Marinesoldaten quälen Vorgesetzten

27. Februar 2013, 08:02 Uhr

Sie sollen ihn aus dem Bett gezogen, gefesselt und am Körper bemalt haben: Vier Marinesoldaten werden beschuldigt, ihren Vorgesetzten gedemütigt und gequält zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bundeswehr, Marinesoldaten, Marine, Beirut, Hermelin

Auf dem Schnellboot "Hermelin" soll sich der Übergriff ereignet haben.©

Auf einem Schiff der Bundesmarine hat sich laut Bundeswehr ein gewaltsamer Übergriff auf einen Vorgesetzten ereignet. Mindestens vier Obermaate zogen am 15. Februar auf dem Schnellboot "Hermelin" einen ihnen vorgesetzten Bootsmann aus seiner Koje, fixierten ihn mit Tape und einem Spanngurt auf einem Tisch und bemalten ihn, wie das Einsatzführungskommando in Potsdam am Dienstagabend mitteilte. Gegen die vier Soldaten und mögliche weitere Beteiligte werde ermittelt. Der Fall, der sich im Hafen von Beirut ereignet habe, sei an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Fremdenfeindliche Motivation?

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das Einsatzführungskommando berichtete, schrieben die Tatverdächtigen dem nur mit einer Unterhose bekleideten Opfer die Worte "Hier wohnen die Mongos" auf die Haut. Bei dem Bootsmann handelt es sich um einen Deutschen thailändischer Herkunft. Auf die Frage, ob es Erkenntnisse zu einer fremdenfeindlichen Motivation der Angreifer gebe, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Zeitung: "Alle Ermittlungen, die wir geführt haben, haben ergeben, dass der Vorfall nichts mit einem ausländerfeindlichen Hintergrund zu tun hat." Alkohol soll nicht im Spiel gewesen sein.

Zwei der Soldaten sollen demnach von der Aktion Bilder mit ihren Mobiltelefonen gemacht haben. Diese sollen auf Befehl gelöscht worden sein, heißt es in dem Bericht. Die vier Verdächtigen seien bereits zurück nach Deutschland geschickt worden. Das Opfer befindet sich jedoch weiter an Bord.

Nach Informationen des Blattes wurden insgesamt mindestens 13 Personen vernommen. Angesichts einer vorgesehenen Besatzung von 36 Mann auf dem begrenzten Raum des knapp 60 Meter langen Bootes wird demnach auch für möglich gehalten, dass weitere Soldaten den Vorfall durch "aktives Wegsehen" begünstigt haben könnten.

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