Junge Boys für alte Ladys

4. Dezember 2007, 14:00 Uhr

Für einige deutsche Urlauberinnen bedeutet Urlaub in Kenia Romantik, Zärtlichkeit und vielleicht auch Sex - mit den einheimischen Lovern. Doch das käufliche Tête-à-tête entpuppt sich für die meisten nur als große Illusion. Von Roland Brockmann, Mombasa

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Im Film "Vers le sud" spielen Charlotte Rampling und Menothy Cesar ein ungleiches Paar©

Zu Hause sinken die Temperaturen, Zeit, in einen Ferienflieger zu steigen. Zum Beispiel nach Bamburi Beach an der Nordküste von Mombasa. Sanft wiegen sich hier die Palmen im Wind, und federnden Schrittes laufen hier auch einige gut gebaute Männer durch den Sandstrand. Manche spielen einfach Fußball. Andere verkaufen Kokosnüsse und wieder andere sich selbst.

Typen wie John. Eben stand er noch händchenhaltend mit einer Urlauberin in der warmen Brandung. Schwarz und Weiß, Mann und Frau, Hand in Hand. Hier so weit nichts Besonderes, aber John ist nicht nur einen Kopf kleiner als seine deutsche Geliebte, er wiegt auch weit weniger und ist nicht mal halb so alt wie sie: 24. Jetzt braucht er erst mal ein kaltes Bier.

Weiße Frauen zwischen 50 und 70 auf der Suche nach Romantik

Der Barkeeper weiß ganz genau, womit John sein Geld verdient. Aber das stört ihn nicht, sorgt der doch an der Bar für Umsatz. Für John ist es Routine. Wie andere im Büro geht er seiner Arbeit am Strand nach. Und die Urlauberin will im Grunde gar nicht wissen, weshalb John so zärtlich ihre Hand hält. (Nämlich, weil er seine eigene Frau und Kinder unterhalten muss.) Und kann man es den Rentnerinnen und Witwen verdenken, wenn sie ihre Einsamkeit vor der Mattscheibe im kalten Deutschland mit der Zweisamkeit bei Reggaemusik mit einem Afrikaner eintauschen? Vor allem wenn die im exotischen Massai-Dress am Strand auftauchen - schwer mit Perlen und Federn herausgeputzt, statt in der Massai Mara ihr Vieh hütend, lieber in Mombasa weißen Frauen nachjagend.

Offiziell gelten Leute wie John Mutua allerdings nicht gerade als Aushängeschild vom Urlaubsparadies Kenia. Tatsächlich sind sie stets auf der Flucht vor der Touristenpolizei. Und bieten doch eine der Attraktionen. Jedenfalls für weiße Frauen von 50 bis 70, die den deutschen Alltag gerne für ein paar Wochen in Kenia eintauschen - auf der Suche nach Sonne, Strand und mehr: gar nicht mal nur Sex, sondern Herzenswärme, Zärtlichkeit und Romantik.

Moderne Dienstleistungen für rund 200 Euro die Woche

John, ein Giriama, original von der Küste, setzt vor allem auf sein Lächeln. Auf keinen Fall dürfe man die Sache zu direkt angehen, erklärt er. Nicht gleich über Sex reden. "Das verschreckt viele Frauen." Belanglose Scherze ebnen den Weg. Zunächst zu einem Drink in einer Bar; da wird dann die Verabredung für den Abend klargemacht. Und danach? "Viele wollen erst mal ausgeführt werden, tanzen", sagt er. Dafür muss er dann zurück in sein Dorf und sich das passende Outfit besorgen: sportlich und natürlich Addidas oder Nike - und dazu Goldketten. Aber als Leihgabe vom Shop! Nicht jeder Beachboy kann sich solche Sachen selber leisten. Die Frauen wiederum bevorzugen den afrikanischen Stil: bunte Wickeltücher oder gar Rastafrisuren mit eingeflochtenen Perlen - Kulturadaption auf Urlaubszeit. Auch Rentnerinnen wollen heutzutage attraktiv aussehen.

Was aber geht überhaupt noch mit einer 70-Jährigen im Bett? "Oft bleibt es bei Zärtlichkeit: Kuscheln und natürlich massieren." Doch auch zum echten Sex komme es durchaus. "Das ist nicht immer ein Vergnügen", erzählt John, aber er sei eben ein moderner Dienstleister. Auch wenn er nie direkt nach Geld frage. "Das würde als Mann einfach nicht gehen." Am Ende des Urlaubs werde es freiwillig überreicht. Natürlich zahlen die Damen vorher bereits Restaurant- und Zimmerrechungen. Und auch wenn er sie zum Souvenirshop bringt, verdient John stets mit: Während "Brigitte" glaubt, einen guten Preis zu kriegen, weil sie doch mit einem Einheimischen zusammen ist, verhandelt John auf Swahili bereits seine Kommission. So ungefähr auf 150 bis 200 Euro pro Woche kommt John insgesamt. Sagt er. Fast das Vierfache eines Hotel-Rezeptionisten "Und wenn die Frau ein großes Herz hat, gibt sie mehr."

