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30. März 2010, 15:31 Uhr

Das Jugendamt war informiert

Die Mutter der verstorbenen Zweijährigen im bayrischen Tirschenreuth sitzt in Untersuchungshaft, ihr wird Totschlag zur Last gelegt. Bereits vor einem halben Jahr hatte das zuständige Jugendamt einen Hinweis auf die Frau bekommen – und nicht reagiert.

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Anteilnahme am Tod der Zweijährigen vor dem Wohnhaus der Mutter in Tirschenreuth© David Ebener/DPA

Nach dem Tod eines vernachlässigten Kleinkinds im bayrischen Landkreis Tirschenreuth ist die 21 Jahre alte Mutter in Untersuchungshaft genommen worden. Ihr werde Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen, da das Mädchen bei ärztlicher Versorgung vermutlich noch leben würde, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer am Dienstag in Weiden.

Die alleinerziehende Mutter war am Sonntag festgenommen worden, nachdem die Zweijährige am Vortag von einem Notarzt tot in ihrer Wohnung entdeckt worden war. Die Mutter selbst hatte ihn verständigt. Der Staatsanwaltschaft zufolge starb das Kind an einer Kombination aus Nahrungs- und Flüssigkeitsmangel sowie akuten Krankheitsfolgen, wie eine Obduktion in der Rechtsmedizin später ergab.

Der Bruder ist wohlauf

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass weder die Mangelernährung noch die Krankheiten zum Tod des Mädchens hätten führen müssen. Sie wirft der Mutter daher vor, nicht eingriffen zu haben. "Wir haben jedenfalls den Verdacht, dass wenn ein Arzt hinzugezogen worden wäre, das Kind heute noch leben würde", sagte Schäfer. Das tote Mädchen hatte auch einen Bruder, der ebenfalls bei der Mutter lebte. Der Junge sei wohlauf. Zu den möglichen Beweggründen der 21-Jährigen sagte er nichts.

Nachbarn informierten das Jugendamt

Nach Angaben des Landratsamts in Tirschenreuth hatte das Jugendamt vor etwa einem halben Jahr einen Hinweis auf die Frau erhalten, war aber nicht aktiv geworden. Ein Anrufer aus der Nachbarschaft habe darauf hingewiesen, dass die Kinder der jungen Frau nicht mehr so häufig im Garten zu sehen seien, teilte das Landratsamt mit. Weiterhin hatte der Anrufer mitgeteilt, dass sich der Großvater verstärkt um das Kind kümmern würde.

Die zuständige Fachkraft im Jugendamt habe diese Beobachtung aber nicht als akute Gefährdung der Kinder gewertet und daher auf einen sofortigen Hausbesuch verzichtet. Aus "heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen" habe das Amt den Fall später nicht mehr verfolgt.

AFP
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Helmers (31.03.2010, 09:22 Uhr)
Keine falsche Rücksichtnahme mit Versagern!
Da hilft nur eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim bayerischen Innenministerium mit der Forderung den Leiter des LRA Tirschenreuth und den Sachgebietsleiter und Sachbearbeiter, die hier die Schuld tragen sofort aus dem Dienst zu entfernen und ein Ermittlungsverfahr3en bei der Staatsanwaltschaft Weiden wegen unterlassener Hilfeleistung einzuleiten.
Das alleine neben dem Strafverfahren gegen die Mutter, dann werde diese Ämter in Zukunft sofort allen Hinweisen nachgehen oder mehr Sachbearbeiter einstellen. Ein Herausreden und nichts passiert, so geht es nicht mehr weiter Herr Innenminister Hermann und Frau Justizministerin.
apfelbaumpflanzer (30.03.2010, 19:53 Uhr)
Klar - das Jugendamt hat Schuld!
Vielleicht fällt ja noch jemand ein, dass ursächlich die Eltern die Verantwortung für diesen kleinen Menschen haben!? Ich arbeite im Jugendamt im Allgemeinen Sozialen Dienst - auf die Meldung " man sieht die Kinder immer weniger draußen!" wahrscheinlich auch noch klassischer Weise anoynm - wäre ich auch nicht nochmal hingefahren. Wir können doch dann nur eine Momentaufnahme leisten. Mehr nicht. Aber klar wenn´s brennt hat ja auch die Feuerwehr schuld - und übrigens wenn man schon sieht und hört, dass es Kindern schlecht geht, dann doch auch bitte selbst aktiv werden! Warum fällt das so schwer einfach mal nachzufragen?Aber am einfachfachsten ist ja für´s Gewissen einfach mal die Verantwortung abgeben. Raten Sie mal wann wir die meisten Anrufe wegen einer realen oder auch vermeintlichen Kindeswohlgefährdung bekommen? Ebenso klassisch: Am letzten Schultag, meist noch mit dem Nachsatz, dass jetzt etwas passieren müsse - nachdem man sich das schon mehrere Wochen angeschaut hat - Dann die Nachfrage und das Angebot gemeinsam mit dem Kind und den Eltern zu sprechen.. Antwort: Das tut mir leid. Es sind doch jetzt Schulferien und ich bin nicht da. Sorry sind bestimmt nicht alle so, aber manchmal könnte ich einfach nur ....
daisytim (30.03.2010, 18:50 Uhr)
Mich wundert es nicht...
...weiß ich doch aus persönlicher Erfahrung, das der für mich zuständige Sachbearbeiter 1 mal in annähernd 20 Jahren sich die Mühe machte, nach mir im Kinderheim zu schauen. Und in diesem Heim bekam man als Kind so einiges mit, wie das Jugendamt, wenn überhaupt, reagiert. Ohne Zweifel, es gibt durchaus engagierte Pädagogen, denen sehr viel an den ihnen anvertrauten "Fällen" lag, aber der großteil der Mitarbeiter verwaltete seine Klienten nur und drückte seine 3500,- DM monatlich ab und hatte seine Ruhe. Und der Mißbrauch, der in so vielen Fällen gerade so hochkocht, ist oftmals einfach als "hinnehmbar", als "nicht so schlimm" bezeichnet worden und nur einmal wurde tatsächlich eingeschritten. Widerlich...
undjetztnochder (30.03.2010, 16:39 Uhr)
Vorsicht mit Schuldzuweisungen
Klar, es drängt sicht auf: wie kann eine Mutter so etwas tun? Beim Tod eines kleinen Kindes kochen - zu Recht - die Emotionen schnell hoch. Aber die Faktenlage ist viel zu dünn, um jetzt schon klare Schuldzuweisungen machen zu können. Was wusste der Vater? Was wussten andere Angehörige wie Großeltern, Onkel, Tanten, Nachbarn, Freunde? Ist beim Jugendamt geschlampt worden und wer ist dafür persönlich haftbar zu machen? - Es bleibt zu hoffen, dass der Fall gründlich aufgearbeitet wird und dass entsprechende Lehren daraus gezogen werden. Jedes Kind, dass an Vernachlässigung stirbt, ist eines zu viel!
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