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14. Juli 2009, 15:34 Uhr

Ermittler täuschten monatelang die Öffentlichkeit

Um eine der größten Ermittlungspannen in der deutschen Kriminalgeschichte zu vertuschen, haben baden-württembergische Polizeichefs monatelang die Öffentlichkeit und den Stuttgarter Landtag getäuscht. Das ergaben neue Recherchen des stern im "Phantom"-Fall.

Zoom
Phantom von Heilbronn, Wattestä,bchen

Kurz nach der Tat, die zu einer der unglaublichsten Kriminalgeschichten Deutschlands führte: Spurensicherung nach dem Mord an der Polizistin in Heilbronn© Ralf Seidel/AP

Im Fall des "Phantoms von Heilbronn", einer wegen Mordes an einer jungen Polizistin gesuchten unbekannten Frau, habe es schon im Dezember 2008 und Anfang 2009 drei an verschiedenen Tatorten gesicherte DNA-Spuren gegeben, die mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht vom "Phantom" stammen konnten. Die Existenz dieser Spuren, schreibt der stern, habe die Polizei jedoch unter der Decke gehalten. Auf einer Pressekonferenz am 11. Februar dieses Jahres behaupteten dagegen Klaus Hiller, Chef des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg, und Landespolizeipräsident Erwin Hetger, das Netz um die angebliche Schwerverbrecherin ziehe sich immer enger zusammen.

Als der stern am 25. März dieses Jahres über stern.de meldete, dass es das "Phantom" gar nicht gibt und die DNA-Spuren an mindestens 40 Tatorten von schon vorher verunreinigten Wattestäbchen stammten, erklärten dagegen Hiller und der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech, man habe bereits seit einem Jahr erhebliche Zweifel an der Existenz des "Phantoms" gehabt. "Das ,Phantom'", zitiert das Magazin jetzt Stuttgarter Landtagsabgeordnete, "sollte offenbar so lange wie nur irgend möglich weiterexistieren." Zwei Tage nach der stern.de-Meldung hatte der LKA-Chef dann verkündet: "Wir haben eine Frau gesucht, und wir haben eine Frau gefunden." In einem bayerischen Medizinalbetrieb - ein Wattestäbchen-Zulieferer der Firma Greiner Bio-One, von der die verunreinigten Tupfer stammen sollen - hatten mehrere Mitarbeiterinnen und Ex-Mitarbeiterinnen freiwillig Speichelproben abgegeben, deren DNA-Muster mit dem des "Phantoms" abgeglichen worden waren. "Zum Persönlichkeitsschutz der Betroffenen", so wird Hiller vom stern zitiert, seien diese Proben anonymisiert ausgewertet worden. Ergebnis: "Ein Rückschluss ... auf konkrete Personen ist uns nicht möglich."

Dennoch waren Ermittler in Österreich, die ebenfalls "Phantom"-Spuren nachgegangen waren, Ende März laut stern von deutscher Seite informiert worden, dass es sich um eine 71-Jährige handele, deren DNA-Profil angeblich mit dem des "Phantoms" identisch sei. Die Frau sei seitdem "am Boden zerstört", schreibt das Magazin, und vorübergehend sogar in eine Klinik eingeliefert worden.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 30/2009

Lesen Sie den vollständigen Bericht zu dem Debakel aus Heilbronn im neuen stern

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KOMMENTARE (10 von 10)
 
