Die Ausnahmeathletin aus Thüringen - schon in der DDR ein Star - gewann vor allem in den 90er Jahren so gut wie jeden Weitsprungwettbewerb. Den deutschen Rekord hält sie noch.

Heike Drechsler, 43, im Stuttgarter Schlosspark© Berthold Steinhilber
Stimmt. Aber ich bin ja nicht wirklich Rentnerin, sondern habe nur meine Karriere als Leistungssportlerin beendet. Ich arbeite jetzt für eine Krankenkasse im Präventionsbereich, halte Vorträge zum Thema Sport und Gesundheit. Außerdem betreue ich die Aktion "Deutschland bewegt sich" und leite an den Wochenenden oft Nordic-Walking-Kurse. Und dann fördere ich auch noch Schulprojekte. In Thüringen gibt es zum Beispiel zwei Grundschulsportfeste, die meinen Namen tragen.
Selten. Ich habe Hummeln im Hintern. Auch jetzt habe ich schon wieder das Gefühl, viel zu lange im Büro zu sitzen. Dann denke ich immer, ich roste ein, und mir tut plötzlich alles weh.
Ich laufe. Inzwischen bin ich auf die Langstrecke gewechselt. Ich renne etwa eine Stunde, in einem recht flotten Tempo.
Hüpfen Sie noch ab und zu in die Sandgrube? Manchmal. Wenn ich an Schulen bin, wollen die Kinder mich springen sehen.
Um die fünf Meter. Ich staune, dass es noch so gut geht. Aber die Technik verlernt man nicht. Doch die Weite ist egal. Ich will Kindern den Spaß am Sport vermitteln.
Klar. Ich bin sogar in Peking und unterstütze als Mentorin die Beachvolleyballerinnen Okka Rau und Stephie Pohl sowie die Rollstuhl-Tennisspielerin Katharina Krüger.
Ich stehe den Athleten beratend zur Seite, im Umgang mit den Medien zum Beispiel, gebe aber auch ganz persönliche Tipps.
Mein Leben wurde wesentlich vom politischen System der DDR geprägt. Mit allen guten, aber auch den schlechten Seiten. Ich kann nur sagen, dass ich nie wissentlich gedopt habe. Aber nach den Unterlagen kann ich heute leider nicht mehr ausschließen, dass ich von den Ärzten ohne mein Zutun und Wissen mit illegalen Mitteln behandelt wurde.
Das war ein Fehler. Ich war damals überfordert. Ich wusste nicht, was mit mir passierte, weil ich selber viel zu tief in dem ganzen System steckte. Ich habe daraus gelernt und versuche heute aufzuklären. Zudem habe ich meine Olympiasiege 1992 und 2000 ja unter den neuen Bedingungen des Kontrollsystems und für die Bundesrepublik Deutschland errungen.
Meine Zeit ist vorbei. Ich hatte viele schöne Momente und habe meine Karriere ausgeschöpft. Jetzt ist es ein neues Leben, und ich freue mich über die Dinge, die passieren.
Ja. Man verändert sich eben. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir nicht mehr denselben Weg haben. Dann ist es besser, sich zu trennen. Das ist auch im Guten erfolgt. Jetzt kann jeder seine Ziele verfolgen. Klar, das ist im ersten Moment schmerzlich, aber mir geht es gut. Auch privat.
Heißt das, es gibt einen neuen Mann? So ist es. Er kommt nicht aus dem Sport, und das ist auch gut. So bekommt man einen anderen Blickwinkel und ganz neue Impulse für das Leben.
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Ausgabe 32/2008
Zur Person Heike Drechsler wurde am 16. Dezember 1964 in Gera geboren. Nach dem Abitur machte sie eine Lehre als Feinmechanikerin, studierte Pädagogik. Bereits mit 18 wurde sie Weitsprungweltmeisterin - noch unter ihrem Mädchennamen Daute. Von 1986 bis 1998 holte sie bei jeder EM die Goldmedaille im Weitsprung, bei Olympischen Spielen gewann sie zweimal Gold. Hocherfolgreich war sie auch im Siebenkampf und über 200 Meter. 2004 beendete sie nach einem Wettkampf auf Tahiti ihre Laufbahn. Drechsler ist geschieden, hat einen Sohn und lebt in Aachen.