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LEICHTATHLETIK: Baumann kehrt mit EM-Silber zurück

Damit feierte der Tübinger eine triumphale Rückkehr nach seiner zweijährigen Doping-Sperre. Heike Drechsler dagegen beendete ihre Karriere mit einem fünften Platz.

Am Abend der Gegensätze ist Dieter Baumann als Europameisterschafts-Zweiter über 10.000 m triumphal auf die internationale Leichtathletik-Bühne zurückgekehrt. Bei den ersten Titelkämpfen nach seiner zweijährigen Dopingsperre musste sich der Tübinger nach packendem Finish in 27:47,87 Minuten nur dem Spanier Jose Manuel Martinez (27:47,65) geschlagen geben. Dafür verzichtet er auf einen Start über 5000 m. Für die Vorläufe am Freitag hätte er am Donnerstagmorgen die Meldung abgeben müssen. »Das ist zu knapp«, sagte der 37-jährige Tübinger nach dem Gewinn der Silbermedaille über 10.000 m am späten Mittwoch. Die 5.000 m will der Olympiasieger von 1992 am 16. August beim Golden-League-Meeting in Zürich laufen.

Enttäuschung für Drechsler

Dagegen ist die Ära Heike Drechsler bei Europameisterschaften beendet. Nach vier Weitsprung-Titeln in Folge verabschiedete sich die Olympiasiegerin mit einer herben Enttäuschung. Mit 6,64 m reichte es für die 37-jährige »Grande Dame« im Münchner Olympiastadion nur zu Platz fünf. Gold gewann die Russin Tatjana Kotowa mit 6,85 m.

Schnellste Europäer

Als schnellste Europäer wurden von den 41.300 Zuschauern Dwain Chambers und Ekaterini Thanou gefeiert. Unbeeindruckt von vier Fehlstarts gewann der Brite in 9,96 Sekunden den 100-m-Titel. Damit entthronte er seinen Landsmann Darren Campbell, der in 10,15 Sekunden Dritter wurde. Auf Platz zwei sprintete der Portugiese Francis Obikwelu in 10,06 Sekunden. Den wegen eines Protestes um 70 Minuten verschobenen Frauen-Endlauf dominierte die Olympia-Zweite aus Griechenland in 11,10 Sekunden vor Kim Gevaert (Belgien/11,22) und Manuela Levorato (Italien/11,23). Melanie Paschke aus Wattenscheid feierte als Fünfte in 11,37 Sekunden ihre Rückkehr in die internationale Spitze.

»Gänsehaut-Atmosphäre«

Grit Breuer und Ingo Schultz haben bei den Titelkämpfen Gold über 400 m in Visier. Die Titelverteidigerin aus Magdeburg und der Vize-Weltmeister aus Dortmund stürmten ins Finale. Breuer wies mit der deutschen Jahresbestzeit von 50,98 Sekunden Siegform nach. Schultz lief nach 45,49 Sekunden ins Ziel. »Das war Gänsehaut-Atmosphäre, da läuft es von allein«, freute sich der Dortmunder.

Überraschung am zweiten Tag

Am zweiten Tag der Titelkämpfe gab es einen Überraschungs-Europameister und einen Favoritensieg. Der Ungar Adrian Annus löste im Hammerwerfen seinen Landsmann Tibor Gecsek als Europameister ab. Mit 81,17 m verwies er Wladislaw Piskunow (Ukraine/80,39) und den Griechen Alexandros Papadimitriou (80,21) auf die Plätze. Das deutsche Trio Karsten Kobs (Dortmund), Holger Klose (Frankfurt/Main) und Markus Esser (Leverkusen) war in der Qualifikation gescheitert. Weltmeisterin Olimpiada Iwanowa aus Russland ließ in der Jahresweltbestzeit von 1:26:42 Stunden ihre Landsfrau Jelena Nikolajewa (1:28:20) und Erica Alfridi aus Italien (1:28:33) deutlich hinter sich. Melanie Seeger (Potsdam/1:33:40) belegte Platz 14. Im Diskuswerfen setzte sich die Griechin Eketerini Vogoli mit 64,31 m vor der Russin Natalja Sadowa (64,12) und ihrer Landsfrau Anastasia Kelesidou (63,92) durch. Als Elfte warf die Leipzigerin Jana Tucholke 56,53 m.

Endstation für 'Glamour-Girl'

Während die 32-jährige Paschke zweieinhalb Jahre nach der Geburt ihrer Tochter Antonia erstmals wieder ein großes Einzelfinale erreichte, war für »Glamour-Girl« Sina Schielke (Dortmund) in 11,48 Sekunden im Halbfinale Endstation. Auch Marc Blume (Wattenscheid) verpasste in 10,38 Sekunden den Endlauf. Nach fünf Disziplinen des Zahnkampfes führt Weltrekordler Roman Sebrle (Tschechien) mit 4555 Punkten. Sebastian Knabe (Halle/Saale/4186) ist Achter, Mike Maczey (Kiel/4117) Zehnter. Auf der positiven Seite aus deutscher Sicht stehen die Qualifikationen für die Endkämpfe. Mit Boris Henry (Saarbrücken) und Raymond Hecht (Magdeburg) im Speerwerfen sowie Yvonne Buschbaum (Stuttgart) und Annika Becker (Rotenburg/Bebra) im Stabhochsprung überstand jeweils ein Duo die Ausscheidung. Das gleiche schafften die Hammerwerferinnen Susanne Keil (Frankfurt/Main) und Andrea Bunjes (Holtland). Alle Sechs bestreiten ihre Wettkämpfe am Freitag.

Kaum Chancen bei Hürden

Schon einen Tag vorher tritt Heike Meißner im Endlauf über 400 m Hürden an. Die Chemnitzerin lief als Zweite ihres Halbfinales in 55,67 Sekunden deutsche Jahresbestzeit. Neben Grit Breuer steht Birgit Rockmeier (Dortmund/52,28) im 400-m-Endlauf. »Leider bin ich noch nicht in der Form, um die Russin Zykina gefährden zu können. Wenn ich hier eine Medaillen gewinnen könnte, das wäre ein Traum«, verkündete Grit Breuer.

Die Segel streichen mussten dagegen Stabhochspringerin Carolin Hingst (Mainz), Speerwerfer Björn Lange (Magdeburg) und Hammerwerferin Manuela Priemer (Regensburg). Zudem schieden in den Vorläufen über 400 m Hürden Christian Duma (Frankfurt/Main) und Henning Hackelbusch (Wattenscheid) erwartungsgemäß aus. Den Einzug ins 400-m-Finale verpasste die Berlinerin Claudia Marx. Gar kläglich scheiterte der als Titelverteidiger gestartete Damian Kallabis (Stuttgart) über 3000 m Hindernis in 8:51,39 Minuten. Selbst der drei Runden vor Schluss gestürzte Filmon Ghirmai (Pliezhausen) war in 8:44,55 Minuten schneller, verpasste aber auch den Endlauf.

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