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Beim Drogenkonsum die Kontrolle behalten - das kann man lernen

Der Sozialwissenschaftler Henrik Jungaberle ist Drogenforscher, Autor und Leiter des Suchtpräventionsprojekts "Rebound". Im Gespräch mit dem stern betont er: Verantwortlicher Konsum lässt sich erlernen.

stern-Interview mit Drogenforscher Henrik Jungaberle

"Drogen sind ein Teil unserer Kultur", sagt der Berliner Sozialwissenschaftler Henrik Jungaberle, Koautor des Buches "High sein. Ein Aufklärungsbuch".

Drogenkonsum verhindern zu wollen, ist illusorisch. Er findet auch in unserer Gesellschaft permanent statt. Dem Berliner Drogenforscher Henrik Jungaberle, 48, geht es um einen verantwortungsvollen Umgang mit Suchtstoffen. Seit Jahren erarbeitet er praktische und wissenschaftliche Methoden der Suchtprävention.

Herr Jungaberle, warum bringen Verbote in der Drogenpolitik nichts?

Der erhoffte Erfolg ist jedenfalls zwiespältig. Viele Menschen lassen sich Drogen nicht verbieten. Sie sind da, und es werden künftig noch mehr. Das Zeitalter der Drogen hat gerade erst begonnen. Wir müssen lernen, dass diese Substanzen Teil unserer Kultur sind.

Nehmen Menschen Drogen, einfach weil es sie gibt?

Die Verfügbarkeit ist nicht das einzige Kriterium. Warum wird in Deutschland etwa so viel gekifft wie in Holland, wo Cannabis viel leichter zu bekommen ist? Die Menschen nehmen aus unterschiedlichen Gründen Drogen, nicht alle davon sind schlecht. Es sollte also nicht unser vorrangiges Ziel sein, Menschen abstinent zu halten. Wir sollten uns darauf konzentrieren, dass möglichst wenige schädliche Konsummuster entwickeln. Nur dieser Teil läuft Gefahr, in die Sucht abzurauschen.

Sie plädieren für aufgeklärten Konsum. Was ist das?

Wenn man schon Drogen nimmt, dann sollte man lernen, dies bewusst und kontrolliert zu tun. Der rote Faden in Kurzform: kritische Selbstwahrnehmung, konsumfreie Zeiten, konsumfreie Orte, Lebensziele im Blick behalten – und seinen Freundeskreis niemals auf Konsumenten verengen.

Schützt aufgeklärter Konsum davor, abhängig zu werden?

Es gibt keinen risikofreien Konsum, weder von Alkohol noch von anderen Drogen. Aber nur ein kleiner Teil der Menschen, die Drogen nehmen, wird süchtig. Was uns fehlt, ist das Bild eines funktionierenden, kontrollierten Konsumenten. Im öffentlichen Diskurs und in der Forschung geht es fast nur um Sucht und Süchtige.

Verharmlosen Sie nicht die Gefahr?

Ich bin kein Idealist. Auch die beste Drogenpolitik kann Unfälle und Abhängigkeit nicht ausschließen. Es gibt auch gefährliche Drogen: Heroin, Methamphetamin, Alkohol. Das Problem sind aber weniger die Sub­stanzen an sich als schädliches Konsumverhalten und ungünstige Lebensumstände. Es gibt gute Gründe dafür, Drogen zu nehmen, sonst würden es weniger Menschen tun: Rausch, Selbsterkenntnis, Spaß.

Wann wird es gefährlich?

Wenn man Drogen nimmt, um persönliche Defizite auszugleichen – als Selbstmedikation. Wenn Sie Angst haben oder zu wenig Selbstbewusstsein, wenn Sie dauerhaft versuchen, seelische Schmerzen zu betäuben. Und wenn der Stoff beginnt, die Hirnchemie zu verändern. Die wichtigste Regel lautet: längere Pausen machen!


Das komplette Interview und den großen Drogenreport Deutschland lesen Sie im neuen stern.



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