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Dschungelcamp, Tag 1 Kaputt wie Krause – der Ex-Verkehrsminister macht den Abflug


Von wegen "strong, healsy and full of ännergy": Kaum angekommen, muss Günther Krause das Camp aus gesundheitlichen Gründen schon wieder verlassen. Mit ihm verliert die Staffel ihren schrägsten Vogel. Kann der Rest des Cast den Verlust auffangen?
Von Mark Stöhr

Dieser Mann ist ein Phänomen. Alles, was er in seinem Leben angepackt hat, ging in die Hose. Eine Karriere wie eine Klospülung. Günther Krause ist der geborene Bankrotteur, der aus Gold zielsicher Scheiße macht. Erst als Verkehrsminister, später als Unternehmer. Er hat Leute geprellt, stand zig Mal vor Gericht, lebte auf großem Fuß, obwohl der Trabi für ihn maßgeschneidert war. Kurzum: Ein geiler Typ. Die Top-Personalie im diesjährigen Cast.

Und ausgerechnet jetzt klappt bei Kamikaze-Krause doch mal was: Er kassiert für minimale Arbeit mörderviel Kohle und das – sehr untypisch für ihn – völlig legal. Zu verdanken hat der 66-Jährige dieses späte Glück seinem Körper, der aus dem letzten Loch pfeift. Kreislauf, Rücken, Magen – alles marode wie die Leunawerke 1989. Nass geschwitzt und kurzatmig schleppte sich Gruft-Günni über die wenigen Quadratmeter Camp. Eigentlich war er schon für die letzte Staffel eingeplant gewesen und bestand damals den Gesundheitscheck nicht. Nun holte ihn die medizinische Abteilung bereits nach der ersten Folge wieder vom Feld.

Dschungelcamp: Mit der abgehangenen Grandezza eines Gunter Gabriel

Das ist schade. Denn der berufsmäßige Pleitier deutete in den wenigen Sendeminuten, die er hatte, sein großes Potential an. In ihm trafen der real existierende Irrsinn eines Helmut Berger mit der abgehangenen Grandezza eines Gunter Gabriel zusammen. Meisterhaft als durchgeknallter Honorarkonsul inszeniert, wurde er mit einer Limousine in den Dschungel chauffiert und dort von einer Blaskapelle mit der deutschen Nationalhymne empfangen. Den für ihn abgestellten Ranger beschied er mit den Worten: "I can't no good speak of English I come from East Germany. I speak better Russian." Als in der ersten Nacht eine Schlange ihr Unwesen im Camp trieb, analysierte der Professor für Ingenieurwissenschaften messerscharf: "Wenn es dunkel ist, sind wir strategisch im Nachteil." Gerne hätten wir mehr über Krauses bahnbrechende Idee erfahren, mit Elementarteilchen aus dem Weltall die Energieprobleme der Menschheit zu lösen. Ein gerne erzählter Witz unter Physikern. Sicherlich wären auch noch ein paar Dönekes aus den gemeinsamen Cognac-Nächten mit Helmut Kohl abgefallen. Doch dazu wird es nicht mehr kommen. Der bislang erste ehemalige Spitzenpolitiker in der Geschichte von "Ibes" kann jetzt zwei Wochen lang im Versace Rotkäppchen-Sekt trinken, während wir mit den verbliebenen elf Kandidaten vorliebnehmen müssen.

Dschungelcamp 2020 Günther Krause
Dschungelcamp 2020: Günther Krause, Claudia Norberg und Anastasiya Avilova
© Stefan Menne / TV Now

Sven Ottke liest wie ein Vorschüler

Und die sind nicht ganz verkehrt. Markus Reinecke, der Trödelheini mit den Schlaghosen, spricht in ganzen Sätzen und bewies gestern Nehmerqualitäten. Als einer der wenigen schaffte er es über eine löchrige Wackelbrücke und zog sich ohne Würgen einen Truthahnhoden rein ("Schmeckt ein bisschen wie Weißwurst"). Er wird es weit bringen. Boxchampion Sven Ottke liest wie ein Vorschüler und legt die Humorlatte extrem tief ("Wenn mich jemand fragt, wie ich zum Boxen gekommen bin, sage ich immer: Mit dem Bus") – aber die Leute lieben unterkomplexe Typen wie ihn, die Einsatz zeigen und früher mal echten Erfolg hatten.

Zu einem sonderbaren Duo taten sich gleich die Wendler-Ex Claudia Norberg (Sonja Zietlow: "Eigentlich wollten wir seine Neue, bekommen haben wir die alte") und Daniela Büchner zusammen. Als hätten sie sich zum Interview verabredet, erzählten sie sich gegenseitig ihr Schicksal und ließen dabei großzügig Tränen fließen. Die Büchner spielte mit Haut und Haar ihre Rolle als trauende Witwe, bis an die Grenze des Bauerntheaters ("Ich weiß, mein Mann sieht mir von oben zu"). Prognose: Sie wird es als listige Schlange Kaa trotzdem bis unter die letzten Drei schaffen. Gemeinsam mit Elena Miras wurde die 41-Jährige für die nächste Dschungelprüfung nominiert – eine ihrer wohl schärfsten Konkurrentinnen. Miras lieferte schon zum Auftakt genau das ab, was von ihr erwartet wurde: Sie ist aufbrausend, ätzend, vulgär, manchmal auch unfreiwillig komisch. Bei einem Quiz sollte sie drei Planeten unseres Sonnensystems nennen. Ihre Antwort: "Yo – Merkus oder so was...?" Vielleicht sollte sie sich nach der Staffel mit Kosmos-Krause zusammentun. Der hat ungefähr genauso viel Ahnung vom Weltall.


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