Liebesschwüre an Dutzende Frauen

Doch das Geschäft eines professionellen Lovers erfordert einiges Organisationstalent. Es kommt vor, dass Irmgard bereits am Gepäckband des Flughafens wartet, während Brigitte noch eincheckt. Eben hat der Lover sich eine (gespielte) Träne aus dem Auge gewischt, nun überreicht er Irmgard strahlend Blumen als Willkommensgeschenk. Doch allzu leicht verplappert man sich, und es überschneiden sich Urlaubstermine. Da ist dann schnell das Drama. Echte Tränen fließen, während der Geldstrom versiegt.

Vor allem Beziehungen zu großzügigen Damen werden langfristig gepflegt - sollen sie doch wiederkommen. Auf dem Postamt sieht man Boys, die 20 Postkarten Richtung Deutschland verschicken, an 20 verschiedene Adressen, versteht sich. 20 weibliche Empfänger, die sich jeweils für die Einzige halten und zurück in der Heimat über dieselben Liebesschwüre freuen. Obwohl Postkarten immer mehr von SMS verdrängt werden. "Nakupenda sana" - "ich liebe dich". So viel Swahili verstehen inzwischen auch die deutschen Frauen. Den älteren allerdings müsse man erst noch zeigen, wie man eine SMS verschickt.

John muss jetzt los. Ein anderes Date. Der Barkeeper sieht ihm grinsend nach. Warum macht er es nicht genauso, statt für 80 Euro im Monat zehn Stunden am Tag Bier auszuschenken? "Ja, warum eigentlich nicht?" Der Barmann hört für einen Moment auf, den Tresen zu wischen. "Nein, nein", sagt er dann, "das ist nichts für mich. Es gibt Dinge, die kann ich einfach nicht machen, auch wenn sie verlockend sind."

 
 
KOMMENTARE (10 von 30)
 
