Merkel und Tusk eröffnen Hightech-Messe Cebit

4. März 2013, 20:18 Uhr

Für die kommenden Tage liegt der Nabel der Hightech-Welt in Hannover: In der niedersächsischen Landeshauptstadt haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Polens Ministerpräsident Donald Tusk am Abend offiziell die Cebit eröffnet.

0 Bewertungen

Für die kommenden Tage liegt der Nabel der Hightech-Welt in Hannover: In der niedersächsischen Landeshauptstadt haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Polens Ministerpräsident Donald Tusk am Abend offiziell die Cebit eröffnet. Die Hightech-Messe gehört zu den größten und wichtigsten Veranstaltungen für Computer-, IT- und Telekommunikationsanbieter. Partnerland ist in diesem Jahr Polen, Leitthema ist die sogenannte Shareconomy (auf deutsch etwa: Wirtschaft des Teilens).

Der Begriff Shareconomy bezeichnet den Trend, dass Firmen und Privatpersonen über das Internet Informationen, Dienstleistungen oder technische Infrastrukturen teilen. Das lässt neue Geschäftsmodelle und Partnerschaften entstehen, geht aber auch mit zahlreichen Herausforderungen einher - etwa in den Bereichen Datenschutz, Urheberrecht und Systemverknüpfung.

Merkel rief dazu auf, bei neuen technischen Entwicklungen auch auf die Einhaltung sozialer Standards zu achten. Mittlerweile sei es durch technische Neuerungen möglich, "dass die individuellen, sich ständig ändernden Bedürfnisse des Menschen unentwegt und unmittelbar befriedigt werden können", sagte Merkel zur Eröffnung der Cebit. Diese Entwicklung werde "auch massiv unsere Arbeitszeit verändern", sagte die Kanzlerin. "Die Ansprüche an die Verfügbarkeit von Menschen" würden wachsen.

Sie wolle dies nicht schlecht machen, betonte Merkel. Es sei aber wichtig, die "Bedürfnisses der Individuen zusammenbringen mit sozial verträglichen Arbeitsbedingungen". Merkel verwies auf Vorwürfe gegen den Internethändler Amazon wegen des Umgangs mit Mitarbeitern. "Begeistert von Amazon entdecken wir plötzlich, dass natürlich im Weihnachtsgeschäft auch viele Menschen mehr Bücher haben wollen, also die Arbeitsverhältnisse für diejenigen, die die Bücher verpacken müssen, auch ganz andere sind", sagte sie. Darüber müsse debattiert werden.

Daneben forderte Merkel, die wirtschaftlichen Chancen der IT-Technik in Europa besser zu nutzen. Es reiche nicht, begeisterte Nutzer neuer Geräte zu haben - gebraucht würden auch Menschen, die an der Entwicklung mitwirken wollten. Europa sei in dieser Hinsicht "nicht der dynamischste Kontinent", mahnte Merkel. Nötig seien gute Ausbildungsmöglichkeiten für IT-Berufe und gute Rahmenbedingungen für Firmengründer. Merkel bezeichnete es als ihren "Traum", in der ganzen EU gleiche Bedingungen für die Gründung kleiner IT-Unternehmen zu schaffen. Dies könne neues Wachstum schaffen.

Mehr als 4000 Unternehmen vom Weltkonzern bis zum Nischenanbieter zeigen auf der Cebit bis Samstag ihre Produkte. Die Messe ist eine beliebte Bühne, auf der Firmen Endverbrauchern in Deutschland ihre neue Entwicklungen vorstellen. So will der chinesische Gerätehersteller Huawei nach Cebit-Angaben sein Ascend Mate vorstellen - ein sogenanntes Phablet, also eine Mischung aus Smartphone und Tablet-Computer. Apple-Konkurrent Samsung wird in Hannover sein brandneues Smartphone Ativ S präsentieren, das mit dem Windows-Betriebssystem 8 läuft.

Der Hightech-Branchenverband Bitkom bezeichnete das Teilen von Wissen und Besitz über das Internet als "Megatrend", der auch für die Wirtschaft immer wichtiger werde. 83 Prozent der deutschen Internetnutzer teilten bereits online ihre Erfahrungen oder privat erstellte Dokumente wie Videos, teilte Bitkom unter Berufung auf eine eigene Umfrage mit. 44 Prozent der Nutzer würden Produkte bewerten, 73 Prozent läsen vor Bestellungen solche Einschätzungen.

Das sich ausbreitende Prinzip der netzbasierten "Shareconomy" verschaffe den Verbrauchern mehr Macht, erklärte Bitkom-Präsident Dieter Kempf: "Wer seine Erfahrungen über Produkte oder Unternehmen teilt, entscheidet mit über Erfolg oder Misserfolg." Die Rückmeldungen der Nutzer würden für Unternehmen dabei umgekehrt aber auch zu einem wichtigen Faktor bei ihrer Produktentwicklung.

Die Hightech-Wirtschaft entwickelt sich nach Angaben von Branchenkreisen derweil immer mehr zu einer zentralen Säule der Wirtschaft in Deutschland. In diesem Jahr werde der Sektor erstmals mehr als 900.000 Menschen beschäftigen und damit endgültig zum Anlagen- und Maschinenbau aufschließen, hieß es in einer Prognose von Bitkom. Die zwei Sektoren seien die einzigen, die derart viele Arbeitsplätze böten. Auch die Aussichten der Branche seien gut. Ihr Umsatz werde laut Prognose dieses Jahr um 1,4 Prozent auf 153 Milliarden Euro steigen.

AFP