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25. März 2010, 18:37 Uhr

"Immer sehr verliebt"

Wer ist die Frau, die Wetterexperte Jörg Kachelmann angeblich vergewaltigt hat? Boulevardblätter wollen die Identität des Opfers geklärt haben. Von Manuela Pfohl

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Jörg Kachelmann nach seiner Befragung am Mannheimer Amtsgericht am Mittwoch© Ronald Wittek/DPA

Als er am Mittwoch nach dem Termin beim Haftrichter in Mannheim in den Gefangentransporter stieg, lächelte Jörg Kachelmann in die Kameras und versicherte noch einmal: "Ich bin unschuldig." Eine Fangemeinde des 51-Jährigen, die auf Facebook immerhin schon rund 200 User zählt, fordert kämpferisch "Free Kachelmann". Für sie steht fest: Die Böse in der ganzen Geschichte ist Kachelmanns Ex-Freundin. Doch wer ist eigentlich die Frau, die behauptet, Kachelmann habe sie im Februar nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen vergewaltigt?

Glaubt man dem Schweizer Boulevardmagazin "Blick", dann handelt es sich um eine 37-jährige Radiomoderatorin aus dem baden-württembergischen Schwetzingen, die der Schweizer Wetterprofi vor rund elf Jahren bei der Benefiz-Gala "Ball der Sterne" im Rosengarten von Mannheim kennenlernte. Sie habe, so "Blick", im Glauben gelebt, irgendwann mal mit ihm zusammen zu ziehen. Das Boulevardblatt nennt sie Petra.

Das Verhältnis blieb nicht unbemerkt

"Blick" schreibt: "In der Schwetzinger Altstadt ließen sich Jörg und Petra oft zusammen blicken." Als Beleg dafür zitiert das Blatt den Wirt eines Schwetzinger Restaurants: "Die beiden aßen oft zusammen in meinem Restaurant. Zuletzt waren sie im Januar bei mir. Die beiden wirkten immer noch sehr verliebt." Die Wirtin ergänzt: "Sie waren in den letzten Jahren oft meine Gäste. Und haben immer sehr verliebt und harmonisch zusammen gewirkt."

In der Kleinstadt sei das langjährige Verhältnis nicht unbemerkt geblieben, meldet das Boulevardblatt. Petras Nachbar Giuseppe Romano zu "Blick": "Ich habe hier öfter ein dunkles Auto mit Schweizer Kennzeichen vor der Tür gesehen. Kachelmann hat in ihrer Garage geparkt und war mal länger und mal kürzer da. Auch vor dem Haus hab ich ihn einige Male gesehen und erkannt." Aufgefallen sei ihm allerdings, dass sich der Schweizer in der letzten Zeit nicht mehr in der Siedlung habe sehen lassen.

Beziehung "mit großem Knall" geendet

Petras Anwalt Thomas Franz habe erklärt, dass die Beziehung mit einem "großen Knall" geendet habe. "Es gab einen Anlass, aufgrund dessen es zu einer Diskussion kam, dann zu Streitigkeiten. Dann folgte die Tat. Völlig spontan, unvermittelt und unvorhersehbar für meine Mandantin", zitiert "Blick" den Anwalt. Und: "Es kam in der Beziehung nie zu irgendwelchen Gewalttaten, nie zu irgendwelchen Ausrastern." Seine Mandantin sei "über das, was dann geschehen ist, sehr schockiert".

In Schwetzingen selbst herrscht seit Montag der Ausnahmezustand. Ein Redakteur eines regionalen Onlinemediums schreibt am Dienstag: "Es ist schon verrückt, was seit gestern über Schwetzingen hereinbrach. Fernsehteams aus ganz Deutschland und der Schweiz waren vor Ort, Reporter aller großen Zeitungen, gleich ob das Berliner Boulevardblatt BZ oder die seriöse Frankfurter Allgemeine Zeitung, ob die öffentlich-rechtlichen Teams vom Hessischen Rundfunk und ZDF oder die Boulevard-Magazine von RTL oder der Nachrichtensender N 24 - alle Fährten des Kachelmann-Falles führten in die Spargelstadt. In der Redaktion stand das Telefon nicht still. Wir hielten uns daran, den uns bekannten Namen des Opfers nicht preiszugeben."

