6. September 2011, 15:20 Uhr

Die 100 Kilometer-Tortour quer durch den Harz

Fast 500 Läufer, eine Distanz von 100 Kilometern und 30 Stunden Zeit - so lautet die Formel für die aufregendste Nonstop-Wandertour der Welt. Ein Team von stern.de ist bei der Charity-Aktion durch den Harz mitgelaufen und landete in einer Kategorie unter den Top-Plätzen. Von Till Bartels

Wie weit würdest Du gehen für eine Welt ohne Armut?, lautet die Frage von der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam, die für den 3. September zu ihrem zweiten Charity-Lauf in Deutschland aufrief. Die Vierer-Teams legen dabei eine Strecke von 100 Kilometern in maximal 30 Stunden zurück. Will man diese Distanz schaffen, ist an eine lange Pause mit Schlaf nicht zu denken. Auch in der Nacht muss nonstop gewandert werden. Voraussetzung für die Teilnahme an der Ultra-Marathonstrecke ist neben Ausdauer auch ein gutes Fundraising: Denn jedes Team muss mindestens 2000 Euro an Startgeldern gesammelt haben. Die Spendensumme kommt anschließend mehreren Afrika-Projekten in Simbabwe, Äthiopien und Südafrika zugute.

Eines der 123 Teams, die in Osterode am Harz losliefen, waren die sternläufer, die eine doppelte Unterstützung erfahren durften: einmal durch das zweiköpfige Support-Team, das uns an den Checkpoints mit Getränken, Essen, Blasenpflaster und Zuspruch versorgte, sowie durch das finanzielle Engagement des Gruner + Jahr Commitment und vielen privaten Spendern. Mit einer Summe von 6110 Euro erreichten die sternläufer das zweitbeste Ergebnis aller Teams - gute Vorraussetzungen noch vor dem Start.

Plötzlich sind wir die Letzten

An vier Wochenenden zwischen April und August hatten wir vier Mitarbeiter von stern.de - Björn Holm, Sebastian Pfotenhauer, Michael Genova und Till Bartels - zusammen für den Trailwalker 2011 trainiert und beim Gehen einen gemeinsamen Rhythmus gefunden. Unser Ziel: Zusammen ankommen ist uns wichtiger als eine Top-Zeit.

Für den kleinen Ort Osterode im Südwesten des Harzes ist eine Sportveranstaltung mit 500 Teilnehmern und ausgeklügelter Logistik ein Riesending. Im Kurpark vor der Stadthalle herrscht schon am Vorabend bei der Anmeldung der Teams Festival-Atmosphäre. Erst recht beim Start am nächsten Morgen auf dem Kornmarkt, als im Sonnenschein unter großem Anteil der Bevölkerung der Startschuss fällt.

Doch schon bald kommt für uns sternläufer eine ungeplante Zwangspause: Im Schuh von Björn bricht auf den ersten Kilometern am Hacken die Naht an der Hackenpolsterung, die an seiner Ferse scheuert. Wir beratschlagen: Erst am übernächsten Checkpoint kann er ein Paar Ersatzschuhe von unserem Support-Team in Empfang nehmen. Währenddessen ziehen alle anderen Lauf-Teams an uns vorbei.

Hinter uns fahren schon Mountain-Biker, die mit Akkuschraubern die Wegweiser einsammeln. Wir kommen ins Gespräch. Im vorigen Jahr seinen auch Hamburger dabei gewesen. "Die waren ganz erstaunt, wie hoch die Berge im Harz sind", so der eine.

Beim zweiten Checkpoint in Altenau treffen wir auf unsere beiden Supporter: Claudia Holm und Sven Claar. Sie haben per Sackkarre vom Auto Kisten mit Getränken, Obst, belegten Brötchen, Energieriegeln und Ersatzklamotten und -schuhen angekarrt. Nach einem Viertel der Strecke pausieren wir eine gute halbe Stunde und laufen parallel zu einem fast horizontal fließenden Bewässerungsgraben Richtung Torfhaus. Plötzlich kommt uns der erste Läufer entgegen. "Es geht nicht mehr, die Füße."

50 Kilometer in gut 13 Stunden

Stundenlang laufen wir durch schattige Tannenwälder, über Schotterpisten, schmale Pfade, über Wiesen und zum Teil asphaltierte Waldwege. Das erste Drittel des Rundweges des Harzes kennen wir von einem Probelauf, den wir vor fünf Wochen absolvierten. Seitdem haben wir größten Respekt von den 100 Kilometern. Ab dem späten Nachmittag kommt endlich Neuland für uns, wir überqueren die Okertalsperre und winden uns auf steilen Wegen im letzten Tageslicht zum Ort Schulenburg.

In der Touristeninfo soll es ein warmes Essen geben. Wir hoffen auf einen Berg Nudeln, doch wir sind zu spät. Selbst die Suppe ist alle. "Pech gehabt", empfängt uns einer vom Oxfam-Team. Zum Glück können wir uns auf unsere Supporter verlassen. Die haben Essen für eine Woche im Auto. Wir sitzen vor dem geöffneten Kofferraum auf dem Parkplatzboden, schlürfen heiße Brühe, kauen Kartoffelsalat und bandagieren unsere Zehen und Hacken mit Hansaplast.

Oxfam Trailwalker 2011
Oxfam Trailwalker 2011
Oxfam Trailwalker 2011
Oxfam Trailwalker 2011
Oxfam Trailwalker 2011 So weit die Füße tragen

Oxfam Deutschland e.V. ist eine unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation, die sich weltweit gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit einsetzt. Im internationalen Verbund von 15 nationalen Organisationen kooperieren Oxfam mit mehr als 3000 lokalen Partnern in fast 100 Ländern.

Der Oxfam Deutschland Trailwalker verbindet Team- und Sportsgeist mit sozialem Engagement und fand 2010 erstmals in Deutschland statt. Die Idee entstand 1981 in Hongkong. Über 32.000 Teams sind inzwischen mehr als 12 Millionen Kilometer weltweit für eine gute Sache gewandert. Der Trailwalker am 3. und 4. September 2011 im Harz erbrachte 310.000 Euro für Projekte zur Existenzsicherung in Afrika. Die nächste "aufregendste Nonstop-Wandertour der Welt", so die Eigenwerbung, ist in Deutschland für den 8. und 9. September 2012 in Osterode am Harz geplant.

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