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LEICHTATHLETIK: Baumann: Startverzicht beim Hamburg-Marathon?

Dieter Baumann macht vor dem Hamburg-Marathon am 22. April möglicherweise einen Rückzieher. Ob er an dem Lauf teilnehmen wird, hängt maßgeblich vom Oberlandesgericht Frankfurt ab, das den »Fall Baumann« am 18. April behandelt.

Dieter Baumann macht vor dem Hamburg-Marathon am 22. April möglicherweise einen Rückzieher. »So etwas will ich nicht ausschließen«, sagte der vom Leichtathletik-Weltverband (IAAF) wegen Nandrolon-Dopings gesperrte Olympiasieger in einem Interview mit dem »Hamburger Abendblatt«. »Ich lerne ständig dazu, auch aus der Situation bei der Hallen-DM in Dortmund, als Jan Fitschen das Startrecht für die EM aberkannt wurde.«

Entscheidung am 18. April?

Gleichzeitig betonte Baumann jedoch, dass er nicht zum Spaß in Hamburg gemeldet habe. »Ich habe Kontakt zum Veranstalter und möchte starten. Hamburg ist auf Grund der flachen Strecke ein guter Einstieg für einen Marathon-Neuling.« Seine Entscheidung hängt wohl vom Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt ab, das am 18. April seinen Fall behandelt. Der 36-jährige Tübinger war zuvor mit dem Antrag auf Einstweilige Verfügung für ein Startrecht in Darmstadt gescheitert.

Trotz Kollegenschelte - Baumann sieht sich nicht isoliert

Gegen Baumanns Anmeldung in Hamburg hatte die deutsche Marathonszene mit scharfer Kritik reagiert. »Es wird immer so dargestellt, als sei ich isoliert. Das ist nicht richtig. Ich habe Kontakt zu vielen Kollegen und erfahre dort auch Zuspruch«, wehrte

sich der Langstreckenläufer. »Wenn sich alle an die Regeln halten, droht niemandem eine Sperre, wenn ich starte. Ich verstehe, dass die Athleten in Sorge sind, aber dafür trage ich keine Schuld. Ich kämpfe hier ja nicht nur für meine Rechte, sondern

auch dafür, dass ein Fall wie meiner in der Zukunft nicht mehr passiert.»

»Michael Kohlhaas der Leichtathletik«

Die Vorgehensweise des Ex-Europameisters wird auch von der neuen Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) bemängelt. »Der Dieter Baumann fightet doch nur egoistisch im Stile von Michael Kohlhaas seine Interessen durch«, sagte die frühere Leichtathletin im Gespräch mit »FAZ.NET«. Sie wirft Baumann vor, seiner Sportart »einen unheimlichen Schaden« zuzufügen. Schenk sprach sich für ein unabhängiges Schiedsgericht aus: »Das Beste wäre, die Nationale Anti-Doping-Agentur würde endlich die Arbeit aufnehmen und die Dopingfälle für alle Verbände zentral behandeln.«

Baumann geht davon aus, dass seine Sperre spätestens im Februar nächsten Jahres ausläuft, obwohl die IAAF sie nach dem Dortmund-Start auf drei Jahre bis 2003 verlängert hatte. »Bei mir hat sich weder der DLV noch die IAAF gemeldet«, erklärte der deutsche Rekordhalter. Sein Tatendrang sei »ungebrochen«. Auch die Suche nach dem Täter in der »Zahnpasta-Affäre«

verfolge er weiterhin sehr stark: »Ich habe, im Gegensatz zu den Verbänden, die Ausgangsgeschichte noch nicht vergessen.«

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