In den Vorgärten stehen Gartenzwerge

Während die Regionalmedien sich noch um Zurückhaltung im "Fall Kachelmann" und "seiner geheimnisvollen Geliebten" üben, nennt die Boulevardpresse immer neue Details. "Blick" schreibt: "In einer ruhigen Wohnstrasse mit biederen Reihenhäuschen und Kleinwagen vor der Tür wohnt die Frau, die Kachelmann angezeigt hat. Weil der prominente Wetterexperte sie Anfang Februar hier, in ihrer Wohnung, vergewaltigt haben soll. Sie bewohnt in dem Haus eine kleine Dachwohnung. Die Wohnung gehört ihren Eltern, die direkt gegenüber leben. Die zwei Häuser sind nur durch einen kleinen Gartenweg voneinander getrennt. Petras Eltern können ihrer Tochter ins Schlafzimmer blicken. In den Vorgärten stehen Gartenzwerge, die Jalousien sind heruntergelassen."

Zwar gibt es von der 37-Jährigen kein eigenes Statement. Doch die Mutter spricht mit "Blick" und berichtet angeblich unter Tränen: "Das ganze Leben von Jörg ist eine Lüge. Er hat die ganzen elf Jahre nur gelogen." Während der Beziehung zu ihrer Tochter habe er eine andere Frau geheiratet. Ihrer Tochter gehe es nicht gut. "Sie ist zusammengebrochen. Sie ist in der Klinik."

Opfer oder Täterin?

Die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht Mannheim glauben der Frau - sie sehen einen dringenden Tatverdacht. "Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Angaben der Frau stimmen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann, zu "Spiegel Online". Die Frau sei ausführlich vernommen worden. "Sowohl die Polizei als auch das Gericht schätzen ihre Aussage als glaubhaft ein", so der Staatsanwalt.

Die Züricher Gratiszeitung "20 Minuten" schürte indes gestern Zweifel an Petras Glaubwürdigkeit und titelte: "Ist die angeblich Vergewaltigte eine Stalkerin?" Die Frage, die dahinter steht: Ist das "angebliche" Opfer vielmehr der Täter?"

Für Petras Anwalt eine absurde Behauptung: "Er hat sie zum Sex gezwungen. Am nächsten Morgen ging meine Mandantin zur Polizei und zeigte die Vergewaltigung an. Wie man das immer bei solchen Taten macht, sind die Beamten mit ihr in die Gynäkologie der Uniklinik Heidelberg gefahren, um sie zu untersuchen. Die Ergebnisse sind eindeutig", so Thomas Franz.

Eine PR-Aktion?

Offenbar konnte Kachelmann auch die Mannheimer Staatsanwaltschaft noch nicht von seiner Unschuld überzeugen. Nach dem Gesprächstermin am Amtsgericht erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann, es bestehe nach wie vor dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr. Ein weiterer Haftprüfungstermin für den TV-Wetterexperten sei zunächst nicht in Sicht. "Es ist nicht abzusehen, wie lange er in Untersuchungshaft bleiben muss", sagte Grossmann.

Unterdessen scheint es jedoch auch schon geplante strategische Offensiven zur medialen Positionierung beider Parteien und entsprechender Sympathiegewinnung zu geben. Während Petras Mutter in die Kameras weint, gibt sich Kachelmann betont locker und selbstbewusst. War sein "Ich bin unschuldig"- Statement kurz vor dem Abtransport in die Justizvollzugsanstalt eine gezielte PR-Aktion?

Noch am Mittwoch hatte der Berliner Medienanwalt Christian Schertz sich empört darüber gezeigt, dass Kachelmann nach dem Gerichtstermin unter medialer Beobachtung abgeführt wurde. "Mir ist kein Fall in der deutschen Pressegeschichte bekannt, wo es die Justiz ermöglicht hat, dass ein bloßer Beschuldigter vor laufenden Kameras in eine grüne Minna weggeschlossen wurde", kritisierte Schertz.

Doch das Mannheimer Amtsgericht weist den Vorwurf zurück, Jörg Kachelmann nach seiner Vernehmung am Mittwoch öffentlich zur Schau gestellt zu haben. "Das Vorgehen wurde mit Herrn Kachelmann abgestimmt, dem auch Gelegenheit gegeben wurde, sich gegenüber der Presse zu äußern", sagte Gerichtssprecher Volker Schmelcher. Es sei zudem rechtlich unstrittig, dass ein Informationsanspruch der Öffentlichkeit "nicht ohne weiteres beiseite geschoben werden kann". Dieser Anspruch müsse mit dem Persönlichkeitsrecht Kachelmanns abgewogen werden. "Eine solche Abwägung hat das Amtsgericht pflichtgemäß vorgenommen", sagte Schmelcher.

