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21. März 2007, 16:52 Uhr

Koran-Richterin abgesetzt

Eine deutsche Richterin wurde heute für befangen erklärt. Sie hatte einer muslimischen Frau die vorzeitige Scheidung von ihrem marokkanischen Ehemann nicht erlaubt, sondern eine Härtefallentscheidung mit Hinweisen auf den Koran abgewiesen.

Eine Richterin aus Frankfurt begründet ein Scheidungsurteil mit dem Koran© Mohammed Salem/Reuters

Das Frankfurter Amtsgericht hat eine Richterin in einem Ehescheidungsverfahren für befangen erklärt, weil sie mit Bezug auf den Koran eine vorzeitige Scheidung der muslimischen Partner abgelehnt hatte. Das hat ein Sprecher des Gerichts heute bestätigt. Eine Frau hatte die Scheidung beantragt, nachdem sie von ihrem marokkanischen Mann geschlagen worden sei. Die Amtsrichterin habe in dem Verfahren gesagt, dass für Muslime eine körperliche Züchtigung keine unzumutbare Härte sei. Die vorzeitige Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres sei durch Schläge nicht zu rechtfertigen.

Die 26 Jahre alte Frau hatte nach Angaben des Gerichts Prozesskostenhilfe für den Scheidungsantrag vor Ablauf des Trennungsjahres beantragt. Sie argumentierte, es sei für sie unzumutbar weiter mit ihrem Mann verheiratet zu sein, weil sie von ihm schwer misshandelt und auch nach der Trennung im Mai 2006 noch von ihm bedroht worden sei. Die Frau, eine Deutsche marokkanischer Abstammung, hatte den Marokkaner 2001 in dem nordafrikanischen Land "gemäß den Vorschriften des Korans" geheiratet, wie das Amtsgericht berichtete.