Halodri73 (14.07.2009, 18:30 Uhr)
@undjetztnochder
Hoppala, ich bin mal mit Ihnen einer Meinung. Wer sich mit PCR befasst, der Weiss, daß "steril" nicht gleich "steril" ist.
Ich finde den ganzen Vorfall höchst peinlich.
JoeSkeleton (14.07.2009, 18:17 Uhr)
ich hätte
auch einmal Karriere als Polizist machen sollen,hab aber dankend abgelehnt.Warum?Nicht wg Überstunden,oder Dienst an Wochenenden,nein,die Tatsache,das eine Uniform aus einem normalen Bürger eine arrogante,kritikresistente und besserwisserische Person machen kann.Kenne einige Polizisten auch im Privatleben,und sicher,leicht haben die es nicht,aber ich würde keinen von denen als "Freund" bezeichnen wollen.Und back to topic,es hätte sehr viel früher auffalen mpssen das dort verschiedene DNA Spuren gefunden wurden,die einfach nicht auf ein und die selbe Person passen können.Aber anstatt die Fehler bei sich selbst zu suchen,wurde ein Verdächtiger kreiert,der eigentlich garkein menschliches Wesen sein konnte.Keine Ahnung was das soll,gesunder Menschenverstand steckt jedenfalls nicht dahinter.Ist halt doch leichter Kiffer an der deutsch-niederländischen Grenze zu schnappen,da brauchts keine Investigation...
Huxley_82 (14.07.2009, 17:14 Uhr)
Der "perfekte Mord"
Als Wattestäbchenherstellerin... wer weiß?
Angel_of_Mercy (14.07.2009, 16:42 Uhr)
Billigheimer
Die Panne ist nur aufgetreten, weil es ja unbedingt die billigsten Wattestäbchen sein mussten. Sollen doch einfach zugeben, dass am falschen Ende gespart wurde, wie so oft.
undjetztnochder (14.07.2009, 16:27 Uhr)
@chrgue
Na, da scheint sich ja jemand mal als Polizist zu outen und sich natürlcih auch direkt angegriffen zu fühlen.
Um eines klar zu stellen: ich habe ein sehr positives Polizei-Bild im Kopf und ich weiß, dass die Jungs und Mädels oft einen ziemlich üblen Job mit den asozialsten Elementen unserer Gesellschaft machen müssen, die meisten haben dennoch das Herz auf dem rechten Fleck, Respekt!
Dennoch, oder gerade darum: Kritik wird erlaubt sein und ist in diesem Fall sogar notwendig. Ich hoffe, dass die Zuständigen bei der Polizei sich künftig besser mit den Techniken beschäftigen, die sie anwenden. Eine solche Resourcenverschwendung bei der Phantom-Jagd kann von uns Steuerzahlern nicht einfach so hingenommen werden und rückt die Polizei in ein schlechtes Licht. Wenn nun auch noch vertuscht werden soll, ist die Empörung in der Öffentlichkeit zur Recht groß. Ich hoffe, dass Sie das verstehen können.
h-p-t (14.07.2009, 16:23 Uhr)
@acitapple
soso, warum so zynisch gegenüber "allen polizisten" die auch für solche wie sie tag für tag den kopf hinhalten ?
ich kenne einige beamte die jeden tag ihrer arbeit nachgehen, und zwar einer arbeit der sie bestimmt nicht nachgehen würden....
insofern erst mal selbst hinterfragen...
zum dna test kann man nur sagen das es leicht ist bei einer panne gleich herumzuproleten, die ganzen nachträglich aufgeklärten raub- , vergewaltigs- und tötungsdelikte sollte man doch ebenfalls anerkennen.
wo ist das problem ?
hat denn einer von euch schon eine dna probe abgeben MÜSSEN ? hat jemand etwas zu befürchten ?
es betrifft meist nur straftäter die schon einmal auffällig wurden, und hier sorgte es für etwas mehr sicherheit.
und das versucht wurde die panne zu vertuschen ist schon ziemlich dümmlich, aber auch nachvollziehbar wenn man bedenkt wie schnell die presse und die deutschen allgemein beim "verbalen abschlachten" sind, wer hat nicht schon mal nen fehler vertuscht ?
alle unfehlbar hier , gell :D
chrgue (14.07.2009, 16:10 Uhr)
Wer hindert euch...
...Neunmalklugen eigentlich daran zur Polizei zu gehen? Ihr wisst alles besser und macht dann bestimmt eine Riesenkarriere. Die paar unbezahlten Überstunden, der Dienst an Feiertagen und den Wochenenden stört euch doch nicht, oder? Immerhin seid ihr nahezu unkündbar, solltest ihr es mit eurer übergroßen Weisheit schaffen, Beamter auf Lebenszeit zu werden. Ach ja, in der Anfangszeit, also bevor ihr eure Riesenerfolge feiern dürft, lasst euch noch von ein paar Besoffenen verprügeln! Aber schlagt bitte nicht zurück, das gibt ein Disziplinarverfahren und aus der zuvor beschriebenen Karriere wurde nix. Übrigens: Diese Ratschläge waren kostenfrei!
AttaTroll (14.07.2009, 15:55 Uhr)
Apropos getäuschte Öffentlichkeit...
Was ist eigentlich aus dem Fall Manichl georden? - dem Polizeichef, der angeblich von Neo-Nazis attackiert worden war??? Dann erfuhr man aus den Medien, man ermittele nunmehr im 'persönlichen Umfeld', und dann erfuhr man plötzlich gar nichts mehr... Sowohl im Fall Manichl als auch im fall "Phantom": man möchte die öffentliche Meinung offenbar ganz gezielt in eine bestimmte Ecke drängen.
acitapple (14.07.2009, 15:50 Uhr)
aber, aber...
das war doch sicher nur eine panne. ansonsten ist diese methode BOMBENSICHER, darauf würden bestimmt alle polizisten ihren job verwetten, nicht wahr ?
ebenso wie gespeicherte kommunikationsdaten NIIIIEEEEMALS missbraucht würden. ok, wenn dann doch ein sachbearbeiter 1mio. taler für die daten kassiert, bedeutet das ja nicht, dass das gesetz falsch ist, gell ?
tse... wie einfach, wenn man dank "unwiderlegbarer" beweise das hirn ausschalten kann...
undjetztnochder (14.07.2009, 15:42 Uhr)
Blinder Technikglaube
hat zu dieser spektakulären Panne bei der Polizei geführt. Ein wenig mehr Sachkenntnis über die Methodik beim Erstellen des genetischen Fingerabdrucks und eine interne Plausibilitätsprüfung hätten die Panne wesentlich früher aufdecken und damit viele unnütze Fahnder-Arbeitsstunden verhindern können. Hier muss die Polizei dringend dazu lernen und sich auch mal ein wenig mit der PCR-Technik und den Voraussetzungen und Grenzen der Methodik befassen.
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