Der ostdeutsche CDU-Politiker wurde nach der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl Verkehrsminister. 1993 stolperte er über "Putzfrauen"- und "Umzugs"-Affären.

Günther Krause, 53, zu Hause in Admannshagen, westlich von Rostock. Hinter ihm seine private Kirchenorgel - Krause ist ausgebildeter Kirchenorganist© Espen Eichhöfer
Ich interessiere mich noch für Politik, bin aber froh, dass ich sie nicht mehr machen muss. Ich fürchte, unsere Gesellschaft ist reformunfähig. Ich leite eine Firma, die in osteuropäischen Mietwohnungskomplexen Heizkosten überwacht und abrechnet, bin viel in Kiew, Sofia und St. Petersburg. Ich berate Regierungen beim Umbau der Staats- zur Privatwirtschaft. Und ich befasse mich mit nachwachsenden Rohstoffen. Zum Beispiel arbeite ich mit zwei Professoren aus Rostock und Hamburg daran, wie man aus Stroh Rohöl gewinnen kann, das schwarze Gold.
Mag märchenhaft klingen, wir sind aber schon weit. Hier die Unterlagen, machen Sie sich selbst ein Bild.
Mal halblang! Ich habe das Geld an drei Betrüger verloren, die dafür in den Knast gewandert sind, einer brachte sich in der Zelle um. Ich glaubte mich damals gut beraten. Ich hatte einen Finanzmann zur Seite, der vorher fünf Jahre die Geschäfte der Schweizer Bank UBS bei den Saudis betrieben hat. Der war schon wer! Auch der wurde betrogen. Selbst die UBS war geschädigt - insgesamt verschwanden 200 Millionen Mark. Da blickten auch andere nicht durch.
Der heutige Mann meiner Ex- Frau, damals unser Architekt, schleppte den an, der Mann saß eines Abends auf meiner Couch und machte einen kompetenten Eindruck.
In einem hat sie recht. Ich ging immer davon aus, die Leute sind zu dir so ehrlich, wie du zu ihnen bist. Ich musste erst lernen, dass man hauptsächlich mit Schweinehunden zu tun hat.
Neben vielen falschen hatte ich auch wenige echte Freunde. Zudem halte ich drei Sätze für wahr: Hast du den Glauben wie ein Senfkorn, kannst du Berge versetzen. Ohne Kampf kein Sieg - Verlieren gehört da dazu. Und: Jeder Nachteil hat seinen Vorteil.
Leider verfolgt mich die Staatsanwaltschaft Rostock immer noch. Seit 1996 geht das so. Ich wurde 2002 zwar verurteilt, aber der BGH hat das Urteil aufgehoben. Die Vorsitzende Richterin damals: Monika Harms, heute Generalbundesanwältin. Ich möchte, dass auch alle anderen Verfahren gegen mich eingestellt werden. Selbst wenn ich verurteilt würde, was ich nicht glaube: Die zu erwartende Strafe stünde in keinem Verhältnis zur Dauer der Verfolgung. Ein Drittel meines Berufslebens bin ich Vorverurteilungen ausgesetzt. Ich werde deshalb vor die Menschenrechtskommission gehen.
Im April 2004 habe ich wieder geheiratet, ein großes Glück! Meine eigenen drei Kinder und die drei Kinder meiner neuen Frau verstehen sich gut, dazu habe ich vier Enkel. An denen habe ich wirklich Freude. Im Übrigen brauche ich zum Leben nicht viel. Neben der Familie eigentlich nur das Klavier und das Orgelspiel.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 24/2007
Zur Person Günther Krause, 1953 in Halle an der Saale geboren, studierte Bauingenieurwesen und Informatik. Sein ursprünglicher Berufswunsch war Kirchenmusiker. Seit 1975 engagiert in der CDU, übernahm er 1990 den CDU-Vorsitz in der Volkskammer. Anfang 1991 wurde er Verkehrsminister in der Kohl- Regierung. Nach mehreren Affären – u. a. ließ seine Frau sich die Putzfrau aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlen, er sich einen privaten Umzug erstatten – trat er 1993 zurück. Krause lebt in Bögerende nahe Rostock.