Richterin wollte Trennungsjahr abwarten

Die Richterin hatte laut Amtsgericht argumentiert, sie sehe die Voraussetzung für eine Härtefallentscheidung nicht gegeben. Denn beide Parteien stammten aus dem marokkanischen Kulturkreis. Dort sei es nicht unüblich, dass der Mann seiner Frau gegenüber ein Züchtigungsrecht ausübe. Die Juristin schlug vor, das Verfahren bis zum Ablauf des Trennungsjahres ruhen zu lassen. Daraufhin hat die 26-Jährige die Richterin wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt. Dem Antrag gab ein anderer Richter heute statt. Jetzt ist für das weitere Verfahren eine andere Richterin zuständig.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
Hochseeskipper (23.03.2007, 13:32 Uhr)
Justizia ist doch blind.......
.........ich hatte den ersten Artikel schon einmal kommentiert, ist aber wahrscheinlich der Zensur zum Opfer gefallen. Zu "Gesellschaftskritisch" vielleicht?!. Jedoch erleben wir hier einen Übereifer der Juristen, der draus resultiert, bloss nicht als ausländerfeindlich eingeschätzt zu werden. Das schadet dem beruflichen Fortkommen der Richter, Daraus resultieren mittlerweile eine ganze Reihe solcher "Gerichtsentscheidungen" - die aber niemanden interessieren, solange nicht eine resolute Anwältin damit an die Öffentlichkeit geht. Ich denke, solche Juristen wie diese Richterin gehören wirklich nicht in den Staatsdienst, genausowenig wie die, die das Recht in die "Rechte" Ecke schieben wollen.
Ich kann nur hoffen, dass man bei der Auswahl der Juristen, die in den Staatsdienst gerufen werden, wieder mehr auf Qualität achtet.
Neugieriger12 (22.03.2007, 21:42 Uhr)
Ein Lob auf den Rechtsstaat ?
@ Diaula
Natürlich ist es in gewisser Weise richtig wenn man sagt das Fehler eben passieren können, nur muss man sich in gewissen Positionen und Ämtern eben etwas mehr Gedanken machen, was man wie entscheidet. Ein Heizungsinstallateur der eine Gasleitung verlegt darf einfach keinen Fehler machen, jeder erwartet in seinem Haus schließlich zu überleben. Er ist sich der Tragweite seines Handelns mit Sicherheit klar, weiss um die Gefahr..... wäre ja auch ein Ding, wenn es anders ist.
Ja Fehler passieren.... aber oftmals deswegen, weil man (oder in diesem Falle Frau) schlichtweg nicht nachdenkt. Dem Opfer wäre einiges erspart geblieben...
Neugieriger12 (22.03.2007, 21:14 Uhr)
Es ist doch wie immer...
Die Justiz hat sich wieder einmal ein Bärendienst erwiesen und gezeigt, dass sie schlussendlich doch immer das bekommt was sie für richtig hält. Die ganze Geschichte mit Zitaten aus dem Koran und kultureller Besonderheiten dauert nun schon so lange, dass eben genau jenes Trennungsjahr erreicht ist. Ist doch prima, was will die Justiz mehr. Dem Scheidungsrecht ist somit genüge getan. Sich jetzt hinzustellen und die "öffentliche Notbremse" zu ziehen ist nichts anderes als geheucheltes Gewissen... Ich habe heute in den Medien gehört, dass sich die Richterin der Tragweite Ihrer Entscheidung nicht klar gewesen ist.... Hallo !!! wo leben wir denn ? In Deutschland wird jeder bestraft der einem Tier etwas zu Leide tut, aber Frauen und Kinder sind einem gewaltätigem Ehemann hilflos ausgeliefert. Er kann sich darauf berufen "kulturell genehmigt" mit dem Tode zu drohen. Da wird die Ehe zum Abenteuer und das Überleben zum täglichen Alltag.
In meinem Beruf muss ich mich strikt an bestimmte Handbücher halten, um meinen Job richtig zu erledigen.... tue ich das nicht, riskiere ich selbigen. Der Rechtsstaat beruht auf unseren Gesetzbüchern, das weiss sogar ich (ich bin kein Jurist), sie zu missachten heisst "Ich habe meinen Job nicht gemacht" In der Luftfahrtindustrie ist jemand der so handelt erledigt...
Jiep (22.03.2007, 07:57 Uhr)
Ist doch alles in Ordnung
Ich verstehe die Kommentare nicht. In dem Artikel geht es doch um eine VORZEITIGE Scheidung!!
Aufgrund unserer Toleranz hat die Richterin richtig den kKulturellen Hintergund einbezogen und festgestellt, dass der geschilderte Vorgang kein Härtefall ist und das Trennungsjahr abgewartet werden soll. Da steht nicht, dass die Frau nicht geschieden wird.
Vielleicht sollte man lieber drüber Nachdenken, was man gegen den Ehemann unternehmen kann, der gewaltätig ist und erneut gedroht hat. Dem ist es egal ob die Ehe auf dem Papier noch weiterläuft oder nicht.
Leseratte79 (22.03.2007, 01:39 Uhr)
Die Farbe Justiz(l)i(l)a?
