18. Oktober 2007, 14:18 Uhr

...Wolfgang Clement?

Der studierte Jurist und ehemalige Journalist übernahm 2002 in der zweiten rot-grünen Bundesregierung als Superminister die zusammengelegten Ressorts Wirtschaft und Arbeit.

Wolfgang Clement auf der Terrasse seines Bungalows in Bonn-Plittersdorf©

Herr Clement, wie geht's Ihnen?

Glänzend.

Dann sind Sie vermutlich inzwischen aus der SPD ausgetreten.

Nee.

Kommen Sie, darüber nachgedacht haben Sie doch bestimmt…

Jedenfalls nie öffentlich. Ich bin und bleibe in der SPD, weil ich zu ihren Grundwerten stehe und immer stand. Es gibt derzeit allerdings ein ziemliches Problem mit der politischen Umsetzung dieser Werte.

Das findet Oskar Lafontaine auch. Was hat der eigentlich, was Kurt Beck nicht hat?

Keinen Anstand.

Und kein Führungsproblem.

Die SPD ist gegenwärtig in einer Lage, die so schwierig ist wie niemals zuvor. Es geht nichts aufwärts, fast alles ist auf ‚rückwärts‘ gewendet. Kurt Beck kämpft einen verzweifelten Kampf.

Ratschläge vom Altenteil sind ja immer sehr beliebt.

Deshalb erteile ich auch keine. Ich beschreibe, wie es sich für einen Journalisten gehört, was ich beobachte und was meine Meinung ist. Die SPD ist heute falsch gepolt. Sie hat die Reformpolitik nicht verinnerlicht und klammert sich an ein überkommenes Sozialstaatsverständnis. Sie will möglichst viele Wohltaten verteilen und alles, was sich bewegt, mit Gesetzen beantworten. Das, was die Mehrheit der Menschen wirklich bewegt, spielt hingegen kaum eine Rolle.

Es ist sicher hart für einen Superminister a. D., als Rentner in Plittersdorf zu sitzen.

Ich bin Chairman des Adecco-Instituts zur Entwicklung des Arbeitsmarktes in London, Mitglied im "Konvent für Deutschland", in Hochschulgremien, in Aufsichts- und Beiräten. Ich bin weltweit mehr unterwegs als vorher als Minister. 2007 ist ausgebucht, 2008 wird's auch schon eng. Ich habe außerdem das Gefühl, dass ich heute auf manchen Feldern der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes mehr bewirken kann, als ich es von Berlin aus konnte. Mir fehlt es an nichts.

Zumal Sie jetzt ja wohl auch ordentlich kassieren.

Es ist zwar mehr als vorher, ich habe mich aber auch früher nicht beklagt.

Sie vermissen also wirklich nichts?

Von dem, was in Berlin war? Nein! Das heißt nicht, dass ich etwas bereuen würde, auf manches bin ich durchaus stolz. Aber Schluss ist Schluss. Ich habe insgesamt 15, 16 Jahre in der Politik verbracht. Manchmal denke ich, es wäre ganz gut, wenn außer mir noch ein paar andere kapierten, dass die Zeit öffentlicher Ämter und Mandate in der Demokratie befristet ist. Aber wir haben es mittlerweile ja leider mit einem Heer von Berufspolitikern zu tun. Das ist eine Fehlentwicklung.

Churchill hat gesagt, am schwersten falle Politrentnern der Verzicht auf optimale "transportation and information".

In meinem Fall leistet "transportation" die Bahn AG und "information" das Internet. Ich bin glänzend informiert! Es ist eine Wohltat, wieder selbst zu recherchieren und zu schreiben. Dadurch gehe ich den Dingen endlich wieder auf den Grund.

Und während Sie so im Zug unterwegs sind …

…begegnen mir die Menschen durchweg freundlich und sprechen mich oft so an: "Ich kenne Sie! Woher eigentlich?" Gelegentlich werde ich auch verwechselt. Neulich erst mit Ulrich Wickert, zuletzt mit Hans Eichel. Es gibt eben doch noch Überraschungen.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 42/2007

Zur Person Wolfgang Clement, 1940 geb., arbeitete nach dem Jurastudium als Redakteur, später als stellv. Chefredakteur bei der "Westfälischen Rundschau"; ab 1986 war er drei Jahre Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost". Seit 1970 SPD-Mitglied, wurde er zunächst Sprecher des Bundesvorstandes, später stellv. Bundesgeschäftsführer. 1989 machte ihn Johannes Rau zum Chef seiner Staatskanzlei, 1995 zum Wirtschaftsminister. Ab 1998 war Clement vier Jahre NRW-Ministerpräsident, von 2002 bis 2005 Superminister der rot-grünen Bundesregierung. Mit dem Ende der Regierung Schröder zog er sich aus der Politik zurück. Clement lebt mit Frau Karin in Bonn. Das Paar hat fünf Töchter und sechs Enkel.

