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14. Juli 2011, 15:10 Uhr

Jetzt spricht Mircos Mutter

Ihre Aussage war mit Spannung erwartet worden: Die Mutter des zehnjährigen Mirco aus Grefrath ist im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes in den Zeugenstand getreten. Ruhig und gefasst erzählte sie von ihrem Kind.

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"Er war ein offenherziges Kind": Mircos Mutter im Krefelder Landgericht© Mark Keppler/DPA

Mircos Mutter wirkt stark und gefasst. Lächelnd betritt die 35-jährige Sandra den Schwurgerichtssaal des Krefelder Landgerichts. Kurz streift ihr Blick den mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes. Zum ersten Mal steht sie Olaf H. gegenüber. Was ihr dabei durch den Kopf geht, lässt sie sich nicht anmerken. Sie nimmt in der Mitte des Saals als Zeugin Platz. 20 Minuten lang schildert sie offen, ja liebevoll das Wesen Mircos, sein typisches Verhalten. Das Gericht will so überprüfen, wie glaubwürdig die Aussagen von Olaf H. sind, der den Kindesmord in diversen Varianten gestanden hat.

"Sie hatte den Anspruch, dem Täter ins Angesicht zu sehen. Das war wichtig für sie, sie musste es für ihren Sohn schaffen", sagt die Anwältin der Eltern, Gabriele Reinartz, später. Die äußerliche Stärke sei ein Schutz-Mechanismus. "Da ist eine ganz immense psychische Belastung und eine ganz tiefe Betroffenheit."

Der Glaube gibt den Eltern Kraft

Mircos Vater sitzt derweil schwarz gekleidet als Nebenkläger neben den Staatsanwältinnen. Er hat die Hände gefaltet und vermeidet den Blickkontakt mit dem Angeklagten. Wenn er ihn kurz verstohlen anschaut, gefrieren seine Gesichtszüge. "Die Eltern sind sehr stark im Glauben verankert. Das gibt ihnen die Kraft", sagt Reinartz.

Aus dem Gesicht von Olaf H. ist das Dauerlächeln vom Dienstag verschwunden. Er starrt meist ins Leere, unruhig wandern seine Augen. Der 45-Jährige erfährt an diesem Tag, dass er zum dritten Mal geschieden ist. "Nach unserer Kenntnis ist die Scheidung bereits ausgesprochen", teilt ihm der Vorsitzende Richter Herbert Luczak mit. H. zuckt mit den Schultern.

"Im Dunkeln war ihm unheimlich"

Mircos Mutter erzählt, dass ihr Sohn lebhaft und offenherzig war. "Er hat sehr direkt ins Gesicht gesagt, was ihm passt und was nicht." Für sein Fahrrad habe er gekämpft und es mit seinem Taschengeld mitbezahlt. "Mirco und sein Rad waren eine Einheit. Er hätte es nie alleine gelassen."

Dass Mirco am Tatabend in der Dunkelheit noch unterwegs war, sei eine Ausnahme gewesen: "Im Dunkeln war ihm unheimlich. Eigentlich war er immer vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause." Am 3. September 2010 war Mirco zuerst im Kino und dann noch auf einer Skaterbahn. Es wurde später. Mit einem Anruf auf seinem Handy mahnte die Mutter zur Eile.

"Nicht auf links gedreht"

Wenn er sich ausgezogen habe, habe er seine Kleidung ordentlich auf einen Stuhl gelegt, so dass er am nächsten Tag wieder schnell hineinschlüpfen konnte. "Nicht auf links gedreht", sagt die Mutter. So war seine Kleidung aber gefunden worden. Und Olaf H. hatte in einer seiner vielen Geständnis-Versionen behauptet, der Junge habe sich selbst ausgezogen,

Wie oft die Eltern die Kraft aufbringen, an den weiteren Verhandlungstagen in den Gerichtssaal zu kommen, sei noch offen, sagt ihre Anwältin. Olaf H. hatte sein Geständnis beim Prozessauftakt am Dienstag erneuert. Der Familienvater gab zu, den Jungen entführt, missbraucht und mit einer Schnur erdrosselt zu haben.

Frank Christiansen, DPA
 
 
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