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Polizist kämpft mit Fakten gegen die Angst vor Flüchtlingen

Seit der Silvesternacht stehen Flüchtlinge bei vielen unter Generalverdacht. In Braunschweig erfasst eine Sonderkommission der Polizei die tatsächliche Straffälligkeit von Flüchtlingen - und stellt jetzt in einem Buch Verdachtsfälle und Realität gegenüber.

Ulf Küch, Autor von "Soko Asyl"

Ulf Küch gründete als Chef der Braunschweiger Kriminalpolizei im Frühjahr 2015 die sogenannte Soko Asyl, die später in Soko Zentrale Ermittlung (kurz Zerm) umbenannt wurde. Seit August arbeiten 14 Menschen aus verschiedenen Kommissariaten zusammen, um die Kriminalität von Flüchtlingen zentral zu erfassen und zu bekämpfen. Die Beamten stammen aus unterschiedlichen Bereichen und befassen sich jeweils schwerpunktmäßig zum Beispiel mit Einbrüchen, Drogendelikten oder Betrug. Auch der Staatsschutz ist in der Soko Asyl vertreten. Die Sonderkommission war nach Angaben der Braunschweiger Polizei bundesweit die erste Stelle, die Kriminalität von Flüchtlingen gesondert erfasste.

Die Angst war plötzlich da. Mit den Flüchtlingen kam 2015 bei den Menschen rund um die Landesaufnahmeeinrichtung im niedersächsischen Braunschweig die Sorge um die eigene Sicherheit. Viele von denen, die hier schon immer lebten, hatten auf einmal Angst vor Gewalt, Einbrüchen und Diebstahl. "Die Sorge war unberechtigt", sagt Ulf Küch. Und wenn der Braunschweiger Kripo-Chef das sagt, dann nicht, weil dahinter politisches Kalkül steckt, sondern weil er Zahlen hat, die das belegen.

Die Angst dieser Menschen war der Anlass für den 59-Jährigen, eine Sonderkommission zu gründen, die Soko Asyl. Die Stelle sollte die Kriminalität von Flüchtlingen erfassen und zentral dagegen angehen. Beim Start im August 2015 war sie Küch zufolge die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. 

Über seine Erfahrungen berichtet Küch nun in dem Buch "Soko Asyl - Eine Sonderkommission offenbart überraschende Wahrheiten über Flüchtlingskriminalität". "Das Überraschende war, dass ich mit meiner These wirklich recht hatte", sagt Küch. "Bei den Flüchtlingen, die nach Deutschland eingereist sind, ist der Anteil von Kriminellen prozentual nicht höher als der Anteil von Kriminellen in der deutschen Bevölkerung."

"Ich ärgere mich über diese Gesellschaft"

Mit seinem Buch will Küch etwas geraderücken: "Ich ärgere mich über diese Gesellschaft, weil alles immer so schwarz-weiß gemalt wird." Tatsächlich sei die Flüchtlingssituation derzeit polizeilich nicht dramatisch. Obwohl im vergangenen Jahr in Braunschweig 40 000 Menschen ankamen, stieg die Zahl der Straftaten in der rund 250 000-Einwohner-Stadt um 300. "Das ist wohl nicht der Untergang des Abendlandes", sagt der Polizist.

Küch ist niemand, der für seinen Kuschelkurs bekannt wäre. Der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Niedersachsen ist für beschleunigte Verfahren und ein konsequentes und schnelles Vorgehen gegen straffällige Flüchtlinge. Küch stellt aber auch klar: Die Flüchtlinge sind kein Problem. "Wir können das belegen, die Zahlen sind ja jetzt da: Das ist alles völlig aus der Luft gegriffen."

Mitten in die Arbeit an seinem Buch platzten dann die Ereignisse der Silvesternacht in Köln. "Im ersten Augenblick war ich fassungslos und habe mich gefragt, ob das nun noch alles stimmt, was ich geschrieben habe." Dann aber seien immer mehr Details bekanntgeworden: "Die Vorfälle von Köln haben mit der Flüchtlingsfrage und einer davon ausgehenden Kriminalität überhaupt nichts zu tun", sagt Küch. Die Täter lebten schon seit Jahren in Deutschland. Da zeigten sich die politischen Fehler der vergangenen Jahre, meint er. Schlechte Integrationsmaßnahmen, Ghettobildungen in den Großstädten. "Wir müssen da ansetzen und handeln", erklärt Küch.

Die Silvesternacht in Köln nimmt in seinem Buch dennoch eine große Rolle ein. Küch will den vielen Gerüchten entgegentreten, Dinge feststellen und mit Fakten untermauern. Deshalb erscheint das Buch auch schon jetzt und nicht erst wie geplant im April. Braunschweig sei dabei durchaus repräsentativ. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier in Braunschweig 40 000 angekommen sind, die weniger auffällig sind, und das dafür in Köln die anderen 40 000 sind, die von morgens bis abends nur Straftaten begehen."

Die Arbeit der Braunschweiger Soko sei dennoch von vielen Seiten angegriffen worden, erzählt Küch. Die Wahrheit gefalle eben nicht jedem. Dennoch bleibe sie die Wahrheit, sagt er und tippt auf sein Buch mit den Zahlen.

Rebecca Krizak/DPA
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