Interview: Christoph Wirtz
 
 
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KOMMENTARE (8 von 8)
 
albundy69 (22.10.2007, 12:25 Uhr)
? Anstand ?
Einer wie W.C. gebraucht zur Kommentierung anderer Menschen das Wort "Anstand" ? Jemand der Untergebene wie ein notwendiges Ubel behandelt hat und bei anderen zuerst und allein Fehler erkannte, dieser Mensch gebraucht das Wort "Anstand" ! "Räumt mir diesen Abschaum aus dem Weg!" ANSTAND ?
Echoes (22.10.2007, 11:35 Uhr)
Altersweise?
Herr Clement merkt sinngemäss an, man solle beizeiten den Anker schmeissen und andere ranlassen.
Stattdessen hockt er selber als Berater rum und bekommt den Hals nicht voll.
Vergisst der, was er 2 Minuten vorher gesagt hat?
H.P. (22.10.2007, 09:14 Uhr)
Späte Einsicht
++++....wir haben es mittlerweile ja leider mit einem Heer von Berufspolitikern zu tun. Das ist eine Fehlentwicklung.++++
Späte Einsicht Herr Wolfgang Clement. Warum wird man erst einsichtig wenn man das Spiel nicht mehr mitspielt und entlassen wird. Hätten Sie den Mund aufgemacht als Sie noch Politiker waren, hätte man Sie rausgeschmissen, also immer das Spiel mitspielen, ein verlogenes Spiel. Doch nun haben Sie es geschafft, ihnen geht es bestens und auch das Geld stimmt wie bei Herrn Schröder und Herrn Fischer. Dank noch für ihre Arrangement in der Politik.
Als Mensch wünsche ich Ihnen alles Gute.
gmathol (22.10.2007, 06:38 Uhr)
,,,der lacht sich ueber Dumm Deutsche.
...den Hinter ab.
So, so die SPD haengt immer noch einem überkommene Sozialstaatsverständnis hinterher?
Sozial eingestellt zu sein heisst menschlich zu sein.
Schaffen wir diesen Kerl endlich dahin wo er und seine Epigonen hingehoeren: ins Gefaengnis.
Dewerth (22.10.2007, 00:53 Uhr)
Der Clement lacht im Keller....
...und hat es trotzdem geschafft, mal den Orden wider den tierischen Ernst umgehängt zu bekommen. Ein schwarzer Tag für den deutschen Humor. - Egal: Ich freue mich heute schon auf den Artikel „Was macht eigentlich Franz Müntefering?"
JoeausderHeide (21.10.2007, 23:10 Uhr)
clavacs
Mann Clavacs, die Drogen wuerde ich mal absetzen. Wirres Gefasel ohne Sinn ist keine Kunst.
Es geht hier um etwas viel Tieferes. Die Zeit. Die Zeit vergeht aber wir merken es nicht. Nur danach. 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008 - wir muessen bewusster leben.
clavacs (21.10.2007, 17:50 Uhr)
Leben leben ... (Szenario)
Herr Clement, Anerkennung!
Das folgende Szenario interessiert Sie vielleicht:
Leben leben … (Szenario)
Die eine Erde im Miteinander, sie ist uns möglich! Zurück in die Zukunft, über unser Sein als Lebewesen, über unser Sein als Menschen, über unser Menschsein!
Politik, Justiz, Medien, Kultur, Wirtschaft – wir Menschen in strebender Achtung und Verantwortung!
Wir Menschen in Achtung unserer Würde …
Wir Menschen in Mitgestaltung und Gestaltung unseres Planeten mit seinen Lebewesen …
Wir Menschen im Miteinander mit unserem Planeten …
Wehret den Anfängen – in unserer Rückbindung (Religio!) an die Wahrheit der Wirklichkeit; in unserer Initiierung; im Schoß der Frauen und von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus …
Evaluieren wir die Odyssee unseres Bewusstseins – uns ist mehr möglich, wir sind zu weit mehr fähig, als uns lediglich in unseren Odysseen zu tolerieren!
Finden wir uns in einem Paradigma in welchem unsere Gesellschaften von Menschen mitgestaltet sind, die um die Affinität von Bewusstsein und Ereignissen (Werk) wissen …
Wir Menschen sind in unseren Fähigkeiten, Talenten und den daraus resultierenden Möglichkeiten massiv gefordert.
Finden wir Menschen uns in unseren Identitäten und leben wir diese, finden wir uns in unseren Chancen und schaffen wir hierfür die Bedingungen und Voraussetzungen …
Finden wir Menschen uns in unserer Vielfalt und in Affinitäten – leben wir Solidarität und Verhältnismäßigkeit! (Selbstbegrenzung!)
Finden wir Menschen uns in Demokratien die diesen Namen auch wirklich verdienen und nicht wie heute, in Demokratien als System-Diktaturen!
Finden wir Menschen uns in Freiheit und Frieden und wir finden uns in Sicherheit …
Finden wir Menschen uns in Konfliktfähigkeit und gewaltlosen Konfliktlösungen …
Finden wir Menschen uns in Würde und Recht – im Sinne unseres gesunden Menschenverstandes!
