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Verlängerte U-Haft für Hanebuth - aus Mangel an Beweisen

Der ehemalige Präsident der Hells Angels in Hannover bleibt weiter in Untersuchungshaft. Doch zwei Jahre nach seiner Verhaftung reichen die Ermittlungsergebnisse nicht aus, Anklage den Rocker zu erheben.

Von Kuno Kruse und Nicolas Büchse

  Hanebuths Anwalt will gegen die richterliche Entscheidung Beschwerde einlegen

Hanebuths Anwalt will gegen die richterliche Entscheidung Beschwerde einlegen

Es war ein hektischer Termin im Geschäftszimmer des Gerichts in Madrid, eine eilige Befragung zwischen Sekretärinnen, Boten und Besuchern. Ein eigener Raum, um den Hanebuths spanischer Anwalt für die Haftprüfung gebeten hatte, war vom Richter nicht vorgesehen. Der Austausch der Argumente war kurz und knapp. Zwei Stunden danach teilte das Gericht dem Anwalt mit: Frank Hanebuth bleibt weiter in Haft. Es bestünde die Gefahr, dass der Rocker Zeugen beeinflussen könnte.

"Das Ganze war eine Farce", sagt sein aus Hannover angereister Verteidiger  Götz von Fromberg, "so etwas habe ich in 40 Berufsjahren nicht erlebt. Es geht nicht nur um Respektlosigkeit. Sondern um einen Bruch mit den Prinzipien des Rechtstaates, wie man ihn in Europa nicht erwartet hätte." Frank Hanebuth hätte gerade eben erklären können, dass er sich im Leben immer seiner Verantwortung gestellt hätte. Und dass allein schon deshalb keine Fluchtgefahr bestünde, da ihn inzwischen wohl jedermann Europa erkenne.

Staatsanwaltschaft fordert weitere Ermittlungen

Auch nach mehrjährigen intensiven Ermittlungen und vielen Zeugenvernehmungen ist es dem spanischen Ermittlungsrichter Eloy Velasco, unterstützt von der Guardia Civil, Europol und dem Bundeskriminalamt bis heute nicht gelungen, stichhaltige Beweise für die dem Rocker vorgeworfenen Straftaten vorzulegen. So hatte der Ermittlungsrichter zwar im Februar seinen 95-seitigen Abschlussbericht vorgelegt und die Staatsanwaltschaft aufgefordert, wie eigentlich üblich, innerhalb von 15 Tagen Anklage gegen Frank Hanebuth und andere Verdächtige zu erheben. Anders als in Deutschland leitet in Spanien ein Ermittlungsrichter die Arbeit der Polizei. Und der Staatsanwalt formuliert, wenn diese abgeschlossen ist, daraus die Anklage.

Doch die Staatsanwaltschaft in Madrid musste passen. Für eine Anklage vor dem spanischen Sondergericht "Audiencia Nacional" - zuständig für Terrorismus und kriminelle Organisationen - reichte das, was der medienaffine Ermittlungsrichter präsentierte, nicht aus. Die Staatsanwaltschaft verlangte dringend Nachermittlungen.

Bereits im März hatten daraufhin Hanebuths spanische Anwälte dessen vorläufige Freilassung aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Cadiz, im Südwesten Spaniens, beantragt. Der Untersuchungsbericht des Ermittlungsrichters, erklärten die Anwälte, enthalte weder Beweise für die Bildung einer kriminellen Vereinigung, noch dafür, Frauen zur Prostitution gezwungen oder irgendwelches Geld gewaschen zu haben. All das, was nach der Verhaftung Hanebuths Schlagzeilen gemacht hätte, erläutert auch sein deutscher Verteidiger Götz von Fromberg, habe sich inzwischen als pure Spekulation herausgestellt. In Spanien kann aber ein Verdächtiger vier Jahre in U-Haft bleiben. Nach zwei Jahren allerdings ist eine genaue Überprüfung vorgeschrieben. Das war jetzt der Fall. 

Es war am 23. Juli 2013, als Spezialeinheiten der spanischen Polizei auf der Mallorca die Finca des Hells-Angel-Präsidenten und 30 Wohnungen und Bars anderer Beschuldigten stürmte. Und die europäische Polizeibehörde Europol in Den Haag, Spiritus Rector der Aktion auf Mallorca, in ihrer Verlautbarung den international geführten Schlag gegen "25 Hells Angels Mitglieder oder Unterstützer des Motorradclubs" verkündete. Tatsächlich waren nur vier der Verhafteten Mitglieder Hells Angels. Aber einer von ihnen war Frank Hanebuth, der nach Mallorca gegangen war, und gerade seinen Sohn an der internationalen Schule angemeldet hatte.

