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26. Januar 2012, 08:15 Uhr

Ein Promi, der keiner sein will

Hollywoods Badboy Sean Penn glaubt, dass sein Promistatus seine Lebensqualität über die Jahre arg verringert hat. Allerdings hat der Schauspieler und Regisseur einen guten Grund für das Leben im Rampenlicht. Von Frank Siering, Los Angeles

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Glücklich sieht Schauspieler Sean Penn nicht gerade aus© Jim Urquhart/Reuters

Sean Penn ist meist schlecht gelaunt, wenn er sich den Medien stellen muss. Da war auch die jüngste Pressekonferenz während des Sundance Filmfestivals in Park City im US-Bundesstaat Utah keine Ausnahme.

Grummelig, verknittert, dazu noch leicht verschlafen und zum Angriff bereit, musste Penn seinen neuen Film "This Must Be the Place" im verschneiten Skiparadies vorstellen.

In dem Streifen spielt der 51-jährige Oscar-Preisträger eine stark geschminkten alternden Rockstar, der vom Aussehen ein bisschen an Robert Smith von The Cure erinnert.

Im Film hat der Musiker sein altes Promileben gegen ein ruhiges Dasein in Irland eingetauscht. Penn kann eine solche Entscheidung, so sagte er selbst, gut verstehen: "Es macht Sinn, das Glitzerleben hinter sich zu lassen. Auch ich mache mir über einen solchen Schritt häufig Gedanken", so Penn. "Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass der Prominententeil unseres Künstler-Daseins wie eine obszöne Krankheit überhand genommen hat. Ich glaube wirklich, dass es eine Krankheit ist", feuerte Penn durch den Saal.

Der Superstar, der das erste Mal vor 27 Jahren zum Sundance Filmfest gekommen war - damals mit dem Streifen "The Falcon and the Snowman" - ging sogar noch einen Schritt weiter, indem er sagte, dass die Lebensqualität seiner Existenz gerade wegen seines Status' als Megastar "arg eingeschränkt" werde.

Promis im Herdentrieb

Außerdem glaube er, dass unter seinen Kollegen, die sich in der Öffentlichkeit bewegen, "heute eine Art Herdentrieb" breit mache, die seinen Beruf und die damit zusammenhängende Reputation von Schauspielern "einfach nur noch als billig erscheinen lässt".

Penn war schon immer ein Mann der klaren Worte. Seine Aversion gegenüber aufdringlichen Medienvertretern hat ihm schon diverse Klagen von Fotografen eingebracht, die von ihm auf offener Straße attackiert und zum Teil sogar verletzt wurden.

Immer wieder wurde er in der Vergangenheit von erstklassigen Preisverleihungen eingeladen, und immer wieder sagte er ab. Er bekam den Ruf, "schwierig" zu sein. In Hollywood ein Makel, der schon ganze Karrieren ruiniert hat.

Penn widmet seine Zeit lieber der eigenen "J/P Haitian Relief Organization". E verbringt noch immer sehr viel Zeit im Erdbeben-Gebiet von Haiti und hat trotz anfänglicher Kritik längst bewiesen, dass es ihm ernst ist mit langfristiger Hilfe.

"Ich habe den Menschen dort versprochen, dass ich nicht einer von diesen Promis bin, die schnell einfliegen, ein paar Hände schütteln und dann mit meinem Leben ganz normal weitermache. Ich will helfen, langfristig helfen", so Penn.

Lieber hinter der Kamera

Warum der launische Star überhaupt noch in Hollywood vor der Kamera steht, machte er in Park City ebenfalls deutlich. "Ich muss Geld verdienen, um meine Organisation in Haiti weiter mit finanziellen Mitteln versorgen zu können", so Penn.

Das nächste Penn-Projekt in Hollywood? Für den Streifen "The Comedian" mit Robert De Niro und Kristen Wiig wird Penn in die Rolle des Regisseurs schlüpfen.

Einen Job, den der 51-Jährige dieser Tage dem Schauspielen vorzieht. "Ich kann mehr Geld als Schauspieler verdienen, aber ich ziehe den Posten hinter der Kamera vor", sagte Penn, der sich im Schnee von Utah trotz mieser Laune so ehrlich wie selten zuvor zeigte. Und aufpassen muss, dass er auf seine alten Tage nicht doch noch zum Sympath mutiert. Er könnte seinem Image als "Bad Boy" vehement schaden...

Von Frank Siering, Los Angeles
 
 
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