Er wollte Deutschlands Mittelklasse in Cashmere kleiden. Doch sein Plan ging nicht auf, und Wolfgang Joop verließ seine eigene Firma im Streit. Sechs Jahre später wagt die Marke nun einen Neuanfang - mit einem frischen Designer-Gesicht. Von Stefanie Luxat

Der gebürtige Kölner Dirk Schönberger, 41, gehört zu den jungen Etablierten in der Modeszene
Sie sehen aus wie Frauen, die sich auf den Weg zu ihrem neuen Liebhaber gemacht haben: Sie tragen silberne Paillettenkleider, kombiniert mit schwarzen Anzugjacken. Eine glänzende Jogginghose zu High Heels und fast durchsichtigen Tops. Lila und grüne Seidenkleider. Ihre Silhouetten sind schmal.
Hier, auf dem Laufsteg in den Böhler Werken in Düsseldorf, zeigte sich am vergangenen Samstag die neue Joop-Frau. Sie hat ihren konservativen, verkrampften, einfallslosen Stil abgelegt und gibt sich als selbstbewusste, sensible Frau, die weiß, wie sie ihren Sex-Appeal in Szene setzt.
Am Ende des Schaulaufens betritt der Macher die Bühne. Doch es handelt sich nicht um Wolfgang Joop, sondern um einen Mann von Anfang 40, graumeliert, in dunklem Anzug. Sein Name ist Dirk Schönberger - er spricht seit Anfang des Jahres bei der Joop GmbH in allen Kreativangelegenheiten das letzte Wort.
Der Unterschied zu Wolfgang Joop könnte kaum größer sein. Früher tauchte in diesen Momenten der immergebräunte, blondierte, lustig angezogene, lästernde Dauer-Talkshow-Gast auf, der sich als Designer einst vorgenommen hatte, den deutschen Mittelstand in Cashmere zu hüllen.
Der seinen Stil aber mit jeder neuen Kollektion änderte, der Mode schuf, die sich stets aufs neue widersprach. Der seine Kleider als "streng" und "nuttig" beschrieb. Wie genau sie aber ausgesehen haben, ist nicht so recht in Erinnerung geblieben - bis vielleicht auf das Ausrufezeichen, das die Jeans-Hintern wohlsituierter Doppelhaushälftenbesitzer ziert.

© Achim Scheidemann/DPA
Wolfgang Joop träumte vom internationalen Durchbruch seiner Marke, den er seit der Gründung der Joop-GmbH 1987 mit wechselnden Geschäftspartnern herbeiführen wollte. Doch die Verbindungen endeten regelmäßig in Zerwürfnissen. So auch bei der Wünsche AG, die vor neun Jahren 95 Prozent der Joop-GmbH übernahm - für 150 Millionen Mark. Aus seinen verbliebenen 5 Prozent leitete der Designer, der sich letztmalig im Jahr 2000 für seine Marke auf dem Laufsteg zeigte, für sich offenbar das Recht ab, sich fortwährend und öffentlich einzumischen.
Und sich verhob: Im selben Jahr wurde die Joop-GmbH wegen drohender Insolvenz der Wünsche AG als Sicherheit an die BHF-Bank verpfändet. Es folgte dürre und wirre Jahre: die Anteilseigner und die Designer wechselten, Läden wurden geschlossen, und eine Zeit lang wurde gar auf die Damenkollektion verzichtet.
Heute halten die Holy Fashion Group (Strellson, Windsor, Tommy Hilfiger) und die Holding Egana-Goldpfeil (Mexx, Esprit, Pierre Cardin) jeweils einen Anteil von 50 Prozent an der Joop GmbH. Unter den neuen Besitzern hat sich die Situation so weit beruhigt, dass Anfang des Jahres zum ersten Mal seit dem Ausstieg von Wolfgang Joop wieder ein Kreativ-Gesicht präsentiert wurde.
Düsseldorf, eine Woche vor der Modenschau. Dirk Schönberger setzt sich zum Interview in das Foyer des Joop-Showrooms. Das Telefon klingelt, Türen gehen auf und zu, über den Flur eilen Frauen mit klappernden Absätzen. Männer in Anzügen rufen Schönberger zum Abschied zu :"Sehen wir uns heute Abend beim Essen?" Schönberger nickt. Ob der Trubel ihn stört? "Das geht schon", sagt er. Verliert dann aber doch im Gespräch ein paarmal den Faden.
Auf die Frage, wie schwer es sei, eine so stark von Wolfgang Joop geprägte Marke zu übernehmen, antwortet er : "Ich respektiere Wolfgang Joop für das, was er erreicht hat. Doch die Marke muss jetzt die neue Generation ans Ruder lassen."
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Ausgabe 31/2007