. .
News am 21.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
20. August 2008, 15:11 Uhr
Schriftgröße: A A A

Patient sitzt 22 Stunden im Stuhl - tot

Tödliches Desinteresse: In einem Krankenhaus im US-Bundesstaat North Carolina ist ein Mann gestorben, weil das Pflegepersonal ihn 22 Stunden in seinem Stuhl sitzen ließ und sich nicht um ihn kümmerte. Die Mitarbeiter schauten lieber fern oder spielten Karten.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist bereits im April in einem Krankenhaus in Goldsboro ein Mann gestorben, der sich an seinem Medikament verschluckt hatte und 22 Stunden lang auf einem Stuhl sitzen musste. Das Pflegepersonal im Cherry Hospital kümmerte sich in dieser Zeit nicht um den 50-jährigen Steven Sabock, der psychisch krank war.

Tod wegen Herzproblemen

22 Stunden lang erhielt er keine medizinische Betreuung, kein Essen und konnte auch nicht zur Toilette gehen. Die Pflegekräfte schauten stattdessen lieber fern, spielten Karten oder telefonierten mit ihren Handys. Das haben Mittschnitte von Überwachungskameras ans Licht gebracht. Ganze vier Mal wechselten sogar die Schichten beim Personal, ohne dass sich jemand für Sabock interessierte. Sabock starb schließlich am 29. April wegen Herzproblemen.

Doch der Patient scheint nicht nur an seinem Todestag kein Essen bekommen zu haben. Wie aus einem Untersuchungsbericht hervorgeht, erhielt Sabock bereits in den drei Tagen davor nur wenig Nahrung. Der Bericht, der jüngst veröffentlicht wurde, verdeutlichte das ganze Ausmaß des Vorfalls erst richtig.

Anweisungen missachtet?

Demnach versuchten Pfleger kurz vor Sabocks Tod, ihn dazu zu überreden, in sein Zimmer zurückzukehren - nachdem er bereits Stunden auf dem Stuhl verbracht hatte. Da dies nicht gelang, setzten sie den Patienten in einen Rollstuhl und schoben ihn zurück in sein Zimmer. Auf dem Video ist zu sehen, wie kurze Zeit später Geräte für lebensrettende Maßnahmen zu ihm gebracht werden. Eigentlich hatte ein Arzt zuvor angeordnet, Sabock alle zwei Stunden mit Medikamenten zu versorgen und alle sechs Stunden seine Lebenszeichen zu prüfen. Dem wurde aber offensichtlich nicht gefolgt.

Sabocks Vater Nicholas, der in Virginia lebt, beschwerte sich in einem Interview darüber, dass das Personal ihn nicht zu seinem Sohn gelassen hätte. Und Sabocks Ehefrau Susan erhielt vom Bundesstaat einen Brief, in der die Vernachlässigung des 50-Jährigen zugegeben wird. Susan Sabock hat nach eigener Aussage bereits mit einem Anwalt gesprochen.

Ein Sprecher der Gesundheitsbehörden sagte, über mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen müsse noch entschieden werden. Das Krankenhaus könnte zudem auch öffentliche Subventionen verlieren. Das Cherry Hospital ist eines von vier psychiatrischen Kliniken des Bundesstaates North Carolina.

web/AP
KOMMENTARE (6 von 6)
 
wilmito (21.08.2008, 03:31 Uhr)
hey @bmpost...
soll das jetzt bedeuten, dass der psychisch kranke mensch mit seiner "miesepetrigen art" selbst schuld an seinem tod trägt oder wie soll ich ihren beitrag deuten!? muss ich laut singend und witze erzählend durch ein krankenhaus laufen, um fachmännisch behandelt zu werden? schwachsinniger beitrag, pardon...
Eisenbaer (20.08.2008, 18:11 Uhr)
@bmpost
Was hat denn das persönliche Engagement des Krankenhauspersonals mit der Gesundheitsreform zu tun? Meinen Erfahrungen nach hat eher der schlechte Karten, der sich als "oller Miesepeter" outet, egal ob er nun "Geld hat" oder ob nicht. Gehen Sie einmal mit mehr Freundlichkeit auf andere Menschen zu, und Sie werden irgendwann einmal erkennen, wie sich auch ihre persönliche Einschätzung Ihrer Umwelt zum Besseren gewandelt hat.

Wie heißt es doch schon in einem alten Sprichwort: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus."
bmpost (20.08.2008, 15:34 Uhr)
@el3ktro
Ich nehme mal an, Sie sind gut versichert und nicht unbedingt als behinderte Mensch zu erkennen. Das erklärt so manches. Das die Zweiklassenemdizin aus Amerika mittlerweile auch hier angekommen ist (als Gesundheitsreform verkleidet) dürfte sich ja herumgesprochen haben. Wohl dem, dem es gut geht in unserer Leitsungsgesellschaft.
el3ktro (20.08.2008, 15:30 Uhr)
Es geht auch anders
Da muss ich die Krankenhäuser hier sehr loben: War letztes Jahr wegen Herzproblemen im Krankenhaus. Habe schon mein ganzes Leben einen extrem niedrigen Puls, aber ohne Probleme (der Grund für den KH-Aufenthalt war ein anderer. Ich hing nachts natürlich an einem EKG, das alle 10-15 Min. Alarm schlug weil mein Puls so niedrig war - obwohl sie die Alarmschwelle schon extrem nach unten gesetzt hatten. Obwohl eigentlich alle wussten das es sich bei mir jedesmal um einen Fehlalarm handelt, stand trotzdem bei jedem Alarm innerhalb von SEKUNDEN eine Schwester bei mir ihm Zimmer. Das war - obwohls mir gut ging - doch irgendwie ein sehr beruhigendes Gefühl. Lieber 1x zu oft nachgucken, als das eine entscheidende mal zu wenig.
DasBertl (20.08.2008, 15:14 Uhr)
Scheint
als ob in den USA die Patienten gleich reihenweise vom Stuhl kippen ums mal salopp zu sagen, denn erst kürzlich gab es in einem anderen US-Krankenhaus einen ähnlichen Zwischenfall...
bmpost (20.08.2008, 14:41 Uhr)
Ist das das Vorbild
... für unsere kranke "Gesundheits"-Reform?
MEHR ZUM ARTIKEL
New York Millionenklage nach Skandal-Tod

Die Angehörigen der Jamaikanerin, die unter skandalösen Umständen in einer New Yorker Klinik gestorben war, fordern 25 Millionen Dollar Schadensersatz. Esmin Green war in der Notaufnahme zusammengebrochen, Mitarbeiter und andere Patienten hatten ihr aber nicht geholfen. Nun äußerten sich ihre Verwandten zu dem Fall. mehr...

New York Frau stirbt in Klinik - Mitarbeiter sehen zu

Unglaublicher Vorfall in einer Klinik in New York: Eine Patientin bricht in der Notaufnahme zusammen und stirbt. Mitarbeiter und andere Patienten schauen zu, greifen aber nicht ein. Anschließend versuchten sie wohl, ihr tödliches Versagen zu verheimlichen. Doch Überwachungskameras filmten das Drama. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
 
 
Aktuelle Extras
 
Adobe Flash Player

 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...