Von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Administrator (26.03.2010, 08:46 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre stern.de-Admins
hans-hubert (26.03.2010, 08:30 Uhr)
Was wollte das AG bezwecken.
Als langjähriger Schöffe an einem LG,
stelle ich mir schon die Frage,was das
AG damit bezwecken wollte,Herrn Kachelmann so vor zu führen. So richtig,kann ich den dringenden Tat-
verdacht auch nicht nachvollziehen,da es ja keine unmittelbaren Zeugen dafür gibt.
War es vielleicht ein Racheakt aus
verschmähter Liebe ???
brinity (26.03.2010, 05:29 Uhr)
was zuvor geschah
11 Jahre hat also die Radio-Moderatorin gehofft, doch noch irgendwann Kachelmanns Nr. 1 zu werden - erfolglos.

Mir sind immer wieder Frauen begegnet, die eine solch ausdauernde Leidensfähigkeit an den Tag legen und sich ihr Leben lang hinhalten lassen. Da kommt man mit Argumenten nicht weit.

Schade, dass es doch noch viele gibt, die für das "schwache Geschlecht" stehen. Ich wünsche mir mehr starke Frauen.

Mütter und Väter - erzieht eure Mädchen zu Selbständigkeit und Selbstbewusstsein, damit sich Emanzipation nicht nur auf dem Papier gut liest.
Scrubbie (26.03.2010, 00:20 Uhr)
Hm...
Was wirklich geschehen ist, darüber können wir alle nur Vermutungen anstellen. Ich gehe jedoch davon aus, dass das abschliessend geklärt wird. Zur Verhaftung als solcher ist dies sicher nicht der erste Fall in dieser Form...ich erinnere mal an Nadja Benaissa.
Johann58 (26.03.2010, 00:00 Uhr)
@hotharissa
Ich habe ebenfalls vermisst, dass hier Kommentare von Frauen stehen aber Ihr Beitrag ist nicht besser als der von den Maennern, die Sie hier mit Recht verurteilen aber das haetten Sie mit anderen Worten besser gekonnt. Sie stellen sie mit dem Kommentar leider auf die gleiche Stufe.
Roman25 (25.03.2010, 23:47 Uhr)
Problematisches Vorgehen
Es gibt schon in manchen Gesellschaftskreisen und auch in der Justiz eine gewisse Tendenz, dem Mann eine "naturgegebene Täterschaft" zu unterstellen.

Dies wurde wahrscheinlich stark durch den radikalen, Männer verneinenden Feminismus gefördert. Ich finde, diese Problematik ist durchaus einer Diskussion würdig.

Letztendlich ist die Faktenlage ja so, dass man momentan gar nicht sagen kann, wer der/die Täter/in ist, und wer das Opfer. Trotzdem sitzt Herr Kachelmann in U-Haft und die Frau ist auf freiem Fuß.
Praktisch gesehen ist er also der Gelackmeierte, selbst wenn er am Ende unschuldig sein sollte.
Zudem hätte die Schweiz mit Sicherheit Amtshilfe geleistet.

Wichtig ist auch zu sagen, dass Frauen, die einen Mann zu Unrecht einer Vergewaltigung beschuldigen hart bestraft werden müssen. Denn diese Frauen schaden einerseits dem unschuldig Angeklagten und zudem der Glaubwürdigkeit jedes echten Vergewaltigungsopfers.
hotharissa (25.03.2010, 23:37 Uhr)
Männerforum???????
Soweit ich das hier lese, erschließt sich mir der Gedanke: Da schreiben nur Männer. "Ach, ein bisschen den Schniedel 'reingesteckt zu haben (sie war zwar etwas zickig und spreitzig), aber dann " wollte" sie doch ... nee, Männer, so geht das nicht. Und wenn jemand gegen seinen Willen gef ... wird .... NEIN. Und das gehört bestraft. Nur: Wir armen Frauen ... wie beweisen ?????? (Nach der Devise: Sie sind ja selber Schuld...)
Johann58 (25.03.2010, 21:54 Uhr)
Jetzt bin ich schon ein wenig erschuettert
Kann hier jemand mit Bestimmtheit sagen, dass es keine Vergewaltigung gegeben hat? Kann hier jemand mit Sicherheit sagen, dass Kachelmann schuldig oder unschuldig ist? Sollte die Staatsanwaltschaft bei Kachelmann anders reagieren als bei jemand anderem?
Kachelmann hat die Oeffentlichkeit selbst gesucht also kann man sie der Staatsanwaltschaft nicht vorwerfen.
Natuerlich muss fuer Kachelmann wie fuer jeden anderen gelten 'in dubio pro reo' aber auch das muss doch zunaechst geklaert werden. So lange nichts anderes bewiesen ist ist Kachelmann so schuldig und unschuldig wie die Frau ehrlich ist oder luegt.
Ich kann auch keine frauenlastige Justiz erkennen, unsere Justiz ist eher frauenfeindlich. Ich kann auch nicht verstehen, dass hier jemand eine Vergewaltigung herunterspielt und glaubt zu wissen, dass das keine dauerhaften psychischen Schaeden hinterlaesst.

