganze Modebranche. Habe gestern mal 10 Minuten reingeschaut, dann musste ich wegschalten. So fade Gesichter habe ich schon lange nicht gesehen. Allen voran Heidi Klum, die sich so was von ernst nimmt...dazu ihr starres, falsches Lächeln, das tut schon körpelich weh!!! Kein Wunder dass normale Mädels nicht so "absolut dämlich" laufen und dreinschauen können wie die "Profimodels" auf den Laufstegen! Wann endlich kommt da mal eine Wende in dieser Branche und "normale, lebenslustige, lächelnde Models" beglücken uns am Laufsteg, anstatt dieser Hungerhaken-Monster!!!???!!!
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