19. August 2009, 16:41 Uhr

Leichtathletik-Trainer muss acht Jahre in Haft

Acht Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung - so lautet das Urteil gegen einen Leichtathletik-Bundestrainer aus Penzberg. Der Mann hatte sich in einer jahrelangen Missbrauchsserie an neun Jungen im Alter von acht bis 17 Jahren vergangen. Unterdessen schockt ein zweiter ähnlicher Fall Bayern.

Trainer, Penzberg, Missbrauch

Der 49 Jahre alte Ewald K. will der Öffentlichkeit sein Gesicht nicht zeigen©

Das Münchner Landgericht hat einen Penzberger Leichtathletiktrainer nach einer fast zwei Jahrzehnte dauernden Missbrauchsserie für viele Jahre hinter Schloss und Riegel gebracht. Die Richter verurteilten den 49 Jahre alten Mann am Mittwoch zu acht Jahren Gefängnis und anschließender Sicherungsverwahrung in der Psychiatrie. Der Mann hatte sich als Trainer der Kinder- und Jugendriege des TSV Penzberg und Übungsleiter einer Münchner Sportförderschule von 1990 bis 2008 an neun Jungen im Alter von knapp acht bis 17 Jahren vergangen. Allein das jüngste Kind missbrauchte er mehr als 200 Mal.

Alle Vorwürfe eingeräumt

Der 49-Jährige, der seit 1999 für den Deutschen und Bayerischen Leichtathletikverband den Nachwuchs im Hürdenlauf trainierte, hatte am ersten Verhandlungstag alle Vorwürfe ohne Beschönigung eingeräumt. Der Gutachter hatte dem Mann Pädophilie und einen Hang zu sexuellen Straftaten bescheinigt, ihn aber auch für voll schuldfähig erklärt.

Der Angeklagte habe selbst zugegeben, einen "Drang" insbesondere zum jüngsten Opfer gespürt zu haben, sagte die Vorsitzende Richterin Petra Beckers. Sein Verhalten habe in allen Fällen ein "eingeschliffenes Muster" gezeigt. Anders als das Gericht hält der Gutachter die Sicherungsverwahrung unter strengen Auflagen nicht für nötig - unter anderem wegen der Therapiebereitschaft des Angeklagten. Eine Prognose für das Verhalten des Trainers ist aber nach Auffassung der Richter nicht möglich. Die Kammer rechnete ihm negativ an, dass er zwei Mal kurz vor der Entdeckung stand und trotzdem weiterhin Jungen missbraucht hatte.

Die acht Jahre Haft waren von Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft abgesprochen - nicht aber die anschließende Unterbringung in der Psychiatrie. Die Verteidigung hatte sich in ihrem Plädoyer gegen die Sicherungsverwahrung ausgesprochen. "Bemühen Sie sich weiterhin, Sie sind auf dem richtigen Weg", sagte die Richterin abschließend direkt zum Angeklagten. "Sie müssen sich mit Ihrem Leben auseinandersetzen." Die Sicherungsverwahrung könne beendet werden, sobald sich bei der regelmäßigen Überprüfung keine Anhaltspunkte mehr für eine Gefährlichkeit des Trainers fänden.

Judo-Trainer wegen Missbrauchs in 224 Fällen angeklagt

Unterdessen sorgte am Tag der Urteilsverkündung ein weiterer Fall von Kindesmissbrauch in Sportvereinen für Schlagzeilen in Bayern. Die Staatsanwaltschaft Passau hat am Mittwoch Anklage gegen den Trainer und Vorsitzenden eines Judo-Clubs erhoben. Wie die Ermittlungsbehörde mitteilte, hat der 38-Jährige gestanden, in 224 Fällen Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben. Inzwischen sei Anklage erhoben worden, der Mann sitze in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte damit einen Bericht der "Passauer Neuen Presse". Der Mann soll von 1994 bis 2009 mehrere Kinder im Alter zwischen neun und 15 Jahren missbraucht haben. Oberstaatsanwalt Joachim Peuker. Häufig habe er diese beim Duschen angefasst, unter dem Vorwand, ihnen Hygiene näherbringen zu wollen. Der mutmaßliche Täter habe aber keine Gewalt angewandt, auch zu Vergewaltigungen sei es nicht gekommen. Die Opfer waren laut Staatsanwaltschaft meist männlich, nur ein Mädchen befinde sich unter den Geschädigten.

Der 38-Jährige war bereits 2004 ein erstes Mal angezeigt worden, damals kam es aber nicht zu einer Verurteilung. 2007 wurde er in einem anderen Fall zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, wie Oberstaatsanwalt Joachim Peuker erklärte. "Der Judoverein hat die Notbremse erst relativ spät gezogen." Allerdings habe der Verein wohl nicht so deutlich Bescheid gewusst. Bei einer so langen Tatzeit über 15 Jahre frage man sich aber, wie der Missbrauch so lange habe unentdeckt bleiben können, sagte der Oberstaatsanwalt. Der Mann war seit 1992 in dem Judoverein, teilweise als Trainer, teilweise als Vorstand. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

DPA
 
 
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