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25. Februar 2009, 13:11 Uhr

Williamson sucht Rat bei Holocaustleugner

Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson hat sich nach England zurückgezogen. Noch bietet ihm seine Pius-Bruderschaft offenbar Schutz. Rat hat sich der umstrittene Bischof aber offenbar auch bei David Irving gesucht. Der 2005 wegen Holocaustleugnung verurteilte Revisionist bestätigte das im Gespräch mit stern.de Von Cornelia Fuchs, London

Richard Williamson, Holocaust, Leugnen, Pius-Brüderschaft, London

Bekam bei seiner Ankunft in London Polizeischutz: Bischof Richard Williamson (M.)© Luke MacGregor/Reuters

Empfangen wurde Bischof Richard Williamson nach seiner Ankunft am Flughafen Heathrow von der britischen Polizei und einer Gruppe Journalisten. Während Kameramänner versuchten, Bilder des umstrittenen Mitglieds der Pius-Bruderschaft aufzunehmen, und Journalisten ihm immer wieder die Frage zuwarfen: "Was haben Sie zu sagen, Bischof?", lief Williamson zwischen den Polizisten zu einem bereitstehenden Wagen, den Blick stoisch geradeaus gerichtet und ohne ein Wort zu verlieren.

Williamson hatte gestern Abend in Buenos Aires ein Flugzeug bestiegen, nachdem die argentinische Regierung seine Ausreise innerhalb von zehn Tagen angeordnet hatte. Die Entscheidung fiel, nachdem Williamson in einem Interview mit schwedischen Journalisten das Ausmaß des Holocausts geleugnet hatte und sagte, dass nach seinem Wissen Gaskammern niemals existierten und höchsten 300.000 Juden in Konzentrationslagern umkamen. Der Bischof hatte noch vor kurzem verkündet, er wolle sich angesichts der weltweiten Empörung, die seine Äußerungen ausgelöst hatten, die historischen Fakten erneut zu Gemüte führen. Der Vatikan hatte ihn Anfang Februar aufgefordert, sich "in unmissverständlicher Weise öffentlich von seinen Erklärungen zur Shoah" zu distanzieren.

Kontakte zu Holocaust-Leugnern

Doch Williamson scheint auch nach seiner Rückkehr nach Großbritannien keinen Abstand zu dem Gedankengut der Holocaust-Leugner zu suchen. Im Gespräch mit stern.de ließ einer der bekanntesten Vertreter der Revisionisten, David Irving, verlauten, Williamson habe ihn in Emails um Hilfe gebeten: "Ungefähr vor einer Woche habe ich ihm auf zwei Seiten unanfechtbare Fakten geschickt. Er hat sich dafür bedankt." Irving wurde 2005 in Österreich wegen der Verleugnung und Trivialisierung des Holocausts zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und Ende 2006 aus dem Land verwiesen.

Irving führte weiter aus, dass er Williamson auf einer Gartenparty in seinem Haus in Windsor im vergangenen Oktober getroffen habe - Fotos dieser Zusammenkunft habe er auf Bitte des Bischofs von seiner Webseite entfernt. Er habe Williamson außerdem mit Michèle Renouf bekannt gemacht. Die Australierin und ehemalige Schönheitskönigin nahm im Dezember 2006 an der Holocaust-Konferenz in Teheran teil, die vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmedinedschad einberufen wurde, und auf der er in einer Abschlussrede die Zerstörung Israels forderte. Sie ist seitdem Sprecherin einer "internationalen Forschungs-Kommission zum Holocaust", die auch von dem Australier Frederick Torben vertreten wird. Torben wiederum wurde im vergangenen Oktober bei seiner Ankunft in Heathrow aufgrund eines deutschen Haftbefehls wegen der Veröffentlichung antisemitischer und revisionistischer Texte festgenommen.

Holocaust-Leugnung nicht strafbar

Das Leugnen des Holocaust ist in Großbritannien nicht strafbar. Doch wie im Fall Torben kann ein Haftbefehl aus einem anderen europäischen Land auch in Großbritannien angewandt werden. Doch nicht immer führt dies zur Auslieferung: Der Holocaust-Leugner Torben wurde wieder freigelassen. Der deutsche Haftbefehl gegen ihn, so entschied der britische Richter, habe in Großbritannien keine Gültigkeit.

Ex-Schönheitskönigin Renouf war mit ihren Anwälten in der Ankunftshalle in Heathrow erschienen, um, wie sie sagte, den Bischof "zu repräsentieren und ihm zu helfen, seine Ansichten in der Öffentlichkeit darzustellen". Sie beschuldigte Deutschland, für "den Medienrummel jüdischer Proteste" verantwortlich zu sein. Bischof Williamson sprach nach seinem Erscheinen jedoch weder mit ihr noch mit ihren Anwälten.

Heathrow schnell verlassen

Williamson wurde stattdessen von der britischen Polizei in einen grauen Land Rover verfrachtet, der Heathrow schnell verließ. Der Wagen steht inzwischen, so vermeldet es die Tageszeitung "Guardian", vor dem Haus der Pius-Bruderschaft in Wimbledon im Süden Londons. Zwei Priester verweigerten jedoch auf Nachfrage jede weitere Auskunft.

Die katholischen Bischöfe in Großbritannien haben die Ansichten Williamsons bereits als "völlig inakzeptabel" verurteilt. Ein Sprecher der Bischofskonferenz teilte mit, er habe "absolut keine Ahnung" wohin Williamson sich wenden werde: "Er wird seinen Aufenthalt selber organisieren müssen - ob mit einem katholischen Priester oder mit jemand anderem. Aus der Perspektive der Kirche hat er nichts mit den Bischöfen dieses Landes zu tun."

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
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