Kriminalität
Durchsuchungen wegen Verdacht auf erschlichene Visa

Bei einer Razzia durchsuchten Beamte mehrere Objekte in Hessen und Niederbayern. (Symbolbild) Foto: Sven Hoppe/dpa
Bei einer Razzia durchsuchten Beamte mehrere Objekte in Hessen und Niederbayern. (Symbolbild) Foto
© Sven Hoppe/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Rund 220 Beamte durchsuchen in Hessen und Niedersachsen mehrere Objekte. Eine Personengruppe soll unter anderem Visa erschlichen haben. Anlass für die Ermittlungen war eine Grenzkontrolle in Bayern.

76 Kurzzeitvisa für usbekische Arbeitssuchende sollen von einer Gruppe Tatverdächtiger unrechtmäßig beschafft worden sein. Am frühen Morgen durchsuchten in diesem Zusammenhang rund 220 Bundespolizisten nach Behördenangaben sieben Objekte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und dem Werra-Meißner-Kreis in Hessen sowie im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen.

Es geht um den Verdacht der gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern, des unerlaubten Aufenthaltes von Ausländern, der Visaerschleichung sowie der Urkundenfälschung, wie die Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz mitteilte. Sie leitet die Ermittlungen. Ausgangspunkt der Maßnahmen ist die Kontrolle eines Usbeken in einem Fernreisebus kurz nach der Einreise an einem bayerischen Grenzübergang.

Im Fokus der Ermittler steht demnach eine mutmaßlich international agierende Gruppe mit mehreren Beschuldigten aus Usbekistan. Bei den Durchsuchungen seien zwölf Zielpersonen angetroffen worden sowie weitere neun Personen, bei denen der Verdacht bestehe, dass sie sich unerlaubt in Deutschland aufhalten. 

Zahlreiche Dokumente sichergestellt

Die Einsatzkräfte stellten den Angaben nach mutmaßlich gefälschte Identitätsdokumente und Führerscheine unterschiedlicher europäischer Länder, mehr als zwanzig Mobiltelefone und zwei Notebooks sicher. Auch unter anderem Bank-, Melde- und Versicherungsunterlagen seien beschlagnahmt worden. Gegen die verfahrensrelevanten Personen liefen am Nachmittag noch polizeiliche Maßnahmen, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Zudem werde geprüft, ob gegen den Hauptbeschuldigten Haftbefehl erlassen wird.

Nach bisherigem Ermittlungsstand stehen die Beschuldigten im Verdacht, für arbeitssuchende usbekische Staatsangehörige Kurzzeitvisa für den Schengenraum beschafft zu haben. Sie sollen Behörden gegenüber falsche Tatsachen angegeben und Flugtickets vorgelegt haben. Nach der Einreise nach Deutschland sollen die Personen mit gefälschten EU-Personaldokumenten ausgestattet worden sein. 

Mit den mutmaßlich falschen Personalien sollen anschließend Anmeldungen bei Kranken- und Rentenversicherungen, Finanzämtern, Einwohnermeldeämtern, Agenturen für Arbeit und Jobcentern erfolgt sowie Bankkonten eröffnet und Mobiltelefonnummern aktiviert worden sein. Den mutmaßlichen Tätern werden demnach aktuell 76 Visa zugeordnet, die sie für usbekische Staatsangehörige beschafft haben sollen. Für ein Visum sollen sie 2.000 Euro verlangt haben, für Flugtickets 2.000 Euro und für gefälschte Führerscheine 400 Euro.

Ausgangspunkt im Herbst 2025: Reisebus kontrolliert

Bei einer Kontrolle im Oktober 2025 an der A6 bei Waidhaus (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) hatten Bundespolizisten einen usbekischen Staatsangehörigen in einem Reisebus auf der Route Prag–Amsterdam kontrolliert. Der Mann habe sich mit einem gültigen usbekischen Reisepass ausgewiesen, in dem sich ein tschechisches Schengenvisum der Kategorie C befand, das zur einmaligen Einreise und zu einem Aufenthalt von acht Tagen im Schengenraum berechtigte, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Bei der Durchsuchung seines Reisegepäcks hätten Einsatzkräfte unter anderem vier mutmaßlich gefälschte lettische Identitätskarten sowie einen mutmaßlich gefälschten polnischen Führerschein gefunden, die auf andere Personalien ausgestellt waren. Es hätten sich Hinweise auf Personen ergeben, die Visa organisiert und beschafft haben sollen.

Leitender Staatsanwalt Matthias Bauer sagte: "Wir gehen konsequent gegen Strukturen vor, die reguläre Migrationsverfahren, behördliche Abläufe und soziale Sicherungssysteme gezielt missbrauchen wollen." Die Ermittlungen dauern an. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

dpa