Willkommen im Jar 2007 eines westlichen "Industrielandes". Da gibt Menschen und "Vorsitzende" die denken, dass man mit der Hochzeit eines Muslimen in dessen Heimatland mit "ein paar hinter die Löffel" rechnen muss. Der Koran muss herhalten um weit verbreiteten Vorurteilen eine Rechtfertigung zu geben. Man hätte das Urteil auch schön mit der Bibel belegen können, denn wer sich Rechts "Eine" einfängt hält doch gerne noch die linke Wange hin.
Obwohl der Berufung statt gegeben wurde ist das Urteil ein Schlag ins Gesicht- für den Menschen, für das Rechtssystem, für den Staat, für die Menschlichkeit. Hier geht es "nur" um eine schnelle Scheidung- wie entscheidet so eine Richterin wohl wenn es hier um die Körperveletzung gegangen wäre? Freispruch? Für vorbestrafte Pädophile gibt es ja auch immer wieder gerne Bewährung.
Wie wäre es mal mit einem "TÜV" für Richter- der besonders auf geistige Zurechnungsfähigkeit prüft.
davehaasters (21.03.2007, 23:56 Uhr)
Selbst Schuld?
@master_of_chaos: Was glauben Sie, was die Dame in ihrem Land für eine Wahl hatte? Ich nehme mal an keine. Und sie deswegen zu verurteilen finde ich unfair.
Ich bin überzeugter Atheist und das nicht ohne Grund (früher war ich römisch-katholisch). Für mich sind Religionen nur ein Werkzeug, um leichtgläubige Menschen nach Vorstellungen einzelner zu Taten zu zwingen, die absolut unmoralisch und unmenschlich sind. Siehe Kreuzzüge und Selbstmörder. Sicherlich ist jede Religion in der Theorie friedlich und tolerant, doch in der Praxis funktionieren sie einfach nicht. Gläubige sind durch ihresgleichen einfach viel zu leicht beeinflussbar. Als Beispiel wäre Bush und seine spontane Idee "mal eben in Gottes Namen" zu handeln, wodurch seine Wählerschaft sich damals sicherlich nicht verringert hat. Mit der Religion ist es wie mit dem Kommunismus. Im Grunde eine erstklassige Idee, doch in der Praxis nicht dauerhaft durchsetzbar, da der praktische Weg kaum noch etwas mit der Grundidee gemein hat. Religionen sind nunmal, auch wenn das kein Gläubiger hören möchte, der Hauptgrund für die heutigen Krisenherde der Erde und werden dies immer sein. Deshalb Atheismus.
Karamella (21.03.2007, 22:13 Uhr)
Falsche Interpretation
Ein Skandal? Auf jeden Fall. In Deutschland hat man nach deutschem Recht zu richten.
Trotzdem trägt dieser wirklich dumme Ausspruch mal wieder dazu bei eine Religion und deren heiliges Buch zu verdammen, dass so gut wie kein Nichtmoslem kennt. An keiner Stelle des Korans wird empfohlen Frauen zu schlagen. Ebenso wie es falsch ist aus dem Koran herzuleiten ein Moslem könne bis zu 4 Frauen haben. Mohammed fragt dort leicht ironisch, praktisch als Parabelbeispiel, ob man in der Lage sei 4 Frauen gleichstark zu lieben. Die logische Schlussfolgerung ist NEIN, denn die wahre Liebe gibts nur zwischen 2 Menschen. So ähnlich verhält es sich mit dem Schlagen: als Beispiel wird gesagt, dass man mit einem Strohhalm auf den Oberarm tippt, um auf etwas hinzuweisen.
Das Problem ist wie bei so vielen Dingen die Auslegung und das Auseinanderreissen der Zusammenhänge. Um das weiter zu spinnen: Bin Laden usw. sind für auch für Muslime Verbrecher, die den Koran in den Dreck ziehen, denn dort steht ausdrücklich, dass andere Religionen zu respektieren sind.
Nein, ich bin kein Moslem; aber ich habe mich um Dialog bemüht und zwar mit Muslimen, auch direkt vor Ort.
Diaula (21.03.2007, 21:25 Uhr)
Ein grosses Lob auf den Rechsstaat
Dieser Aufschrei von Beckstein und der "gesunden" deutschen Volksmassen ist doch völlig abwegig.
In jedem Rechtssystem gibt es im tagtäglichen Betrieb Fehlentscheide.
Wichtig ist, dass der Rechtsstaat Instrumente zur Verfügung stellt, dagegen anzugehen und eine Korrektur herbeizuführen.
Genau dies ist hier auch geschehen. Der Rechtsstaat in Deutschland funktioniert also schon.
master_of_chaos (21.03.2007, 21:08 Uhr)
Auf der anderen Seite..
hatte die werte DAme ja gewusst, auf was sie sich in ihrer Ehe einlässt.
in ihrem Land wäre darüber kein Aufhebens gemacht worden, dass sie ein paar hinter die Löffel bekommt.
Es wäre demnach für MAdame ratsam, mal schnell den Glauben zu wechseln, um nicht ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Was die Richterin angeht, so muss ich natürlich auch nuir heftigst den Kopf schütteln. Steht wohl auf Muslime , die Gute? Wär was für den Verfassungschutz ..
Silbador (21.03.2007, 20:25 Uhr)
Kaum zu glauben
ist sowas - aber ich fürchte das ist erst der Anfang. Wie wird Deutschland in 50 Jahren aufgestellt sein? Die Urdeutschen schrumpfen, die islamisch ausgerichtete Bevölkerungsgruppe vermehrt sich prozentual am meisten. Man kann sich ausmalen wie es kommen wird.
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