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24. August 2008, 11:41 Uhr

Rogge beißt sich auf die Zunge

Mit einer geschönten Schlussbilanz hat sich IOC-Präsident Jacques Rogge vor dem Erlöschen des Olympischen Feuers an die Weltöffentlichkeit gewandt. Zwar räumte Rogge eine gewisse Machtlosigkeit gegenüber dem Gastgeberland ein, richtig kritische Worte verkniff sich der Ober-Olympier allerdings.

IOC-Präsident Jacques Rogge hat eine durchweg positive Olympiabilanz gezogen© Grace Liang/Reuters

"China hat die Welt besser kennengelernt, und die Welt hat China besser kennengelernt. China hat sich der Welt geöffnet", erklärt der Belgier, der sich in den vergangenen 16 Tagen aus jedem Streit herausgehalten hat. Dabei hat Chinas Regierung das oft machtlose IOC teilweise vorgeführt: Die Versprechen freier Berichterstattung und freien Internetzugangs wurden nicht eingehalten. Doch Rogge sagt nicht: "Versprechen gebrochen". Rogge sagt lieber: "nicht perfekt". Im Vergleich zu früher habe sich die Lage in China gebessert. "Der langfristige Effekt wird positiv sein."

Organisatorisch und sportlich fällt die Bilanz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ohnehin positiv aus, auch wenn Rogge kein Urteil über den chinesischen Goldmedaillenregen und den Sturm an die Spitze der olympischen Weltsports abgeben will. "Das olympische Dorf war großartig, die Wettkampfstätten erstklassig, die Organisation makellos." China habe die meisten Goldmedaillen gewonnen, die USA die höchste Gesamtzahl an Medaillen. "Jedes Land wird den Aspekt hervorheben, der ihm am geeignetsten erscheint."

Rogge will in Zukunft "Gigantismus" verhindern

Kein Wort der Kritik an den chinesischen Trainingszentren, in denen Kinder bereits im Grundschulalter für Olympia gedrillt werden. "Jedes Land hat ein Auswahlsystem. Solange das nach ethischen Maßstäben läuft, haben wir kein Problem damit." Als die zwei "Ikonen" der Spiele nennt Rogge aber nicht chinesische Sportler, sondern Jamaikas Sprinter Usain Bolt und US-Schwimmer Michael Phelps.

Rogge will künftig "Gigantismus" verhindern und die Zahl der teilnehmenden Sportler wieder auf 10 500 beschränken - was dieses Mal mit über 11 000 Athleten nicht gelang. Positiv sei dagegen die niedrige Zahl von nur sechs Dopingfällen, obwohl das IOC selbst vor Beginn der Spiele noch mit bis zu 40 gedopten Athleten gerechnet hatte. Und besonders erfreulich aus seiner Sicht: Die Fernsehquoten lägen um 20 bis 30 Prozent höher als bei früheren Olympischen Spielen. Die Sportstätten seien größtenteils eingebettet in Hochschulen. Das seien keine nutzlosen Großprojekte.

IOC im Grunde ihne Einfluss

Auch den Umweltschutz hebt der Ober-Olympier hervor: "Das war keine Sache von zwei Wochen nur für die Spiele", sagt er über die Notmaßnahmen zur Säuberung der Luft in einer der zehn meist verschmutzten Städte der Welt. Peking hat hunderte Fabriken zeitweilig geschlossen, strenge Fahrverbote erlassen. Die chinesische Seite habe ihm gesagt, dass die Fabriken geschlossen bleiben sollten. Zweifel sind angebracht: Damit käme die komplette Produktion an einem der großen Industriestandorte Chinas auf Dauer zum Erliegen.

Doch auch Rogge muss indirekt zugeben, dass das IOC im Grunde ohne Einfluss war. So genehmigten die Pekinger Behörden keine einzige Kundgebung in den "Protestzonen", wie sie nach dem Vorbild früherer Spiele versprochen waren. "Wir fanden es ungewöhnlich, dass keiner dieser Proteste stattfand", sagt der Herr der Ringe milde.

London wird weniger Probleme machen

International Aufsehen erregten zwei alte Frauen, gegen die wegen ihrer Demonstrationspläne ein Jahr Arbeitslager auf Bewährung verhängt wurde. "Das IOC muss chinesische Gesetze respektieren", sagt Rogge. Am Ende schien auch der IOC-Boss erleichtert, dass es nun vorbei ist. Während der Spiele war Rogge für die Öffentlichkeit praktisch unsichtbar, obwohl er als Zuschauer von Wettkampf zu Wettkampf eilte. Die gesamte Abwehrarbeit musste seine Sprecherin Giselle Davies übernehmen.

London 2012 verspricht weit weniger problembeladene Spiele. Zwar würden es die Briten in mancherlei Hinsicht schwer haben, mit China zu konkurrieren, "aber London ist sehr kosmopolitisch, multiethnisch, multireligiös", sagt Rogge - all das, was Peking nicht ist. "Das ist ein Aktivposten."

