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6. Januar 2010, 10:45 Uhr

"Wirtschaftskriminelle in die Suppenküche"

Sie war einst Deutschlands bekannteste Staatsanwältin: Margrit Lichtinghagen. Jetzt ist die Frau, die die Ermittlungen gegen Ex-Postchef Klaus Zumwinkel leitete, Amtsrichterin. Was sie mit Wirtschaftsverbrechern machen würde, sagte sie dem stern.

Zumwinkel, Lichtinghagen, Post-Skandal

Jagte Wirtschaftskriminelle: 2008 brachte Margrit Lichtinghagen Postchef Klaus Zumwinkel zur Staatsanwaltschaft© Federico Gambarini/DPA

Margrit Lichtinghagen, einst Deutschlands bekannteste Staatsanwältin, glaubt nicht, dass die deutsche Justiz der Wirtschaftskriminalität gewachsen ist - "weder personell, noch materiell, noch strukturell". In einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern sagte sie: "Den einen oder anderen werden wir überführen, die große Mehrheit nicht". Auch die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise werde scheitern.

Lichtinghagen war bis vor gut einem Jahr Staatsanwältin in der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum und führte unter anderem die Ermittlungen gegen Ex-Postchef Klaus Zumwinkel. Nach Vorwürfen ihrer Vorgesetzten, sie habe ihr nahestehende soziale Institutionen mit Geldern aus Bewährungsauflagen begünstigt, gab sie die Ermittlungen ab und wechselte als Richterin an das Amtsgericht Essen. Eine strafrechtliche Prüfung wegen angeblicher Verfehlungen im Amt ergab später keinen Anfangsverdacht gegen die prominente Staatsanwältin.

Die 55-jährige Juristin regte im Gespräch mit dem stern an, die Staatsanwaltschaften umzustrukturieren und politisch unabhängig zu machen: "Wir sind das einzige Land in Europa, in dem Staatsanwälte weisungsgebunden sind." Wirtschaftskriminelle sollten zudem, so Lichtinghagen, nicht nur mit Geldauflagen bestraft werden, sondern auch Sozialstunden leisten: "In Kinderheimen oder Suppenküchen, damit sie einsehen, wofür Steuern gebraucht werden." Durch ihre Arbeit als Amtsrichterin könne sie die harte Kritik von Richterkollegen und Bürgern an den teilweise gefundenen Strafen für Wirtschaftsdelikte, die vielfach als zu milde angesehen werden, mittlerweile verstehen.

Lesen Sie ...

