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Wissen Sie, was "postfaktisch" bedeutet?

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und das Brexit-Votum waren Top-Ereignisse des Jahres. Doch welches Wort prägt den Nerv der Zeit wie kein anderes? Eine Experten-Jury hat entschieden: "Postfaktisch" macht das Rennen.

Wort des Jahres

Rund 1300 Fundstellen in Medien und 700 externe Vorschlägen galt es für die Experten zu bewerten, um das Wort des Jahres zu bestimmen

Die (GfdS) in Wiesbaden hat das "Wort des Jahres" bekanntgegeben. Für das Jahr 2016 lautet es: "Postfaktisch". Alljährlich wird damit der Begriff gekürt, der nach Ansicht der Experten die öffentliche Diskussion in den vergangenen Monaten am meisten bestimmte. 2015 hatte sich die Jury für "Flüchtlinge" entschieden. 

Postfaktisch" bezeichnet die Vorherrschaft von Gefühlen und Ressentiments anstelle von Fakten in der öffentlichen Meinung. In seiner englischen Übersetzung "post-truth" hat es die Vokabel schon zum "International Word of the Year" gebracht. 2016 hatten nach Angaben der Gesellschaft auch der "Brexit" Chancen, der den geplanten Ausstieg Großbritanniens aus der (EU) bezeichnet.  Zur Auswahl standen auch die "Gruselclowns", die vor allem rund um Halloween ahnungslose Mitbürger in Angst und Schrecken versetzten.

Den sprachlichen Nerv der Zeit treffen

Rund 1300 Fundstellen in Medien und 700 externe Vorschlägen galt es zu bewerten, erklärte die GfdS. Entscheidend sei den Angaben zufolge nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz, Popularität und sprachliche Qualität. Die Jury wählt stets eine Rangliste der insgesamt zehn wichtigsten Wörter des Jahres aus.

Die Berliner "Lichtgrenze" zum Mauerfall-Jubiläum war das Top-Wort des Jahres 2014. Den sprachlichen Nerv der Zeit hatten in den Jahren zuvor - nach dem Urteil der Jury - die Abkürzung GroKo für Große Koalition (2013), die Rettungsroutine (2012) und der Stresstest (2011) getroffen. Die Aktion der Gesellschaft läuft seit 1977 alljährlich. Eine andere Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten kürt zudem jedes Jahr ein "Unwort". Am 10. Januar wird die Entscheidung für 2016 bekanntgegeben.

Die "Wörter des Jahres" seit 2005

In den Jahren 2005 bis 2015 hat die GFDS in Wiesbaden folgende Wörter ausgewählt, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich besonders bestimmt haben: 

- 2015: Flüchtlinge

- 2014: Lichtgrenze

- 2013: GroKo 

- 2012: Rettungsroutine 

- 2011: Stresstest 

- 2010: Wutbürger 

- 2009: Abwrackprämie 

- 2008: Finanzkrise 

- 2007: Klimakatastrophe 

- 2006: Fanmeile 

- 2005: Bundeskanzlerin


amt/DPA

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