Telefonate über Hunde und Polster

Damals hatten Zeitungen berichtet, der Partymeilen- und Rotlichtunternehmer Hanebuth zeichne für einen Bombenabschlag am Ammersee verantwortlich. Der wirkliche Täter ist aber schon lange überführt, geständig und bereits vor einem Jahr vom Landgericht in Traunstein für die Tat verurteilt worden. Der Österreicher war Opfer eines Millionenbetrügers, dessen Familie er mit dem Anschlag dazu erpressen wollte, ihm das Versteck des Betrügers zu verraten. Eine Mitteilung über das Urteil an die spanische Justiz hatte die Staatsanwaltschaft in Traunstein, wie sie auf Nachfrage erklärte, nicht als ihre Aufgabe betrachtet.

Zudem hatten abgehörte Telefonate bei den spanischen Ermittlern den Verdacht geweckt, dass Frank Hanebuth Drogengeschäfte getätigt haben könnte. Mal sprach der am Handy über Fotos von Hunden, was als geheimer Code gedeutet wurde. Tatsächlich aber ging es um die Anschaffung eines scharfen Hundes für Hanebuths Finca. Mal sprach er über die Sitze eines in den Niederlanden reparierten Autos. Die Polizei vermutete in den Polstern sofort ein Drogenversteck. Tatsächlich handelte es sich um einen amerikanischen Pick-up-Oldtimer in den Harley Davidson-Farben, den Hanebuth restaurieren und die Sessel wegen seines hohen Körpergewichts verstärken ließ.

Kein Geld, keine Baupläne, keine Beweise

Vieles, was die Abhörspezialisten aus Telefonaten von Hanebuth und anderen Deutschen, mit denen er auf Mallorca in Verbindung gebracht wurde, mitschnitten, interpretierten die Ermittler als kriminelle Absprachen. So war von Leuten des Milieus an Handys von Hunderten von Millionen Euro in Containern im Hafen von Istanbul gesprochen worden, und von Plänen zum Bau einer Formel-1-Rennstrecke auf der Baleareninsel. Das Problem der Ermittler: Sie fanden weder Geld noch Baupläne, vor allem aber keinen Bezug zu Frank Hanebuth.

Zuletzt blieb der Vorwurf, der ehemalige Hells-Angel-Präsident aus Hannover hätte auf Mallorca Frauen zur Prostitution gezwungen. Tatsächlich waren zwei Tänzerinnen aus seinem Club "Drehscheibe" in Hannover für kurze Zeit nach Mallorca gegangen. Als er von ihnen erfuhr, dass man dort versuchte, die Bewegungsfreiheit der Frauen einzuschränken, faltete er in dem abgehörten Telefonat den dortigen Clubbetreiber von Hannover aus zusammen.

Was bleibt, sind zum Teil lange Jahre zurückliegende Straftaten von Mitgliedern eines längst aufgelösten Hells-Angels-Charters auf der Insel, mit dem Hanebuth nie etwas zu tun hatte. 

Hanebuth hatte vor zwei Jahren zusammen mit zwei Rockern aus Hannover einen anderen Charter gegründet, aber zwei Mitglieder des alten Charters übernommen. Es handelt sich dabei um zwei arabischstämmige Frankfurter, die auf Mallorca im Bordellgeschäft tätig waren. Die Vorwürfe, Frauen zu Prostitution gezwungen zu haben, beziehen sich auf diese beiden Brüder, von denen sich nur noch einer in Untersuchungshaft  befindet. 

Um Hanebuth die mögliche Straftaten anzulasten, die diese beiden Männer  begangen haben sollen, bevor der Hannoveraner auf die Insel gekommen war, definiert der Ermittlungsrichter den vor Jahren ausgelösten und den neu gegründeten Club der Hells Angels als eine Organisation. So wurde der Kreis der Beschuldigten inzwischen auf mehr als 50 größtenteils auf der Balearen-Insel lebende Personen erweitert. Die Strategie dieser Ausweitung ist es, Hanebuth als Chef einer international agierenden Verbrecherorganisation darstellen zu können. Beweisen konnten die Ermittler das bislang nicht.  

Auch deutsche Landeskriminalämter hatten das über viele Jahre versucht. Ohne Ergebnis. Zuletzt bestätigte das Landeskriminalamt in Niedersachsen, dass dort keiner Ermittlungen gegen Hanebuth mehr geführt worden seien.

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