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So entsetzlich war die Kölner Silvesternacht

Es ist ein Zeugnis des Horrors: Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen hat den Bericht zu den Ereignissen von Köln vorgelegt. Darin zeigt sich detailliert das ganze Ausmaß des Gewaltexzesses.

Polizisten am Kölner Hauptbahnhof

Polizisten patroullieren am Kölner Hauptbahnhof

Noch ist die Aufarbeitung des Gewaltexzesses und das Einsatz-Fiasko der Polizei in der Kölner Silvesternacht nicht restlos aufgeklärt. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger musste am Montag im Innenausschuss des Landtages über den aktuellen Ermittlungsstand informieren. Zuvor hatte er einen 16-seitigen Bericht zu den Ereignissen veröffentlicht. Die "Bild"-Zeitung hat

Auszüge aus den Anlagen des Berichts  dokumentiert, in denen die einzelnen Übergriffe, soweit bis jetzt bekannt, in Stichworten aufgelistet sind. Allein dieser Teil der Anlagen geht über 13 Seiten. Durch die detaillierten Beschreibungen wird noch einmal der ganze Horror und das Ausmaß der Attacken in der Silvesternacht deutlich. Mittlerweile bearbeitet die Ermittlungsgruppe "Neujahr" in Köln 553 Anzeigen. In etwa 45 Prozent der Fälle wird unter anderem wegen Sexualdelikten ermittelt.

"Einer Geschädigten wurde Finger eingeführt"

So heißt es zum Beispiel: "0.50 Uhr, Domplatte: Mehrere geschädigte Frauen. „Bei allen versucht Finger in Scheide einzuführen, misslang wg. Strumpfhose. Alle wurden an der Brust und Gesäß gefasst. Einer Geschädigten wurde Finger eingeführt.“ Gestohlen wurden den Frauen Geld, Ausweis, iPhone, Kreditkarte."

Oder: "03.40 Uhr, Domplatte: „Gruppe 20 Männer, Nafri (Polizei-intern für Nordafrikanische Verdächtige, d. Red.), hielten GES (Geschädigte, d.Red.) fest und griffen vorne in Hose. Anschließend wurde Geldbörse entwendet.“ Geklaut: Bargeld, Geldbörse."

Innenminister Jäger nutzte den Auftritt vor dem Innenausschuss, um in die Offensive zu gehen. Die Verantwortung für massive Fehler trägt die Kölner Polizeiführung. "Die Kölner Polizei hätte auf die Entwicklungen reagieren müssen und auf zusätzliche, in der Silvesternacht verfügbare Kräfte zurückgreifen müssen." Zu seiner eigenen Verantwortung erklärt er: "Es ist völlig ausgeschlossen, dass ein Ministerium in irgendeiner Weise in eine operative Lage eingreifen kann oder will." Nun solle alles lückenlos auf den Tisch.

Jäger weist Vorwurf der Vertuschung zurück

Jäger unterstreicht: "Es ist völlig egal, ob diese Männer einen arabischen, einen afrikanischen oder deutschen Pass besitzen. (...) Das spielt für die Strafverfolgung keine Rolle." Zugleich betont er aber nach Vorwürfen der Vertuschung: "Aus meinem Haus gab es keine Anweisung an die Kölner Polizei, öffentlich die Herkunft oder den Status von Tatverdächtigen oder Störern zu verschweigen." Im Gegenteil. "Wir wollen nichts beschönigen und nichts rechtfertigen." Es werde alles klar dargestellt.

Illusionen solle man sich aber nicht hingeben. "Es wäre weltfremd zu glauben, dass alle Flüchtlinge und Asylsuchende (...) Unschuldslämmer sind." Die große Mehrheit wolle sich aber an Recht und Gesetz hierzulande halten, betont der SPD-Politiker. "Bestimmte Gruppen jetzt pauschal abzustempeln, sie als Sexualstraftäter zu stigmatisieren, wäre nicht nur falsch, sondern auch gefährlich", mahnt er mit Blick auf "rechte Menschenfänger".

tis/DPA
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