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26. Oktober 2006, 21:32 Uhr
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Unverschleiert und vergewaltigt? Selbst schuld

Der oberste muslimische Geistliche Australiens hat unverschleierte Frauen mit "unverhülltem Fleisch" verglichen. Diese seien selbst schuld, wenn sie vergewaltigt würden, so der Mufti. Erste Politiker fordern nun seine Ausweisung.

Sheik Tadj Din al-Hilali ist der oberste Mufti der Muslime Australiens - und kein liberaler Frauenfreund© Torsten Blackwood/AFP

Wenn man Fleisch draußen auf die Straße, in den Garten oder den Park stellt, ohne es zuzudecken, dann kommen die Katzen und fressen es. Wer ist nun Schuld - die Katzen oder das unverhüllte Fleisch?" fragte Sheik Tadj Din al-Hilali (66) in einer Predigt. Und er fand auch gleich die Antwort: "Das unverhüllte Fleisch ist das Problem", sagte Australiens oberster Muslime auf arabisch.

"Nacktes Fleisch" ist selbst Schuld

In der Predigt zum islamischen Fastenmonat Ramadan hatte der Mufti ferner angedeutet, dass Frauen, die ihr Gesicht nicht verhüllen, sexuelle Übergriffe regelrecht provozierten. Al-Hilali bezog sich dabei auf einen Fall, bei dem vier Frauen von einer Libanesen-Gang vergewaltigt worden waren. Er predigte weiter, dass Frauen, die sich "einladend wiegen" und Make-up tragen würden "nacktes Fleisch" wären - und deshalb Mitschuld an der Vergewaltigung hätten.

Frauen, die zu Hause bleiben und den Schleier anlegten seien jedoch vor sexuellen Übergriffen sicher, sagte der Mufti weiter. Al-Hilali hat sich inzwischen entschuldigt. Er habe lediglich die Ehre der Frauen verteidigen wollen. Der islamische Geistliche hatte schon mehrmals für Schlagzeilen gesorgt. Er hat unter anderem palästinensische Selbstmordattentäter in Israel verteidigt und die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA als "das Werk Gottes" bezeichnet.

Frauen sind "Waffen Satans"

In der Predigt hatte er Frauen auch als "Waffen Satans, um Männer zu kontrollieren" bezeichnet. Kaum sickerte der Predigt-Inhalt an die Öffentlichkeit, brach ein Sturm der Empörung los. Vergewaltigungsopfer publizierten offene Briefe an den Geistlichen, in denen sie ihn bedauerten - oder aber auffoderten, das Land zu verlassen. Al-Halil verschwand darauf von der Bildfläche - angeblich hatten die harschen Reaktionen auf seine Predigt bei ihm ein Asthma-Leiden verschlimmert.

Dennoch blieb der Geistliche im Kern bei seinen Aussagen - auch wenn er sie dahingehend abschwächte, dass er bekräftigte "Vergewaltigung sei ein schweres Verbrechen, das nicht ungestraft bleiben dürfe." Premierminister John Howard sprach am Donnerstag von "entsetzlichen und verwerflichen" Worten des führenden muslimischen Geistlichen. Gleichstellungsbeauftragte Pru Howard warf al-Hilali vor, Gewalt gegen Frauen anzustacheln und forderte die Ausweisung des gebürtigen Ägypters.

spi/DPA
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