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Wie zwei Frauen Flüchtlingen Deutschland erklären

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Eine deutsche Moderatorin und eine syrische Übersetzerin geben im Youtube-Kanal "Deutschland für Anfänger" Tipps für Flüchtlinge. Auf Deutsch und Arabisch.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Isabella Müller-Reinhardt und Abir Alhaffar von "Deutschland für Anfänger"

Isabella Müller-Reinhardt und Abir Alhaffar haben "Deutschland für Anfänger" erfunden

"Marhaba. Ihr habt bestimmt schon gemerkt, dass hier in Deutschland ganz vieles anders ist." Die TV-Moderatorin Isabella Müller-Reinhardt und die Syrerin Abir Alhaffar haben sich zusammengetan, um Flüchtlingen Deutschland zu erklären. Genau auf den Punkt sprechen sie auf dem Youtube-Kanal "Deutschland für Anfänger" in kurzen, zweisprachigen Videos über "Gesetze, Verhaltensregeln, Gewohnheiten, Traditionen, Rechte und Pflichten" in Deutschland - von der Mülltrennung bis zum Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder. Müller-Reinhardt erklärt in Deutsch, Alhaffar übersetzt ins Arabische.

"Mit unseren Videos möchten wir Neuankömmlingen den Start in Deutschland etwas erleichtern", heißt es im Eingangstext. "Geflohene Bürger haben verständlicherweise viele Fragen. Wir wollen Antworten geben. Verstehen, wie Deutschland funktioniert, ist Grundlage für ein friedliches Miteinander."

Acht bis neun Monate Nichtstun 

Müller-Reinhardt ist schon länger bei der Flüchtlingshilfe Isernhagen aktiv. Hier habe jede Familie einen Betreuer, erzählt sie stolz am Telefon. Als Betreuerin erlebt sie allerdings auch, dass Menschen bis zu neun Monate lang zum Rumsitzen verdammt sind. So lange kann es dauern, bis ein Asylantrag entschieden und ein Aufenthaltstitel bewilligt ist. Und erst dann werden die Flüchtlinge in Integrations- und Sprachkurse geschickt. In der Zwischenzeit seien die Flüchtlinge sich selbst überlassen, sagt Müller-Reinhardt. Das bedeute vor allem in den großen Städten: fast null Kontakt zu Deutschen, der deutschen Sprache, dem deutschen Leben. "Da kam mir die Idee zu den Videos."

In den Eineinhalbminütern geht darum, dass man sich auch registrieren muss, wenn man Familie in Deutschland hat, darum, dass ein Termin weg ist, wenn man nicht pünktlich ist, natürlich um die Mülltrennung, aber auch um so harte Themen wie die Notwendigkeit der Beaufsichtigung von Kindern (vor allem nach der Ermordung von Mohamed in Berlin), Notrufe und Antisemitismus. Letzteres sei gerade in Vorbereitung, sagt Müller Reinhardt.


Manchmal geht es aber auch einfach nur um Mineralwasser: Das gebe es in Syrien nicht, sagt Abir Alhaffar, und es schmecke für viele Syrer seltsam. Lachend erzählt sie von einer Flüchtlingsfrau, die unwissend gleich einen ganzen Kasten Sprudelwasser gekauft habe. Alhaffar kennt die Unterschiede. Sie lebt schon länger in Deutschland, und "wenn ich nach Syrien in den Urlaub gefahren bin, musste ich mich immer daran erinnern, dass es dort keine Mülltrennung gibt".

Flüchtlinge bedanken sich

Die Zweisprachigkeit sei für die Flüchtlinge und die Deutschen: Damit die Flüchtlinge Deutsch hören, und damit die Deutschen verstehen, um was es geht und sich nicht ausgeschlossen fühlen, sagt Müller-Reinhardt.

Die Kommentarfunktion unter den Videos sei absichtlich ausgestellt. Den Hass müssten sie nicht haben. Tatsächlich sind es aber überwiegend positive Reaktionen, die die beiden bekommen. Vor allem auch von Flüchtlingen. "Die bedanken sich", sagt Müller-Reinhardt. "Zu Hunderten". Über die Facebook-Community-Seite "Deutschland für Anfänger" können ernsthaft interessierte Menschen auch Vorschläge für Themen weiterer Videos machen. Alhaffar will als nächstes über die von der Bundesregierung ins Arabische übersetzte deutsche Verfassung sprechen. "Da steht alles drin."  



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