25 Jahre links und anders

17. April 2004, 11:44 Uhr

Vom alten Revoluzzerblatt ist nicht mehr viel zu spüren: Aus der "taz" ist nach 25 Jahren ein anerkanntes Medium geworden. Trotz aller Zugeständnisse an den Zeitgeist will das Blatt ein bisschen anders, ein bisschen "linker" bleiben.

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Redaktionssitzung von Mitgliedern der "Berlin-Redaktion der "taz"©

Eine linke Institution der deutschen Presselandschaft feiert am 17. April Geburtstag: Die "taz" wird 25.

Immer noch linker, immer noch respektloser als andere Blätter, immer noch konzernunabhängig, ist das publizistische Kind der 68-er Generation trotzdem in die Jahre gekommen. Von den unzähligen Streiks und Redaktionsbesetzungen, den Schlachten um den richtigen linken Weg und anderen Mythen der "wilden"-taz-Jahre ist nicht mehr viel zu spüren, der Tisch der legendären "Kommune 1", an dem man sich einst versammelte, ist längst verschwunden: Aus dem chaotischen Spontiblatt ist ein normales Medium geworden. Trotz der genossenschaftlichen Verlagsstruktur und der einzigen Frau an der Spitze einer Tageszeitung, Bascha Mika.

Auch Dieckmann darf die "taz" besuchen

"Die Zeitung wird heute viel profesioneller gemacht, die Zeiten der heftigen ideologischen und politischen Debatten sind vorbei", sagte auch Michael Sontheimer, taz-Gründungsmitglied und von 1992- 1994 Chefredakteur, der heute beim "Spiegel" seine Brötchen verdient. Jetzt sind sogar die publizistischen Feinde von einst willkommen. Zum Jubiläum der "Nullnummer" im September übernahm auch "Bild"-Chef Kai Dieckmann für einen Tag die Verantwortung. Das kann sich die "taz" inzwischen leisten, findet Mika. Die "Feindes-taz" sieht sie als gelungenes Experiment.

Konzept der "Gegenöffentlichkeit"

Das war am Anfang noch ganz anders, 1979, in den "bleiernden" Zeiten des "Deutschen Herbstes". Damals, als in Deutschlands etablierten Medien wegen der RAF-Hysterie differenzierte Berichtserstattung immer schwieriger wurde, wollten unterschiedliche Gruppierungen der alternativen linke Szene –Atomkraftgegner, Umweltschützer, Feministinnen, Hausbesetzer u.a. – eine "Gegenöffentlichkeit" zur bürgerlichen Presse schaffen. Und konstituierten sich im April in der Wattstraße im Arbeiterviertel Wedding als "taz"-Kollektiv. Seit dem 17. April 1979 erschien die "taz" täglich.

Die "Anfangsphase war das größte Wunder", erinnert sich Hans-Christian Ströbele, taz-Mitbegründer und heute "Grünen"-Abgeordneter. Die Dutzend Leute, die mitarbeiteten, hätten weder von Finanzen noch vom Zeitungsmachen Ahnung gehabt, nur politisches Feuer. Irgendwie sei dann doch jeden Tag eine Ausgabe entstanden - "manchmal in letzter Minute."

Bascha Mika, Chefredakteurin der "taz"©

Geld war Nebensache. Nach dem linken Gleichheitsgrundsatz bezog jeder – unabhängig von der Funktion – das gleiche Gehalt. Für einen mageren "Einheitslohn" von 600 Mark schufteten die Redakteure anfangs. Dafür gab es belegte Brötchen, die Ströbele mit dem Fahrrad brachte.

... und immer fehlt das liebe Geld

Der Einheitslohn ist längst Geschichte – aber das heutige Gehalt eines "taz"-Redakteurs ist im Branchenvergleich immer noch niedrig. Was dazu führte, dass die Fluktuation innerhalb der Redaktion immer sehr hoch war. Die "Journalistenschule der Republik" (Ströbele) bot aber auch gute Aufstiegsmöglichkeiten. Reinhard Hesse, der Redenschreiber von Bundeskanzler Schröder, hat seine journalistische Laufbahn bei dem linken Blatt begonnen. Auch Ex-Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer arbeitete dort als Drucker.

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