Lesen Sie ... ... das gesamte Interview mit Margrit Lichtinghagen im neuen stern

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
mike24121953 (07.01.2010, 09:07 Uhr)
Rechtsstaat?
Nicht Amiland, mittlerweile ist Deutschland für die Banker, Manager und die Hochfinanz das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und erst recht, wenn Staatsanwälte weisungsgebunden sind ( ich wusste es nicht!).
Wer sind eigentlich die Weisungsberechtigten? Brüderle und Konsorten?
Spekulantentum, Zocken mit Geld, welches mir nicht gehört, Meineide, Lügen, Steuerhinterziehung im ganz großen Stil, Betrug am Volk, alles scheinbar nicht mehr strafbar!
Hier gehen unwiderruflich Werte einer ganzen Kultur verloren, und wenn sich eine Staatsanwältin mit Rückgrat dieser Werte besinnt und dementsprechend ermittelt, wird sie eben angewiesen, nicht mehr zu ermitteln!!!
Wer hat das angeordnet, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?
Petedom (07.01.2010, 08:22 Uhr)
Staat und wir
Der Staat und wir
sind kein Gegensatz. Wir sind der Staat, und jedesmal wenn wir auf diesen schimpfen, zeigen wir auf uns. ?????
sehr weit hergeholt , würde ich sagen ..
trifft vielleicht auf Demokratien wie die Schweiz besser zu .
der Staat als teilhomogene Gruppe von
Beamten-Akteuren führt schon seit Jahrzehnten ein gut abgeschottetes Eigenleben , immer das Ziel der organisierten Verantwortungslosigkeit vor Augen . in diesem Umfeld lässt es sich gut und auskömmlich leben . diese Leute
haben keinen Anreiz , daran etwas zu ändern .
Ausnahmen wie Frau Lichtinghagen bestätigen diese Beobachtung.
wie könnte man, sehr geehrter Hannes-Schinder , als Wähler bzw. Bürger wesentlich daran etwas ändern ?
dreicon (06.01.2010, 22:31 Uhr)
@hannes_schinder & Co. Der Staat und wir
sind kein Gegensatz. Wir sind der Staat, und jedesmal wenn wir auf diesen schimpfen, zeigen wir auf uns. Wann endlich wird es der Deutsche begreifen, daß seine ach so herbeigesehnte abgehobene Obrigkeit grundgesetzlich nicht mehr da ist? Wann endlich identifizieren wir uns mit uns, mit unserer Gesellschaft, mit unserem Staat? Wenn wir endlich unser Schicksal in unsere eigenen Hände nehmen, Demokratie begreifen, Demokratie leben, wird es uns auch gelingen, unseren Staat so zu formen, daß wir gerne in ihm leben.
gokahe (06.01.2010, 21:40 Uhr)
Ich würde sagen,
Inhalt und Aussprache, Kommenti1 kann eigentlich nur das Sternenpseudonym von Ex-Postchef Klaus Zumwinkel sein. Bitte nicht so nachtragend Herr Zumwinkel es läuft doch wieder alles bestens, Hessen unbeobachtet und unkommentiert als Vorbild und Vorreiter. Im Ergebniss können Sie vielleicht sogar mit einer Entschädigung rechnen. Da kommt mir ein Verdacht Kommenti1 ist doch nicht etwa der Herr Weimar?
mit freundlichen Grüßen gokahe
hannes_schinder (06.01.2010, 21:02 Uhr)
Frau Lichtinghagen hat völlig recht
Der Staat ist total überfordert seinem Ruf als Rechtsstaat gerecht zu werden, andere Interessen stehen im Vordergrund - nur warum sind wir eigentlich noch so blöd und zahlen Steuern?
jomimo (06.01.2010, 20:43 Uhr)
erstrecht hat recht ...
eine Gruppe von hochqualifizierten und motivierten Steuerfahndern mit der Nase an Politik und Hochfinanz wurde als dienstuntauglich abgebügelt und in Psychiatrie bzw. Pension geschickt.
Geschehen in Frankfurt vor ca. 2 Jahren.

Stern hatte damals berichtet, jedoch danach kam nichts mehr geschweige online.
jomimo (06.01.2010, 20:32 Uhr)
Das ist jetzt off topic ...
ganz klar, jedoch wohin ist der Text über den japanisch - wissentschaflichen Walfang verschwunden nebst Beiträgen im Forum.

Bitte STERN bringen Sie ihn zurück.
Habakuck (06.01.2010, 19:23 Uhr)
Unser Rechtsstaat
.... verkommt ja völlig zur Bananenrepublik, wenn Herr Kommenti1 recht hat. Nicht nur, dass -und leider nur- steuersündige Millionäre milde bestraft werden, bzw schon gar nicht mehr gejagt werden, jetzt werden auch schon straffällige Staatsanwälte einfach Richter.
Eieieieieiei, armes Deutschland
Kommenti1 (06.01.2010, 19:04 Uhr)
Lichtinghagen ante Portas
Zunächst ist es eine Perversion, eine derartige Person der Justiz wie Margrit Lichtinghagen als ernsthafte Gesprächspartnerin zu akzeptieren. Mit viel Glück war Ihr nicht genug nachzuweisen, die Vielzahl der Ermittlungen gegen Sie spricht Bände. Kaum haben sich die Wogen geglättet, versucht Sie doch tatsächlich, Ihr Image aufzupolieren. Nur weil in Bochum jegliche Kontrolle Ihrer Person fehlte, kam es letztlich zur späten, aber noch rechtzeitigen Aufdeckung Ihrer Taten. Leider handelte es sich nur um die Spitze des Eisberges...
Erstrecht (06.01.2010, 13:02 Uhr)
Marionetten(Recht)staat
Wie auch der der Fall der hessischen Steuerbeamten zeigt, die der CDU Finanzminister Weimar mit psychologischen Testat für dienstuntauglich erklären lies, weil diese den Großbanken und Millionären aus dem Frankfurter Speckgürtel auf die Schliche gekommen sind, verkommt unser Rechtstaat zu einem totalitären Unrechtsystem.
Was man mit Frau Lichtenhagen gemacht hat schlägt dem Fass den Boden aus. Warum lassen wir uns das bieten? Hier geht es um die Grundfeste unserer Demokratie, unserer Freiheit!

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