Finden wir Menschen uns in Gesellschaften bei würdiger Existenz für alle Menschen …
Finden wir Menschen uns in strahlenden Kinderaugen und in glänzenden Augen unserer alten Menschen …
Finden wir Menschen uns in Glück, indem wir unsere Identitäten leben …
Erfreuen wir Menschen uns an Menschen …
Erfreuen wir uns an Gesundheit, an gesundem Körper, an gesundem Geist und gesunder Seele – sehen wir Krankheit als Weg …
Erfreuen wir uns an Berufen und Tätigkeiten im Dienste von uns Menschen und unserem Planeten …
Erfreuen wir uns an unseren Kulturen hindurch, unseren Künsten, unserer Musik …
Erfreuen wir uns an Spiel und Sport …
Erfreuen wir uns an Wissen und Wissenschaft, an Forschung und Erkenntnis, am Lernen und Lehren – im Dienste von Leben und Lebewesen, im Dienste unseres Planeten, in Erkundung unseres Universums …
Erfreuen wir uns an unserer Erde, unserer Natur, unserem Kosmos/Universum …
Finden wir uns im Suchen und suchen wir uns im Finden – nur die Spielregel liegt fest, wir sind dumm genug, uns in totalitärer Freiheit zu wähnen!
Finden wir uns in Information als bewegendem Prinzip …
Suchen wir nicht das Paradies, finden wir uns im paradiesischen Spiel …
Utopien sind kein leerer Wahn, schöpfen sie aus der Wahrheit der Wirklichkeit …
Liebe, welch eine Utopie! Gott, welch eine Utopie!
clavacs
Angie, Frau Bundeskanzlerin, falls Sie bei Ihrer China-Reise, in diesen Tagen, die Menschenrechte ansprechen sollten, wie wäre es ergänzend mit diesem Hinweis: Wir haben diesbezüglich selbst noch reichlich vor unseren eigenen Türen zu kehren … (Wenn beispielsweise nicht einmal mehr die Konservativen die Individualrechte von uns Menschen hochhalten, dann ist es mit den westlichen Demokratien nicht weit her …
Empfehlenswerte Literatur hierzu: Menschenrechte in Zeiten des Terrors, von Rechtsanwalt Rolf Gössner, Präsident der internationalen Liga für Menschenrechte, erschienen 2007, im Konkret Literatur Verlag)
Andre`, Wien, Wien nur du allein …
ANNE WILL – Danke! Ich freue mich auf Dich! (Anne, wie Du siehst, kann ich das Scheibentheater (Schmierentheater) nicht lassen, süchtig und suggestiv ausgeliefert natürlich, wie ihr mich nun einmal gerne hättet … Anne, den Esel nehme ich gegebenenfalls gerne in Kauf)
Kiwi, wie haarig um die Ösen, fühlt sich doch gut an … (Kiwi, smili!)
Kiwi: Jeder zeigt sein Gesicht da, wo er es hat – wie wahr!
Finden wir uns im Menschlich-allzu-Menschlichen …
Ich weiß auch hier um die unterschiedlichen Ereignisqualitäten, unser Bewusstsein ist uns Qualität – Ereignisqualität!
Spieglein, Spieglein an der Wand …
Bieder ist Bieder, Lack ist Lack – ist es das? Affinität von Bewusstsein und Ereignis …
(Pretty woman …)
Gouvernante, wie adelig gelassen ich mich doch artikuliere – mit meinem Wortschatz von 200 Wörtern!
Zur Erinnerung, der Hintergrund ist wohl ein anderer: Menschenwürde und Folter! Folterknechte bedienen sich nur allzu gern des Menschlich-allzu-Menschlichen in ihrem verächtlichen, teils bestialischen Treiben – Bestie Mensch! Widerrechtlich zu geltendem Recht! Und, wir sprechen hier vom Treiben staatlicher Sicherheitsbehörden unter Mitwirkung von Medien!
Ich zitiere hier aus dem oben empfohlenen Buch von Ra. Rolf Gössner, Konkret Literatur Verlag (2007):
Und die geächtete Folter könnte wahlweise als spezielle Methode humanitärer Intervention, als Rettungsfolter oder verschärfte Vernehmung Karriere machen und dereinst Gesetzeskraft erlangen – selbstverständlich nur für den äußersten Notfall, mit DIN-genormten Folterwerkzeugen aus Edelstahl, mit Aidshandschuhen und Mundschutz, unter ärztlicher Kontrolle und geistlichem Beistand, mit Richtervorbehalt und Rechtsschutz durch Folter-Kammern bei den Landgerichten und mit allen sonstigen Schikanen, die der Rechtsstaat zu bieten hat.
(clavacs!)
Hierzu erübrigt sich jedweder Kommentar, ich fühle mich dabei an das Menschen verachtende Prozedere beim Vollzug von Todesstrafen erinnert …
(Anne, die Begründung für das Schmierentheater – was bin ich nur für ein Biedermann!)
JoeausderHeide (21.10.2007, 16:50 Uhr)
Die Zeit...
...vergeht im Fluge. Kann mich noch daran erinnern wie Herr Clement gerade zum neuen Superminister gekuert wurde. Mittlerweile sind schon 5 Jahre vergangen und es kommt mir vor wie 2 Jahre.
 
 
 
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