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Ex-Olympiasieger im 5000-Meter-Lauf: Was macht eigentlich ... Dieter Baumann?

Als 5000-Meter-Läufer gewann Dieter Baumann 1992 olympisches Gold. Später wurde ein Dopingmittel in seiner Zahnpasta gefunden.

Dieter Baumann: Was macht der Ex-Olympiasieger im 5000-Meter-Lauf?

Dieter Baumann, 53, in einem Theater in Stuttgart – auf Tournee als Kabarettist

Sie sind mittlerweile Kabarettist. Auf der Bühne joggen Sie auf einem Laufband und erzählen dabei aus Ihrem Leben als Sportler. Ist ein neuer Laufbandrekord geplant?

Nein, um Gottes willen, ich stelle keine Rekorde mehr auf. Seit gut zehn Jahren stehe ich auf Kleinkunstbühnen, und irgendwann kam die Idee, während der Show zu laufen. Insgesamt jogge ich jetzt eine Stunde und 20 Minuten auf dem Laufband und lege dabei sogar Tanzeinlagen hin.

Klingt anstrengend.

Ist es auch! Kurz vor der Premiere im März habe ich das Stück zum ersten Mal in voller Länge geprobt. Danach war ich kaputt. Mittlerweile habe ich mich reingegroovt.

Vom Langstreckenläufer zum Kabarettisten: Wie kam es dazu?

Nach meinem Karriereende hielt ich Vorträge übers Laufen. Mit der Zeit war mir das aber zu statisch und langweilig. Ich wollte anders übers Laufen erzählen. Deshalb entwickelte ich mein erstes Bühnenprogramm. Heute trete ich etwa 50 Mal im Jahr mit verschiedenen Stücken auf.

1992 gewannen Sie olympisches Gold über 5000 Meter: Damals zogen Sie in der letzten Kurve an zwei Kenianern, einem Äthiopier und einem Marokkaner vorbei und bekamen den Spitznamen "weißer Kenianer". Was war das für ein Gefühl?

Da muss ich Sie enttäuschen: Ich hatte in dem Jahr bereits 15 Rennen gewonnen und war mir sicher, auch bei Olympia zu siegen. Das mag arrogant klingen. Aber anders kann man in so ein Rennen nicht reingehen: Man muss absolut von sich überzeugt sein. Erst Tage später wurde mir bewusst, was für einen Dusel ich gehabt hatte.

Später machten Sie mit der "Zahnpasta-Affäre" Schlagzeilen: 1999 waren zwei Ihrer Dopingproben positiv, obwohl Sie sich immer gegen Doping ausgesprochen hatten. Dann stellte sich heraus, dass sich das Dopingmittel in Ihrer Zahnpasta befand. Um Ihre Unschuld zu beweisen, setzten Sie 100.000 Mark auf die Ergreifung des Täters aus. Welche Erinnerungen kommen da heute hoch?

Das war natürlich eine schwierige Zeit, die auch Spuren hinterlassen hat. Aber aus heutiger Sicht hat wohl alles so kommen müssen.

Wie meinen Sie das?

Für mich war immer klar: Der Sport ist mein Beruf, irgendwann werde ich Trainer oder Funktionär. Das war dann nicht mehr möglich. Heute bin ich froh, dass es so ist. Ich habe meine Heimat nicht im Sport, sondern auf der Bühne gefunden. Im Zentrum steht immer noch das Laufen.

Taucht das Wort "Zahnpasta" in Ihrem Bühnenprogramm auf?

Ja, klar, geht gar nicht anders. Das ist verrückt: Ich muss nur "Zahnpasta" sagen, und alles lacht. Es ist ein Phänomen, dass ein einziges Wort so etwas auslösen kann. Toll!

Wie sieht Ihr Leben sonst aus?

Schon seit 15 Jahren mache ich für eine Krankenkasse eine Tour für Laufeinsteiger. Anfangs haben 150 Leute mitgemacht, heute sind es jedes Mal um die 2000 Menschen. Das sind richtige Familienevents.

Inzwischen sind auch Ihre Kinder Leichtathleten: Ihre Tochter Jackie ist 22 und 400-Meter-Hürdenläuferin, Ihr Sohn Robert ist 19 und 3000-Meter-Hindernisläufer. Trainieren Sie manchmal zusammen?

Ja, wenn meine Kinder Erbarmen mit mir haben. Die zwei machen ja Leistungssport, und das ist schon ein anderes Laufen. Ich bin ja ein alter Mann, trabe mit ihnen los und schicke sie dann nach vorne weg. Wirklich mithalten kann ich da nicht.

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Interview: Sabine Hoffmann
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