Von Heimatliedern und Hassgesang

9. März 2013, 14:56 Uhr

Ehre, Stolz und Vaterland: Rechtsrock ist in Deutschland sehr beliebt. Dabei kann rechte Musik durchaus eine gefährliche "Einstiegsdroge" sein, warnen Experten.

Musik, Heimatlieder, Hassgesang, Schwieriger, Umgang, Rechtsrock, 4161

Mausoleum vor der O2-World in Berlin: Eine Werbeaktion für das neue Rammstein Album "Made in Germany 1995-2011"©

Sie singen von Heimat und Vaterland: Rechtsrock erfreut sich in Deutschland durchaus Beliebtheit. Die Querelen um die Nominierung der Südtiroler Band Frei.Wild für den Musikpreis Echo werfen wieder ein Licht auf den Umgang mit Bands, die in ihren Liedern mit nationalistischem Gedankengut spielen.

Die Debatte, wann etwas rechtsextreme Musik ist oder nicht, wann es um Heimatverbundenheit und wann um wirklich extremistische Texte geht, ist nicht neu. Gruppen wie Böhse Onkelz haben Millionen Platten verkauft. Ihre Lieder laufen im Radio, auch wenn Kritiker ihnen Deutschtümelei vorwerfen.

Problematisch wird es für viele erst dann, wenn die Heimatverbundenheit in Nationalismus und offenen Fremdenhass umschlägt. Auch das ist kein Randphänomen in Deutschland: Bundesweit gibt es Hunderte rechtsextreme Rockbands, in denen Neonazis Schlagzeug oder Gitarre spielen. Sie nennen sich zum Beispiel Blitzkrieg - und hetzen gegen Ausländer oder schwadronieren vom "Endsieg".

Schulhof-CDs der NPD auf dem Index

Nach Beobachtung des Verfassungsschutzes wird Musik für Rechtsextremisten zur Verbreitung ihrer Ideologien immer wichtiger. Erst vor einigen Tagen setzte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wieder Schulhof-CDs der NPD auf den Index. Die rechtsextreme Partei soll die CD im Landtagswahlkampf in Niedersachsen in einer Auflage von 20.000 Stück eingesetzt haben. Seit Jahren versuchen Neonazis so, ihr Gedankengut auf Schulhöfen zu verteilen und Nachwuchs zu gewinnen.

Rechte Musik sei eine gefährliche "Einstiegsdroge", warnte Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) bei einer Fachtagung des Verfassungsschutzes. In Brandenburg gibt es über 20 Neonazi-Rockbands, so viel wie in kaum einem anderen Bundesland. Mit dem Vertrieb von Musik und Kleidung verdient die Szene inzwischen jedes Jahr mehrere Millionen Euro. Ein Musiksoziologe erklärte bei der Tagung, dass hetzerische Krawallmusik die Hemmschwelle zu Gewalttaten senken könne.

Aber was ist Krawall und was harmlose Heimatliebe? Wie weit geht Meinungsfreiheit und was muss auf den Index? Darüber streiten Experten immer wieder. In einem Text von Frei.Wild heißt es: "Südtirol, sind stolze Söhne von dir. Unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her." Anhänger der Band können nicht verstehen, was daran rechtsextrem sein soll. Gegner finden die Texte nationalistisch, die Musiker wehren sich gegen die Vorwürfe. Nach heftigen Protesten wurde die Band schließlich von der Liste des Musikpreises Echo gestrichen.

In einer Stellungnahme der Band am Samstag hieß es, die Gruppe - und vor allem der Sänger Philipp Burger - distanziere sich eindeutig von jeder Form des politischen Extremismus. Burger habe sich vor 15 Jahren von seiner Vergangenheit als Skinhead gelöst und fordere bei Konzerten schon immer "Nazis raus".

"Das ist wirklich lupenrein rechtsextrem"

Andere sehen das anders. "Frei.Wild vermitteln in ihren Texten eine Blut- und Bodenideologie. Das ist wirklich lupenrein rechtsextrem - da gibt es nichts misszuverstehen", sagt Torsun Burkhardt, Sänger der Electro-Punkband Egotronic. Irritierend findet er die große Empörung von Medien und Musikfans, die sonst an Deutschtümelei keinen Anstoß nähmen - etwa bei der Band MIA.

Die Berliner Popgruppe hatte aus Protest gegen Frei.Wild ihre Teilnahme am Echo-Rennen abgesagt. Vor einigen Jahren stand MIA. wegen ihres Hits "Was es ist" aber selbst in der Kritik. Der Song besingt einen neuen, entspannten Umgang mit Herkunft und Geschichte. "MIA. propagieren hier einen Schlussstrich-Patriotismus", meint Sänger Burkhardt. Sie wollten sich endlich wieder ohne schlechtes Gewissen zu Deutschland bekennen dürfen. Dass sich viele Deutsche heute einen unbeschwerten Patriotismus wünschen, zeigt sich immer wieder am schwarz-rot-goldenem Fahnenmeer zu Fußball-Weltmeister- oder Europameisterschaften. Viele haben bei diesem neuen Bekenntnis zu Deutschland allerdings auch ein mulmiges Gefühl.

Zum Thema
Panorama
Spende sucht soziale Helden
Aktion Deutschlands Herzschlag: Hier können Sie sich bewerben! Aktion Deutschlands Herzschlag Hier können Sie sich bewerben!
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast 104849: ist es möglich mit 58 Jahren (weibl.) angestellt zu werden?

 

  von hacalu: Bin zur Zeit arbeitslos, bekomme 21 Tage urlaub. Warum wird Samstag und Sonntag als Urlaubstag mit...

 

  von Gast 104798: Lohn für Wiedereinsteiger als Elektriker. Wie hoch ist der Stundenlohn?

 

  von moonlady123456: Flash-Player deinstallieren wegen Sicherheitslücke...?

 

  von Gast 104778: Sim -Karten Wechsel

 

  von Gast 104762: Ich habe bereits einen Minijob, kann man einen zweiten über seinen Ehepartner anmelden ?

 

  von Gast 104747: Wo werden Wrangler Jeans hergestellt

 

  von Gast 104735: Hausbau, steuerliche Vorteile oder auch Nachteile

 

  von Labia: Krankheitsbild

 

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...