Nach knapp 32 Jahren Ehe wurde sie im März 2003 von dem früheren Verteidigungsminister Rudolf Scharping geschieden - keine Politiker-Trennung hatte mehr Schlagzeilen gemacht

Jutta Scharping, 53, in ihrer Praxis im rheinland-pfälzischen Lahnstein© Gaby Gerster; Action Press
Jutta Scharping, 53, lebt mit ihrer jüngsten Tochter Julia und Katze Tiger im rheinland-pfälzischen Lahnstein.
Mit 18 Jahren hatte sie Rudolf Scharping kennen gelernt, ein Jahr später folgte die gelernte Chemielaborantin ihrer Jugendliebe nach Bonn. Der zunächst bärtige SPD-Politiker (unten: ein Foto aus dem Jahr 1993) war Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Parteichef, Kanzlerkandidat, schließlich Verteidigungsminister. Im Juli 2000 trennte sich das Paar.
Das Interview mit Jutta Scharping führte Alexander Kühn
Nein, mittwochnachmittags ist meine Praxis geschlossen.
Das klingt jetzt aber brutal. Nein, Akupunktur ist doch viel mehr. Ich nehme mir Zeit für meine Patienten, betaste sie, schaue mir ihre Zunge an und lasse mir die Schmerzen genau beschreiben. Ich muss ja erst einmal herausfinden, woher die Probleme kommen. Wenn Ihnen zum Beispiel der Rücken wehtut, kann auch Ihr Darm schuld sein.
Ja. Auch Stress oder persönliche Probleme können Rückenschmerzen verursachen. Deswegen spreche ich lange mit den Patienten. Ich versuche rauszubekommen, was sie belastet. Manche sagen hinterher: So viel wie Sie hat mich im Leben noch niemand gefragt!
Mit 47 habe ich angefangen und nach zweieinhalb Jahren die Prüfung gemacht. Ich habe mich auf Akupunktur spezialisiert, war einige Wochen in China, will mich dieses Jahr in einer Suchtklinik in New York weiterbilden. Eine Lokalzeitung hat geschrieben, ich sei auf meinem Gebiet eine Kapazität. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Soll ich Ihnen was sagen? Da hat sich überhaupt nichts geändert. Ich bin schon immer mit dem Rad zum Einkaufen gefahren, auch als Frau des Ministerpräsidenten oder Verteidigungsministers. Ohne Leibwächter. Wir hatten immer ein offenes Haus und viel Besuch. Nur während der Trennungsphase hat die Presse ein bisschen genervt, aber das müssen Sie ja nicht schreiben.
Das ist mein Leben auch. Ich kümmere mich um den Garten, jogge zweimal die Woche, gehe ins Fitnessstudio. Sie müssten mal sehen, wie ich hier manchmal rumlaufe. In Lahnstein kennt man mich in Jeans und Turnschuhen. Ich bin ja kein Star oder so was.
Nein, das ist lange her. Vor zehn Jahren, im Bundestagswahlkampf, habe ich manchmal ein Foto signiert.
Ich bin froh, dass es anders gekommen ist. Mit Doris Schröder-Köpf möchte ich nicht tauschen. Die hat bestimmt einen verdammt harten Job.
Villa ist ein bisschen übertrieben. Es ist ein schönes Haus mitten in Lahnstein, mit hohen Räumen und Fenstern von 1909. Wo heute die Praxis ist, hatte mein Ex-Mann sein Arbeitszimmer.
Klar. Ich heiße schon so lange Scharping, meine Kinder heißen so - warum sollte ich daran was ändern?
Wir haben Kontakt über unsere Kinder.
Unsinn. Ich schau mir das an - ich will doch wissen, ob es ihm gut geht.