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5. April 2004, 13:34 Uhr

Jutta Scharping

Nach knapp 32 Jahren Ehe wurde sie im März 2003 von dem früheren Verteidigungsminister Rudolf Scharping geschieden - keine Politiker-Trennung hatte mehr Schlagzeilen gemacht

Jutta Scharping, 53, in ihrer Praxis im rheinland-pfälzischen Lahnstein© Gaby Gerster; Action Press

Zur Person:

Jutta Scharping, 53, lebt mit ihrer jüngsten Tochter Julia und Katze Tiger im rheinland-pfälzischen Lahnstein.

Mit 18 Jahren hatte sie Rudolf Scharping kennen gelernt, ein Jahr später folgte die gelernte Chemielaborantin ihrer Jugendliebe nach Bonn. Der zunächst bärtige SPD-Politiker (unten: ein Foto aus dem Jahr 1993) war Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Parteichef, Kanzlerkandidat, schließlich Verteidigungsminister. Im Juli 2000 trennte sich das Paar.

Das Interview mit Jutta Scharping führte Alexander Kühn

Frau Scharping, haben Sie gerade viel Betrieb?

Nein, mittwochnachmittags ist meine Praxis geschlossen.

Die Leute kommen, um sich Nadeln ins Fleisch stecken zu lassen.

Das klingt jetzt aber brutal. Nein, Akupunktur ist doch viel mehr. Ich nehme mir Zeit für meine Patienten, betaste sie, schaue mir ihre Zunge an und lasse mir die Schmerzen genau beschreiben. Ich muss ja erst einmal herausfinden, woher die Probleme kommen. Wenn Ihnen zum Beispiel der Rücken wehtut, kann auch Ihr Darm schuld sein.

Der Darm?

Ja. Auch Stress oder persönliche Probleme können Rückenschmerzen verursachen. Deswegen spreche ich lange mit den Patienten. Ich versuche rauszubekommen, was sie belastet. Manche sagen hinterher: So viel wie Sie hat mich im Leben noch niemand gefragt!

Sie sind gelernte Chemielaborantin. Heilpraktikerin wurden Sie erst spät, nach der Trennung von Rudolf Scharping.

Mit 47 habe ich angefangen und nach zweieinhalb Jahren die Prüfung gemacht. Ich habe mich auf Akupunktur spezialisiert, war einige Wochen in China, will mich dieses Jahr in einer Suchtklinik in New York weiterbilden. Eine Lokalzeitung hat geschrieben, ich sei auf meinem Gebiet eine Kapazität. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.

War es schwierig, sich wieder an das normale Leben zu gewöhnen: kein Chauffeur mehr, keine Bodyguards, wieder selbst einkaufen?

Soll ich Ihnen was sagen? Da hat sich überhaupt nichts geändert. Ich bin schon immer mit dem Rad zum Einkaufen gefahren, auch als Frau des Ministerpräsidenten oder Verteidigungsministers. Ohne Leibwächter. Wir hatten immer ein offenes Haus und viel Besuch. Nur während der Trennungsphase hat die Presse ein bisschen genervt, aber das müssen Sie ja nicht schreiben.

Klingt recht unspektakulär.

Das ist mein Leben auch. Ich kümmere mich um den Garten, jogge zweimal die Woche, gehe ins Fitnessstudio. Sie müssten mal sehen, wie ich hier manchmal rumlaufe. In Lahnstein kennt man mich in Jeans und Turnschuhen. Ich bin ja kein Star oder so was.

Immerhin waren Sie mal Landesmutter. Müssen Sie noch Autogramme geben?

Nein, das ist lange her. Vor zehn Jahren, im Bundestagswahlkampf, habe ich manchmal ein Foto signiert.

Hätten die Wähler damals anders entschieden, wären Sie Kanzlergattin geworden.

Ich bin froh, dass es anders gekommen ist. Mit Doris Schröder-Köpf möchte ich nicht tauschen. Die hat bestimmt einen verdammt harten Job.

Sie leben immer noch in der Jugendstilvilla, die Sie mit Rudolf Scharping bewohnt haben.

Villa ist ein bisschen übertrieben. Es ist ein schönes Haus mitten in Lahnstein, mit hohen Räumen und Fenstern von 1909. Wo heute die Praxis ist, hatte mein Ex-Mann sein Arbeitszimmer.

Nach der Scheidung haben Sie den Namen behalten.

Klar. Ich heiße schon so lange Scharping, meine Kinder heißen so - warum sollte ich daran was ändern?

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem Ex-Mann?

Wir haben Kontakt über unsere Kinder.

Wenn Sie ihn im Fernsehen sehen oder irgendwo was über ihn lesen - schalten Sie schnell um oder blättern weiter?

Unsinn. Ich schau mir das an - ich will doch wissen, ob es ihm gut geht.

 
 
 
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