DPA/kbe

 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Seagull (25.08.2008, 12:36 Uhr)
Westliche Politiker, Rogge und IOC.
Wer wählt eigentlich diese "Menschen" in ihre Positionen?
Diese sogenannten Olympischen Spiele waren mehr als das.
Sie waren die Offenbarung eines Systems(China), und sie waren die Offenbarung des Rückgrates (wenn vorhanden)der westlichen Politiker.
An alle westlichen Politiker,IOC, und alle Mitläufer(Profiteure):
Mir ist nur noch schlecht.
Holzkop (25.08.2008, 11:48 Uhr)
Der stilsichere Funktionär
Funktionäre, das lehrte befreits Hannah Ahrendt, müssen funktionieren, und da sind Dinge wie Charakter und Wahrhaftigkeit eher lästig. Der Belgische Oberfunktionär wirkt in diesem Sinne für das IOC perfekt. Sehen wir ihn regungslos mit Kopfhörer zum Abschluss vor der Weltpresse phrasieren, kommt man um ein Fazit nicht umhin: Die Banalität des Bösen hat womöglich seine grosse Zukunft noch vor sich. Der globale Bedarf für diese Nummer dürfte jedenfals riesig sein. Wenn Herr Rogge sich nun auf seine Machtlosigkeit beruft, mit dem er seine Bereitschaft rechtfertigt, totalitäre "Rahmenbedingungen" als Gegebenheit für die Austragung der Spiele zu akzeptieren, bewegt er sich stilsicher in der Spur der ganz grossen Schreibtischtäter.
Prato61 (25.08.2008, 09:47 Uhr)
Die peinlichsten olympischen Spiele
Sehr geehrter Herr Rogge
Ich möchte es nicht versäumen, Ihnen als IOC-Vorsitzenden für diese Spiele zu gratulieren. Dank Ihnen und auch Dank Ihren vorbildlichen Mitstreitern, wie dem korrupten Wendehals Dr. Thomas Bach und auch dem politischen Weichspüler, Herr Michael Vesper ist es Ihnen gelungen, die verlogensten Spiele der Neuzeit durchzuführen. Bisher hatten die Nazi-Spiele von Berlin 1936 "Ehren"Titel inne. Dank Ihres unerschütterlichen Einsatzes haben Sie es geschafft, dass wir diese "Ehre" nun los sind. Ihnen gebührt nun großer Dank vom deutschen Volk.
Trotzdem darf ich mit großen Stolz verkünden, dass ich - von ein paar Tagesschau Einblendungen abgesehen - diese Spiele als TV-Konsument total boykottiert habe. Als Sportfan war dies nicht immer einfach, jedoch hatte diese Veranstaltung nur noch sehr wenig mit Sport zu tun.
Abschließend möchte ich es nicht versäumen, Ihnen ein ynamisches "weiter so" zuzurufen. Vielleicht schaffen Sie es, bei den nächsten Spielen noch weitere Fernsehzuseher zu verprellen.
Mfg Prato
Ugly (25.08.2008, 06:38 Uhr)
Peinlichster Mann des Jahres
In jedem Jahr werden doch Menschen mit den verschiedensten Titeln bedacht. Für Herrn Rogge schlage ich vor "Peinlichster Mann des Jahres 200
@Propagandaoffizier: Ich denke das arrogante System hat die für uns beste Werbung abgeliefert. China ist durchschaut, Menschenfeindlich, rücksichtslos und geldgeil.
sjm2000 (25.08.2008, 02:35 Uhr)
IOC, Speichel leckende Heuchler
Olympia ist tot, denen gehts nur ums Geld. Rogge ist nur einer dieser charakterlosen Brut. Ich hab mir erst garnicht diese Pharma-Roboter-Show angesehen. Aber so lange ARD und ZDF ohne sich bemuehen zu muessen die GEZ-Fernsehsteuer kassieren, und dann das Geld diesen Bande in den Hintern blasen, wird sich nichts aendern.
LaoLu (25.08.2008, 01:43 Uhr)
Dafür reicht die Zeit vor dem Frühstück, colonne123:
ich sprach von Belegen.
UweBerlin (24.08.2008, 22:51 Uhr)
Grauenhaft und überflüssig
das IOC und Rogge.
Sein Kommentar zu den alten behinderten Frauen, die für ihre Anträge auf Demonstration mit Arbeitslager bestraft, sind einfach erbärmlich.
Eisenbaer (24.08.2008, 19:53 Uhr)
@dreicon
Diese "völlig andere Kultur" hat dieses Riesenreich erst seit wenigen Jahrzehnten. Diese völlig andere Kultur begann erst richtig mit der sog. "Kulturrevolution". Und von Kultur sollte man auch nicht sprechen, es ist dies eher eine Unkultur.

Es ist nichts weiter als eine Diktatur, wie es sie immer noch zu Hauf auf der Erde gibt. Sie besitzt alle Merkmale einer Diktatur, von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit angefangen, bis hin zur Korruption in allen Parteikadern. Reibt man aber die oberflächliche Tünche ab, kommen die gleichen Krokodilnaturen zum Vorschein wie auch in anderen Repressalienstaaten.

Und man mag von den USA halten, was man will, aber im Vergleich mit der VR China leben deren Bürger im Garten Eden.
dreicon (24.08.2008, 18:51 Uhr)
Pharisäer
Warum soll ein Sportfunktionär leisten, was weder unsere politische "Klasse" noch die von sich doch als hochmögend selbstgeschätzte Journallie leisten will oder zu leisten in der Lage ist.
Nochdazu: weshalb soll ein Riesenreich mit einer völlig anderen Kultur unsere s. g. Werte übernehmen wollen, wenn sie z. Bsp. durch die selbsternannten Hüter der Menschenrechte USA mehr als nur mit Füssen getreten werden? Diese Scheinheiligkeit, verbunden mit dem Devotismus unserer meinungsbildenden Organe ist eigentlich nicht mehr zu ertragen.
barnold (24.08.2008, 14:18 Uhr)
Schande
Das waren die schlimmsten Spiele seit 1936. Eine Sschande!
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