Vincent_Vega (06.12.2007, 10:04 Uhr)
Alter Wein in alten Schläuchen
Prostitution, egal ob sie von Frauen oder Männern betrieben wird, ist das älteste Gewerbe der Welt.
Der Artikel greift doch einen alten Hut auf. Auf Phönix-TV lief schon diverse Male ein Bericht mit genau demselben Thema.
Es "gibt" seit 25 Jahren AIDS, wie man es sich holen kann, ist bekannt; sogar die Afrikaner, nicht nur die Kenianer wissen das.
Die ach-so-gebildeten Deutschen sollten es auch wissen. Vor vier Jahren nahm ich an einem Kisuaheli-Kurs teil und war geschockt, dass eine junge Studentin von vielleicht 19,20 Jahren dachte, AIDS könnte man sich in erster Linie durch Bluttransfusionen holen.
________________
Klar kann man die Rentnerinnen, Witwen und andere Touristinnen verstehen, die sich ein wenig Spaß gönnen möchten, genauso wie ich die Männer verstehe, die eine junge Frau aushalten wollen. Die Touristen/Touristinnen wollen ein wenig Spaß habn und vielleicht die Illusion kaufen, so attraktiv und gut im Bett zu sein, wie man mit 20 Jahren einmal selber war - und die Einheimischen, die sich als Gigolos oder Gigoline hergeben, verdienen entweder ihr bißchen Existenz oder dass ihrer Angehörigen.
Wenn beide Seiten aber meinen, im Zeitalter von AIDS und Syphilis kein Risiko einzugehen und sich nicht schützen zu müssen, grenzt das schon an Selbstbetrug.
Lynx2 (05.12.2007, 19:08 Uhr)
Zahlen für Sex ?!
Wer zu einer/einem Prostituierten geht, masturbiert doch eh nur unter Zuhilfenahme einer anderen Person... .
Mit der Hand holt man sich nicht so schnell HIV, Tripper oder Syphillis....
Der schwierigere Weg über eine echte Beziehung gefällt mir besser und niemand wird ausgenutzt. Um Menschen in anderen Ländern zu helfen kann man "Brot für die Welt" oder Ärzte ohne Grenzen unterstützen.
Styx2007 (05.12.2007, 13:08 Uhr)
Wen es interessiert!
Solange die Frauen nicht so dumm sind anzunehmen, dass hier Liebe im Spiel ist, ist das ganze nicht anders zu werten, als der Sextourismus der Männer nach Thailand etc.. Wenn diese Frauen Spass daran haben und nicht vergessen, was die wahren Intetionen der jungen Männer sind - nämlich für wenig "Aufwand" ein Maximum an Entgelt und Geschenken zu erhalten, so ist daran nichts verwerfliches zu finden - vorausgesetzt, das ganze artet nicht in den billigen Versuch der Abhängigkeit-Machung aus.
Garnet (05.12.2007, 09:01 Uhr)
@hq79
Die Sachlage ist die gleiche in West und in Ostafrika.In Thailand und auf den Philippinen. Mit fast 30 Jahren Jahren Auslandseinsatz in 4 Kontinenten weiss ich sehr wohl wo Kenia ist. Aber Sie mussten mal wieder den Deutschen raushaengen lassen. Wer kann es Ihnen veruebeln.
Anemone (05.12.2007, 09:00 Uhr)
Sexismus
Es wird hier fälscherlicherweise das Wort Liebe gebraucht! Sextourismus hat weder mit Liebe noch mit sozialer Wohltat zu tun, sondern einfach nur mit Befriedigung von Begierden. Das ist Abhängigkeit (!) von Trieben. Ebenso wie das, was in Deutschland seit einigen Jahren geschieht. Solange Leute keine Hilfe und Befreiung von einer Abhängigkeit wollen, sind sie es m. E. nicht wert, über ihr Tun auch nur zu berichten - es sei denn, daß Menschen (besonders Kinder) ausgebeutet bzw. mißbraucht werden!
chatahootchee (05.12.2007, 00:40 Uhr)
NONSENSE
24 Kommentare zu einem Artikel, der wahrscheinlich bloss Luecken fuellen muss. Gibt es nichts wichtigeres?
J.Stahl (04.12.2007, 23:22 Uhr)
@beelzebub
niemand hat hier gesagt das frauen wenn sie das machen eine soziale wohltat leisten und rassenschranken überwinden(ich glaube das stammt aus ihrem hirn).der unterschied ist das der gewöhnliche sex-tourist in thailand das entsprechende mädchen nicht das ganze jahr finanziell unterstüzt.er befriedigt seine bedürfnisse und das wars.
Beelzebub (04.12.2007, 23:06 Uhr)
Feministisch-sexistische Doppelmoral
Zitat aus dem Artikel: "Und kann man es den Rentnerinnen und Witwen verdenken, wenn sie ihre Einsamkeit vor der Mattscheibe im kalten Deutschland mit der Zweisamkeit bei Reggaemusik mit einem Afrikaner eintauschen?"
Ein Jahresgehalt wäre ich bereit gewesen zu wetten, dass vorgenannter Satz in folgender Fassung nie und nimmer die feministische Zensur passiert hätte:
"Und kann man es den Rentnern und männlichen Scheidungsopfern verdenken, wenn sie ihre Einsamkeit im kalten Deutschland gegen eine Zweisamkeit mit mandeläugigen Schönheiten an sonnigen Palmenstränden eintauschen?"
Merke: wenn ein Mann sich Sex bei einer Asiatin kauft, dann ist er ein perverses Chauvinistenschwein, das die Armut unterdrückter Drittweltfrauen für die Befriedigung seiner niederen Triebe ausnutzt.
Wenn hingegen eine Frau einen Afrikaner für Sex bezahlt, dann tut sie nicht nur eine soziale Wohltat sondern leistet auch noch einen lobenswerten Beitrag zur Überwindung von Rassenschranken.
Japan-Fetischist (04.12.2007, 22:00 Uhr)
Liebe..
kann nur dort existieren, wo Menschen auch Respekt voreinander haben. Bei einem Urlaub auf Bali vor 8 Jahren stand ich einer ähnlichen Variante des "umgedrehten Sextourismus" gegenüber. Eine Frau, die sich einen Mann kauft, wird wohl genauso wenig Liebe erwarten können, wie ein Mann, der sich eine Frau kauft. Es ist eben ein Geschäft, nur eines sollten diese Frauen wissen: Auch afrikanische oder balinesische, junge Männer haben kein "kulturbedingtes" Interesse an älteren Frauen, wie so oft argumentiert wird. Sie haben genauso einen Blick für Ästhetik wie junge, deutsche Männer, nur haben sie es gelernt sich zu verstellen. Aber es ist eben nur ein Dal zwischen zwei Menschen und sollte nicht als Liebe fehlinterpretiert werden. Kenia ist leider auch ein "Paradies" für Phädophile, die sich die so genannten "Beach-Boys" schon für wenig Geld ins Bett holen. Dies sind jedoch Kinder, die nicht frei entscheiden können!!
senf-dazu-geben (04.12.2007, 21:34 Uhr)
Shopping
Tja, so sieht das dann aus, wenn Frauen keine selbstbewussten Partner wollen, sondern dienstbare Jasager, die ihnen für Geld Liebe vorlügen... arm.
Auf das schwarzweiß-(sic!)-Argument "Männer machen das in XYZland auch" antworte ich: ist wohl so, das macht die Sache aber nicht besser und ist als Argument doch arg kindisch.
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