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20. August 2008, 10:28 Uhr

Patient sitzt 22 Stunden im Stuhl - tot

Tödliches Desinteresse: In einem Krankenhaus im US-Bundesstaat North Carolina ist ein Mann gestorben, weil das Pflegepersonal ihn 22 Stunden in seinem Stuhl sitzen ließ und sich nicht um ihn kümmerte. Die Mitarbeiter schauten lieber fern oder spielten Karten.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist bereits im April in einem Krankenhaus in Goldsboro ein Mann gestorben, der sich an seinem Medikament verschluckt hatte und 22 Stunden lang auf einem Stuhl sitzen musste. Das Pflegepersonal im Cherry Hospital kümmerte sich in dieser Zeit nicht um den 50-jährigen Steven Sabock, der psychisch krank war.

Tod wegen Herzproblemen

22 Stunden lang erhielt er keine medizinische Betreuung, kein Essen und konnte auch nicht zur Toilette gehen. Die Pflegekräfte schauten stattdessen lieber fern, spielten Karten oder telefonierten mit ihren Handys. Das haben Mittschnitte von Überwachungskameras ans Licht gebracht. Ganze vier Mal wechselten sogar die Schichten beim Personal, ohne dass sich jemand für Sabock interessierte. Sabock starb schließlich am 29. April wegen Herzproblemen.

Doch der Patient scheint nicht nur an seinem Todestag kein Essen bekommen zu haben. Wie aus einem Untersuchungsbericht hervorgeht, erhielt Sabock bereits in den drei Tagen davor nur wenig Nahrung. Der Bericht, der jüngst veröffentlicht wurde, verdeutlichte das ganze Ausmaß des Vorfalls erst richtig.

Anweisungen missachtet?

Demnach versuchten Pfleger kurz vor Sabocks Tod, ihn dazu zu überreden, in sein Zimmer zurückzukehren - nachdem er bereits Stunden auf dem Stuhl verbracht hatte. Da dies nicht gelang, setzten sie den Patienten in einen Rollstuhl und schoben ihn zurück in sein Zimmer. Auf dem Video ist zu sehen, wie kurze Zeit später Geräte für lebensrettende Maßnahmen zu ihm gebracht werden. Eigentlich hatte ein Arzt zuvor angeordnet, Sabock alle zwei Stunden mit Medikamenten zu versorgen und alle sechs Stunden seine Lebenszeichen zu prüfen. Dem wurde aber offensichtlich nicht gefolgt.

Sabocks Vater Nicholas, der in Virginia lebt, beschwerte sich in einem Interview darüber, dass das Personal ihn nicht zu seinem Sohn gelassen hätte. Und Sabocks Ehefrau Susan erhielt vom Bundesstaat einen Brief, in der die Vernachlässigung des 50-Jährigen zugegeben wird. Susan Sabock hat nach eigener Aussage bereits mit einem Anwalt gesprochen.

Ein Sprecher der Gesundheitsbehörden sagte, über mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen müsse noch entschieden werden. Das Krankenhaus könnte zudem auch öffentliche Subventionen verlieren. Das Cherry Hospital ist eines von vier psychiatrischen Kliniken des Bundesstaates North Carolina.

web/AP
 
 
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