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LEICHTATHLETIK: Drechslers Angst vor der Grube

Dem Entsetzen über die Verletzung von Heike Drechsler folgte der Jubel. Das deutsche Team erlebte am dritten Tag der Weltmeisterschaften ein Wechselbad der Gefühle.

Dem Entsetzen über die Verletzung von Heike Drechsler folgte der Jubel nach dem ersten Medaillengewinn durch Nadine Kleinert-Schmitt: Das deutsche Team erlebte am dritten Tag der 8. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton ein Wechselbad der Gefühle. Für das internationale Glanzlicht sorgte Maurice Greene, der den Titel-Hattrick über 100 m perfekt machte.

Adduktoren-Verletzung

»Die Verletzung von Heike ist tragisch und tut uns weh. Den Kopf jetzt in den Sand zu stecken, wäre aber der falsche Weg«, meinte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), kämpferisch. »Das war ein Albtraum«, gestand die zweimalige Olympiasiegerin. Vor zwei Jahren musste sie wegen einer Wadenverletzung vorzeitig aus Sevilla abreisen, dieses Mal waren es die Adduktoren. Aus Angst vor einem Loch in der Weitsprung-Grube fiel Heike Drechsler in den WM-Abgrund. »Beim Einspringen habe ich gesehen, dass die Grube nicht richtig zugegraben war«, berichtete die 36-jährige Olympiasiegerin nach ihrem Aus am Sonntag in der Qualifikation in Edmonton, »ich wollte der Untiefe ausweichen und da hat es noch in der Luft in den Adduktoren gezuckt.«

Kumbernuss gibt sich die Kugel

Das vom DLV-Chef ausgegebene Motto »Jetzt erst recht« setzte Nadine Kleinert-Schmitt sofort um. Mit 19,86 m wurde sie hinter Olympiasiegerin Janina Koroltschik aus Weißrussland (20,61) wie schon vor zwei Jahren Vize-Weltmeisterin. »Das war ein perfekter Tag für mich, eine Medaille mit Bestleistung und das deutsche Duell gewonnen«, freute sich die Magdeburgerin. Titelverteidigerin Astrid Kumbernuss ging als Sechste mit 19,25 leer aus. »Ich bin maßlos enttäuscht«, meinte die 31-jährige Neubrandenburgerin. Mit Ausnahme von 1998, als sie Mutter wurde, hatte sie seit 1994 stets eine Medaille bei internationalen Titelkämpfen gewinnen können. »Der Gedanke, als Sechste nicht mehr dazu zu gehören, ist wie ein Schlag auf den Kopf.«

Greene in Topform

Maurice Greene unterstrich mit seiner Weltjahresbestzeit seinen Ruf als schnellster Mann der Welt eindrucksvoll. »Es war ein ganz gutes Rennen. Das wichtigste war, dass ich ins Ziel gekommen bin und gewonnen habe«, meinte der 27-jährige Amerikaner, der seine Landsleute Tim Montgomery (9,85) und Bernard Williams (9,94) auf die Medaillenplätze verwies. Seinen Titel über die lange Sprintstrecke wird Greene wegen einer Oberschenkelverletzung nicht verteidigen.

Schumann mit Hoffnung

Nils Schumann genügte im Halbfinale ein dritter Platz zum Erreichen des 800-m-Endlaufs. Danach verfolgte der Neu-Berliner den Lauf des Top-Favoriten Andre Bucher aus der Schweiz. »Andre ist in einer super Form. Es wird schwer, da überhaupt eine Chance zu haben. Ich hoffe auf eine Medaille und habe auch die goldene noch nicht aufgegeben«, sagte der Olympiasieger.

400 Meter-Hoffnung

Von Edelmetall kann auch Ingo Schultz nach seiner Glanzvorstellung im Halbfinale über 400 m träumen. Der Dortmunder unterbot bei seinem Sieg als erster Deutscher seit zwölf Jahren die 45-Sekunden-Grenze. »Das ist fantastisch. Ein absoluter Traum«, jubelte der 26-Jährige, der erst seit drei Jahren die Stadionrunde läuft.

Grund zur Freude hatte auch Sprinterin Gabi Rockmeier, die über 100 m das Halbfinale erreichte. Marion Jones unterstrich mit zwei Läufen unter 11 Sekunden ihre Favoritenrolle. Martin Buss steht im Hochsprung-Finale.

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