9. Januar 2013, 14:02 Uhr

Mann sperrt Familie über ein Jahr lang weg

Im Nachhinein wollen viele Nachbarn etwas bemerkt haben, gesagt haben sie nichts. In Frankreich hat ein Mann seine Frau und seine vier Kinder für mindestens ein Jahr in der Wohnung weggesperrt.

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In diesem Wohngebäude im französischen Saint-Nazaire hielt ein Mann seine Familie mindestens ein Jahr lang gefangen©

Mindestens ein Jahr lang hat ein Familienvater in der westfranzösischen Kleinstadt Saint-Nazaire seine Frau und seine vier Kinder in einer heruntergekommenen Wohnung eingesperrt. Manche Nachbarn in dem Haus im Zentrum der Hafenstadt berichteten am Mittwoch sogar, sie hätten die 47-jährige Mutter und die Kinder im Alter von nun 14, 17, 19 und 20 Jahren seit rund drei Jahren nicht mehr gesehen. Die eingesperrte Familie wurde am Samstag endlich entdeckt, nachdem die Mutter einen Schwächeanfall vorgetäuscht und die Rettungskräfte gerufen hatte.

Die Nachbarn wollen nichts Ungewöhnliches bemerkt haben. "Wir haben wie die anderen Nachbarn gedacht, dass die Frau mit den Kindern weggegangen sei", erzählte Pascale Le Gall, die über der Familie wohnte. Nur den 51-jährigen Vater, der den Nachbarn zufolge immer seine Mütze ins Gesicht gezogen hatte und auf ein "Guten Tag" im Hausflur nie antwortete, sahen Anwohner vom Einkaufen zurückkommen oder den Müll herausbringen. Allein die Nachbarn, die in der Wohnung unter der Familie wohnten, hätten Kinder weinen gehört.

Kinder in "deprimiertem" Zustand

Der Mann wurde nun in die Psychiatrie eingewiesen. Außerdem eröffnete die Justiz laut Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Vernachlässigung der Kinder. Die 47-jährige Mutter kam nach einem Polizeiverhör am Dienstag wieder frei. Auch ein fünftes Kind der Familie, eine ältere Tochter, die nicht mehr zu Hause lebte, wurde von der Polizei vernommen.

Der Junge und die drei Mädchen, die den Ermittlern zufolge in einem "deprimierten" Zustand vorgefunden wurden, wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Sie sind laut Polizei und Justizkreisen in ihrer Entwicklung zurückgeblieben. Die Wohnung, in der sie eingesperrt waren, war demnach völlig verwahrlost - mit Schimmel an den Wänden und bereits schwarz angelaufenen Decken wegen der Feuchtigkeit.

Der Zustand der Wohnung sei sogar den Nachbarn aufgefallen. Sie hätten sich über Gestank und Feuchtigkeit beschwert, doch sei nie etwas passiert. Die Hausverwaltung versicherte, dass sie nie eine Anzeige speziell gegen die betroffene Familie erhalten habe. Die jährliche Kontrolle für die Warmwasser-Anlage habe seit zwei Jahren nicht stattfinden können, weil die Wohnungstür zum fraglichen Termin nicht geöffnet wurde. Eine Tatsache, an der sich niemand zu stören schien.

kgi/AFP
 
 
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