Die Frau hat ihn angezeigt und es ist die Aufgabe der Staatsanwaltschaft dem nachzugehen, das wuerde jeder fuer sich selbst auch erwarten. Vollig unbegruendet wird er auch nicht in U-Haft bleiben, was dem Haftrichter ja auch nicht gerade zum Vorteil gereichen wuerde.

So wenig wie man Kachelmann vorverurteilen sollte, so wenig sollte man die Frau beschuldigen und vor allem solche daemlichen verallgemeinerungen loslassen, dass sich eine Frau einfach nur mit falschen Beschuldigungen raechen will.
welo (25.03.2010, 20:22 Uhr)
Da sieht man das falsche Denken in der Gesellschaft
An diesem Beispiel kann man mal wieder gut erkennen, wie das falsche Denken in der Gesellschaft auch in die Rechtssprechung Einzug gefunden hat. Wieso sollte die Aussage der Frau glaubwürdiger sein als die von Hr. Kachelmann? Es ist wirklich ein Skandal, wie einfach es in Deutschland für eine Frau ist sich an ihrem Ex-Partner zu rächen: Und schwupps sitzt er im Gefängnis. Wie heißt es noch so schön: Jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich. Nur Frauen sind in Deutschland offenbar etwas gleicher.
Dies ist das Ergebnis jahrzehntelanger feministischer Propaganda, das dieses falsche Denken in unsere Gesellschaft und damit auch in unsrere Rechtssprechung gebracht hat.
Das ist so ähnlich, wie wenn man eine körperliche Behinderung hat. Das muß der Betroffene auch akzeptieren. Und als Mann muß man in Deutschland halt akzeptieren, daß man diskriminiert und benachteiligt wird. Der Unterschied ist nur, daß Letzteres theoretisch änderbar wäre, wenn das durch den Feminismus verursacht falsche Denken in der Gesellschaft wieder ausgerottet würde.
Aber das ist nicht zu vermuten, da die Meinungsmacher in den Medien offenbar kein Interesse daran haben. Und deshalb wird die Rechtssprechung sich vermutlich in dieser Hinsicht eher in eine Richtung entwickeln, die nicht nur mit Gerechtigkeit nichts zu tun hat, sondern sogar das Gegenteil von Gerechtigkeit darstellt.
Lazarus09 (25.03.2010, 19:32 Uhr)
Ungeachtet der Tatsache ob Herr Kachelmann
Die Tat begangen hat oder nicht, sind die angewannten Mittel der Staatsanwaltschaft überzogen. Eine sofortige Medienwirksame Verhaftung am Flughafen erscheint bei Mord angebracht ,aber so bleibt ein schaler Nachgeschmack denn die Schweiz würde wohl im Amtshilfeverfahren bei erwiesener Schuld des Herrn K . einer Überstellung in die Deutsche Gerichsbarkeit zustimmen.
Grade bei dem ihm zur Last gelegten Delikt und in Anbetracht des Umstandes das beide 8 Jahre ein Paar waren,wohl ohne das es in der Zeit zu anzeigbaren Vorkomnissen kam sollten die Ermittlungen behudsamer ausfallen.

Dagegen vermisse ich die Staatsanwaltschaft und klickende Handschellen in den Katholischen Einrichtungen,handelt es sich in diesen Fällen um Misshandlung und Vergewaltigung Minderjähriger und Schutzbefohlener eines der Ekelhaftesten und Verwerflichsten Verbrechen überhaupt.
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